Freitag, 21.09.2018
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Obst kann den Magen reizen

Wenn gesundes weh tut

Jeder sollte täglich mindestens ein halbes Kilo Obst essen, empfehlen Ernährungswissenschaftler. Denn Erdbeeren, Pflaumen oder Äpfel sind gesund. Doch viele Menschen bekommen von Früchten Blähungen, Bauchweh und sogar Durchfall. Schätzungsweise 63.000 Deutsche waren deswegen im letzten Jahr beim Arzt. Ursache ist der vor allem in Obst enthaltene Fruchtzucker. Diesen können Betroffene nicht richtig verarbeiten. „Wer unter Fructoseintoleranz leidet, muss jedoch nicht gänzlich auf Obst verzichten, sondern sollte individuell ausprobieren, welche Sorte er ohne Probleme essen kann“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Nadine Müller von der Techniker Krankenkasse (TK).

Wer glaubt, dass der Fruchtzucker schuld an Völlegefühl oder Bauchschmerzen ist, sollte aufschreiben, was er gegessen hat. TK-Expertin Müller: „Mit einem solchen Ernährungsprotokoll kann man besser nachvollziehen, bei welchen fructosehaltigen Lebensmitteln die Symptome auftreten.“ Fruchtzucker ist vor allem in Obst und Gemüse enthalten. Aber auch Honig, Marmelade und Süßigkeiten haben einen hohen Anteil. Anschließend sollten Betroffene die entsprechenden Lebensmittel meiden. Ein spezieller Atemtest beim Arzt kann zusätzlich Gewissheit schaffen.

Angst vor Vitaminmangel müssen Betroffene nicht haben. „Statt großer Mengen Früchte sollte bei ihnen mehr gedämpftes oder gedünstetes Gemüse auf dem Teller landen“, rät die TK-Ernährungsexpertin. Normaler Haushaltszucker kann in vielen Fällen auf dem Speiseplan bleiben, da er nur zur Hälfte aus Fructose besteht. Zum Süßen ist auch Traubenzucker eine gute Alternative. Vorsicht ist jedoch bei so genannten Zuckeraustauschstoffen geboten. So wird beispielsweise Sorbit industriell aus Mais- oder Weizenstärke gewonnen und ist besonders häufig in Kaugummis, Fertigsaucen und Ketchup enthalten. Die Stoffe hemmen die Fruchtzuckeraufnahme zusätzlich.

Halten die Symptome trotz fructosearmer Ernährung weiter an, sollte man untersuchen, ob der Körper auch auf andere Lebensmittel empfindlich reagiert. Denn viele Patienten mit Fructoseintoleranz vertragen auch keinen Milchzucker.

Weitere Ernährungstipps und Hinweise für Menschen mit Lactoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) gibt es in der Broschüre „Ernährung“, die kostenlos im Internet unter www.tk-online.de heruntergeladen werden kann.

Foto: AOK

Kinder essen zu wenig Brokkoli & Co

So schmeckt's auch Gemüsemuffeln

(dgk) „Das eklige grüne Zeug will ich aber nicht!“ Fast alle Eltern kennen das tägliche Gemäkel am Tisch, wenn es ums Gemüse geht. Genau wie das fortwährende Hin- und Hergeschiebe von Blumenkohl- oder Zucchinistückchen auf dem Teller. Doch leider zeigen auch zähe Kämpfe um das gesunde Essen kaum Wirkung. Das belegen wissenschaftliche Daten: Die EsKiMo-Studie, eine Nachfolgeerhebung des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys, zeigt, dass Kinder aller Altersstufen viel zu wenig Gemüse essen.

Sie erreichen im Durchschnitt nicht mal die Hälfte der vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund empfohlenen Menge. Damit fehlen den Jungen und Mädchen wichtige Vitamine und Mineralstoffe, allen voran das Wachstumsvitamin Folsäure. Es ist vor allem in Fenchel, Spargel, Rosenkohl, Wirsing oder Spinat enthalten – alles keine „Renner“ bei den lieben Kleinen. Doch auch Brokkoli, Blumenkohl oder Zuckermais sind reich an Folsäure. Sie finden meistens etwas mehr Anklang.

Auf die Zubereitung kommt es an

Was können Eltern tun, um ihrem Nachwuchs das ja tatsächlich gesunde Gemüse schmackhaft zu machen? Heike Brinkmann-Reitz, Ernährungswissenschaftlerin beim Deutschen Grünen Kreuz e. V., betont: „Viele Kinder mögen kein verkochtes Gemüse, finden aber Rohkost oder witzig angerichtete Speisen klasse.“ Deshalb rät die Expertin, Gemüse immer knackig zu kochen. Kinder lieben es auch mitzuhelfen – Eltern sollten sie bei der Auswahl und Zubereitung einbeziehen. Denn „Selbstgekochtes“ schmeckt gleich viel besser.

Aber es gibt auch einige „Hits für Kids“, Gerichte, die immer gut ankommen. Dazu zählen Rohkost-Sticks mit Dips, die „Gurkenschlange“ aus einer Salatgurke oder bunter Salat aus Tomaten, Gurken, Paprika und Mais. „Sehr beliebt sind auch panierte, in der Pfanne gebackene Möhren, zu dünnen Stiften geschnittene Gemüse-Spaghetti und Backgemüse vom Blech“, so Brinkmann-Reitz. „Dabei ist es empfehlenswert, jeweils das Gemüse der Jahreszeit zu verwenden. Es enthält am meisten Nährstoffe und schmeckt am besten.

So kann beispielsweise der Frühling mit einem frischen Kohlrabi-Apfel-Salat beginnen, im Sommer gibt es Zucchini-Puffer und gegrillte Gemüsespieße, und der Herbst bringt Maiskolben sowie eine schaurig-leckere Halloween-Kürbis-Suppe auf den Tisch.“

Aufgepasst: Frauen essen anders

Foto: Techniker Krankenkasse

Männer und Frauen müssen sich unterschiedlich ernähren

(dge) Frauen sind nicht nur anders als Männer, sie essen und trinken auch anders. Oder sollten es jedenfalls. Aufgrund geringerer Muskel- und größerer Körperfettmasse verbrauchen Frauen pro Stunde nur 55,8 kcal, Männer hingegen 72,5 kcal. Bei gleichem Körpergewicht dürfen Männer daher mehr essen als Frauen. Umgerechnet auf die Durchschnittsdeutschen bedeutet das bei niedriger körperlicher Aktivität – einen Mehrbedarf des Mannes an Energie von durchschnittlich 500 Kalorien (kcal) am Tag.

Aber wie sieht es in der Realität aus? Essen Männer mehr und anders als Frauen? Die aktuellen Ergebnisse aus der Nationalen Verzehrsstudie II bestätigen, dass Männer tatsächlich durchschnittlich 166 g mehr Lebensmittel am Tag essen. Besonders auffällig sind die Unterschiede beim Verzehr von Fleisch, Wurstwaren und Fleischerzeugnissen. Männer essen doppelt so viel Fleisch wie Frauen, pro Tag nämlich 103 g Fleisch und Wurstwaren. Bei Frauen landen nur 53 g auf dem Teller. Interessanterweise sind die Unterschiede bereits im Kindesalter vorhanden. Männer verzehren auch mehr Milch und Milchprodukte als Frauen. Bei beiden Geschlechtern nimmt der Verzehr jedoch mit zunehmendem Alter ab. Absolut gesehen essen Männer weniger pflanzliche Lebensmittel als Frauen, wobei Frauen vor allem mehr Obst essen und zwar im Durchschnitt eine Obstmenge, die in etwa einer Kiwi am Tag entspricht. Damit werden die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) für den Obstverzehr von 250 g pro Tag von Frauen relativ gut erreicht. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Obstverzehr ist ebenfalls bereits in der Kindheit vorhanden und bleibt bis ins hohe Alter erhalten. In Bezug auf Gemüse sind die Unterschiede eher gering. Es besteht lediglich eine Differenz von 20 g, das entspricht in etwa einem Radieschen. Auch für Brot und Getreideprodukte sind die Unterschiede eher marginal.

„Neben der Quantität unterscheidet sich aber auch die Qualität der Lebensmittel zwischen den Geschlechtern. Männer sind seltener Vegetarier, trinken weniger Kräuter- und Früchtetees, dafür aber mehr Limonade und Alkohol“ sagt Dr. Annett Hilbig vom Max Rubner-Institut auf dem Journalistenseminar „Gender und Ernährung – männlich, weiblich, anders?“ der DGE in Hamburg zu den Geschlechterunterschieden.

Hintergrundinformationen: Frauen benötigen aufgrund ihres geringeren Energiebedarfs eine höhere Nährstoffdichte, also nährstoffreichere Lebensmittel mit geringerem Energiegehalt, um die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen sicherzustellen. Denn bei einigen Nährstoffen wie Vitamin C, Vitamin B12, Calcium oder Jod muss die Frau bei geringerem Energiebedarf die gleiche Menge Nährstoffe aufnehmen wie der Mann. Hinzu kommt ein erhöhter Nährstoffbedarf während Schwangerschaft und Stillzeit.

Generell beruht die Ableitung von Empfehlungen und Schätzwerten für die Nährstoffe auf unterschiedlichen Kenngrößen. Während bestimmte essenzielle Nährstoffe wie die Vitamine B1, und B2 auf den Richtwert für die Energiezufuhr bezogen sind, richten sie sich bei Vitamin K und Protein nach der Körpermasse und bei Vitamin B6 nach der empfohlenen Proteinzufuhr. In absoluten Zufuhrzahlen ausgedrückt bedingt das für diese Nährstoffe höhere Nährstoffempfehlungen bzw. Richtwerte für den Mann.

Bei anderen Nährstoffen bedingen physiologische Unterschiede unterschiedliche Zufuhrwerte. So hat die Frau aufgrund der Blutverluste im gebärfähigen Alter einen höheren Eisenbedarf, beim Mann schlagen sich die höheren Verluste von Zink über den Schweiß in unterschiedlichen Zufuhrempfehlungen nieder. Die als tolerabel angesehene Alkoholzufuhr ist beim Mann höher als bei der Frau, wie sich in zahlreichen epidemiologischen Studien gezeigt hat.

Praktisch bedeutet das für Frauen, dass sie mehr pflanzliche Lebensmittel, weniger tierische und außerdem fettärmere Produkte essen sollten, was sie nach den Ergebnissen der Nationalen Verzehrsstudie II auch tatsächlich tun. Dabei macht es Sinn, fettreiche Lebensmittel gegen vergleichbare fettarme Lebensmittel auszutauschen, also zum Beispiel anstelle der fettreichen Ölsardine mit 34 g Fett pro 100 g den mit 14 g/100g Fett fettärmeren Brathering. Auch bei Gemüse und Obst gibt es deutliche Unterschiede. So ist der Blumenkohl in puncto Energiegehalt den Erbsen überlegen, die Banane mit 0,9 kcal pro Gramm ist ein – verglichen mit Äpfeln, die 0,5 kcal pro Gramm Energie mitbringen – vergleichsweise energiereiches Obst.

Fisch statt Fleisch: Rheuma durch Ernährung lindern

Bedeutung der Omega-3-Fettsäuren

Die Ernährung kann rheumatische Erkrankungen beeinflussen. „Kleine Änderungen bei der Lebensmittelauswahl reichen oft schon, sie müssen aber zu den persönlichen Vorlieben passen. Apotheker geben ihren Patienten gerne Tipps zur richtigen Ernährung“, so Erika Fink, Präsidentin der Bundesapothekerkammer. Bundesweit haben sich mehr als 2000 Apotheker auf Ernährungsberatung spezialisiert.

Chronische Entzündungen wie rheumatische Erkrankungen werden gedämpft, wenn weniger Arachidonsäure gegessen wird. Diese Fettsäure ist in Fleisch und Eigelb enthalten. Rheumatiker sollten deshalb höchstens zweimal pro Woche Fleisch und nicht mehr als zwei Eigelb pro Woche essen. Empfehlenswert hingegen ist Fisch: Kaltwasserfische wie Hering oder Makrele enthalten reichlich Omega-3-Fettsäuren. Sie kommen auch in Pflanzenölen aus Raps, Walnüssen oder Leinsamen vor. Aus Omega-3-Fettsäuren bildet der Körper Botenstoffe, die eine Entzündung hemmen können. Apotheker empfehlen Menschen mit rheumatischen Beschwerden deshalb mindestens zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Wer keinen oder nicht so viel Fisch mag, kann auf Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren ausweichen.

Für eine ausreichende Versorgung mit Kalzium sollten Rheuma-Patienten täglich einen halben Liter fettreduzierte Milch trinken oder entsprechende Mengen fettarmer Milchprodukte essen. Ergänzt wird dies durch vegetarische Kost. Auch die bedarfsgerechte Zufuhr von Vitamin E und anderen Spurenelementen ist wichtig.

Rheuma-Patienten haben einen um etwa ein Fünftel erhöhten Energiebedarf. Bei ihnen sind Mangel- und Fehlernährungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten häufig. Einige Rheumatiker reagieren auf bestimmte Lebensmittel wie Weizen, Mais oder Kaffee mit einem Krankheitsschub.

Ein langfristig geführtes Ernährungs- und Beschwerdetagebuch kann helfen, diesen Zusammenhang zu erkennen.

Vollwertige Ernährung: Lecker und Gesund

Bedeutung nicht unterschätzen

Mancher denkt bei gesundem Essen an „Tofu-Pappe“ und „Körnerfraß“. Wenn Ärzte von gesunder Ernährung – oder lieber noch von „vollwertiger“ Ernährung – sprechen, meinen sie genau das Gegenteil. Definiert ist die vollwertige Ernährung heute als eine „vielseitige, abwechslungsreiche Kost mit vielen Nährstoffen und wenig Energie“. Vielseitig und abwechslungsreich – das hört sich nicht wirklich schlimm an. So ist vollwertige Ernährung, richtig durchgeführt, vor allem eins: Lecker. Und sehr individuell: Wer Tofu oder Körner mag, darf das essen. Wer nicht: Kein Problem.

Aber wozu macht sich die Medizin überhaupt Gedanken über eine gesunde Ernährung? Jeder hat schon mal gehört, dass es besser für den Körper ist, vollwertig zu essen. Eine Erkenntnis wird in der Medizin heute aber immer wichtiger: Abgesehen vom Nichtrauchen ist keine andere Maßnahme so entscheidend dafür, wie gesund wir sind – und bleiben. Ein Beispiel kann das deutlich machen: Hatte jemand einen Herzinfarkt, dann setzen Ärzte alles daran, dass kein zweiter Herzinfarkt kommt. Und dafür haben Studien deutlich gezeigt, welche Medikamente nun erforderlich sind: Beta-Blocker, Blutverdünner, Cholesterin- und Blutdrucksenker sind heute Standard in der Therapie. Aktuelle Studien zeigen aber auch, dass es eine Maßnahme gibt, die noch viel effektiver ist, als alle diese Medikamente zusammen: Die vollwertige Ernährung. Natürlich heißt das nicht, dass man die Medikamente nun weglassen könnte und sich dafür vollwertig ernährt.

Aber es bedeutet: Die Medikamente sind unverzichtbar – solange jedoch nicht auch die Ernährung angepasst wird, ist bei weitem nicht alles getan, um den Patienten zu schützen. Diese Erkenntnis gilt tatsächlich für nahezu jede Krankheit. Ob Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Gicht, Allergien, Krebserkrankungen – mit der richtigen Ernährung kann jeder die Therapie entscheidend unterstützen. Gleiches gilt für die Prävention: Die Medizin kann heute sehr genau sagen, mit welcher Ernährung man die Chance hat, am längsten zu leben und dabei gesünder zu bleiben. Und auch bei der Frage des Übergewichts kann die moderne Medizin helfen: Nahezu alle Diäten haben ja das Problem, dass das Gewicht auf Dauer wieder hochgeht. Wir wissen heute aber, mit welcher Ernährung man beim Abnehmen gesund bleibt und auch auf Dauer den Erfolg halten kann.

Um dies alles umzusetzen, gibt es eine recht junge Disziplin in der Medizin: Die Ernährungsmedizin. Zunehmend bilden sich Ärzte zu Ernährungsmedizinern weiter, um noch mehr als bisher diese Chance der Therapie umzusetzen. Zudem zertifiziert der Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM) Arztpraxen, die sich auf Ernährungsmedizin spezialisiert haben.

Zwischen Hamburg und Hannover gibt es vier auf Ernährungsmedizin spezialisierte Praxen.

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