Sonntag, 18.11.2018
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Senecura: Anlaufstelle für alle Fragen des Alterns

Unbürokratisch, vertraulich und engagiert

Bei dem Wort „Amt“ fällt bei vielen Menschen die Klappe: Ämter sind bürokratisch, schwerfällig und je weniger sie von einem wissen, desto besser, glauben sie. Dabei können Ämter auch ganz anders sein: niedrigschwellig ausgerichtet, unbürokratisch und mit engagierten Mitarbeitern. So funktioniert auch die Beratungsstelle für ältere Menschen und ihre Angehörigen im Landkreis Soltau-Fallingbostel Senecura. Angesiedelt ist sie im Fachbereich Gesundheit in Walsrode, eine Außenstelle gibt es in Soltau.

Das Arbeitsgebiet der Altenhilfe hat es bereits seit langem im Fachbereich Gesundheit gegeben – seit 2003 hat der Landkreis dieses Angebot aber erweitert und verfeinert, sodass den Bürgern jetzt ein Angebot zur Verfügung steht, das in Niedersachsen neben Hannover und Wolfsburg Vorreiter ist. Das in Walsrode verwirklichte Konzept dient jetzt anderen Landkreisen als Grundlage, ähnliche Angebote zu entwickeln. Natürlich sei mit Senecura dem wachsenden Bedarf durch die alternde Bevölkerung Rechnung getragen worden, erklären Michael Letter und Vera Meyer-Dymny von der Beratungsstelle, aber der Landkreis habe auch sehr früh gehandelt.

Das Ergebnis ist, dass älteren Menschen und ihren Angehörigen ein sehr breites Spektrum an Informationen und Hilfestellungen geboten werden kann. „Wir sind für alle Fragen rund um das Altern da“, so Michael Letter. Abgewiesen wird niemand, inzwischen gibt es ein dichtes Netzwerk zu verschiedensten Einrichtungen, um bei allen Fragen weiterhelfen und im Zweifelsfall auch weiterleiten zu können. Aktuell arbeitetet die Beratungsstelle daran, anerkannter Pflegestützpunkt zu werden – das bedeutet dann noch einmal umfassendere Leistungen rund um das Thema Pflege.

Schade finden Michael Letter und Vera Meyer-Dymny, dass sich viele ältere Menschen erst dann an die Beratungsstelle wenden, wenn schon Not am Mann sei – sei es bei der Haushaltsführung, sei es bei der Betreuung von Partnern. Dabei liegt ein Schwerpunkt von Senecura auf der präventiven Beratung, wie alte Menschen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können – was sich die allermeisten wünschen – und welche Hilfestellungen es dafür gibt. Manchmal könne eine Wohnung ohne großen Aufwand seniorengerecht ausgestattet werden, erzählt Vera Meyer-Dymny, darüber hinaus lassen sich Dienste wie Essen auf Rädern oder Notrufsysteme organisieren. Die Beratungsstelle Senecura informiert dabei völlig neutral. Außerdem kommen die Mitarbeiter bei Bedarf zu den Senioren nach Hause und versuchen, so ganz individuelle Lösungen zu finden.

Foto: pro dente

Auch finanzielle Fragen spielen in der Beratungsstelle eine Rolle: Welche Unterstützung gibt es, greift eventuell eine Pflegestufe? Wo müssen entsprechende Anträge gestellt werden? Informationen gibt es weiterhin zur Vorsorgevollmacht, die regelt, wer in Notfällen für den Betroffenen wichtige Dinge entscheiden darf.

Die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, ist nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch bei den Angehörigen hoch – sie fühlen sich allein verantwortlich für die Pflege von Eltern oder Partnern, fürchten eine Verlust der Privatsphäre, wenn Fremde mit der Pflege betraut werden. Das ist zwar verständlich, aber heikel, denn daraus kann eine Überforderungssituation entstehen. Das Senecura-Team berät telefonisch wie persönlich, vertraulich und auf Wunsch auch anonym, zudem kostenlos. So können sich Betroffene Hilfe suchen, ohne dabei gleich in Abhängigkeit zu geraten.

Eine Thema, mit dem Michael Letter und seine Kollegen regelmäßig konfrontiert werden, ist die Krisenintervention: mit körperlichen Erkrankungen gehen häufig auch seelische Erkrankungen einher, allerdings finden nur wenig Betroffene den Weg zum Psychologen oder Psychotherapeuten, sondern ziehen sich zurück, vereinsamen, werden auch seelisch krank. Die Beratungsstelle kann hier schnell und unbürokratisch psychosoziale Hilfe bieten, ebenfalls niedrigschwellig und bei den alten Menschen zu Hause. Als ausgebildete Altenpflegerin weiß Vera Meyer-Dymny, welch psychische Belastung beispielsweise eine Demenz-Diagnose oder eine Pflegebedürftigkeit für die Betroffenen darstellt.

Aber auch Angehörigen steht Senecura zur Seite: Zum einen mit umfassender Beratung und Hilfestellung, zum anderen durch Gruppenangebote wie den Gesprächskreis pflegender Angehöriger oder die Zusammenarbeit mit verschiedenen Selbsthilfegruppen. In Zukunft noch wichtiger wird das ehrenamtliche Engagement, erklären die Senecura-Mitarbeiter. Schon jetzt gibt es Schulungen für engagierte Männer und Frauen, die sich stundenweise um Demenzerkrankte kümmern, mit ihnen spazieren gehen oder ihnen vorlesen, um so die pflegenden Angehörigen zu entlast


Informationen:

Senecura: 
Beratungsstelle für ältere Menschen und ihre Angehörigen

Ansprechpartner für den Erstkontakt:

Walsrode und SG Schwarmstedt:
Herr Letter, Tel. (0 51 61) 98 06 40, Mail f07300@heidekreis.de

Soltau und Bispingen: 
Frau Kremer, Tel. (0 51 91) 970-777, Mail f07305@heidekreis.de

Munster und Wietzendorf: 
Herr Krebs, Tel. (0 51 91) 970-786, Mail f07306@heidekreis.de

Bad Fallingbostel, Bomlitz, SG Ahlden, SG Rethem und der Gemeindefreie Bezirk Osterheide: 
Frau Stabrey, Tel. (0 51 61) 9806-41, Mail f07303@heidekreis.de

Schneverdingen und Neuenkirchen: 
Frau Franke, Tel. (0 51 91) 970-809, Mail f07304@heidekreis.de

Nach Absprache Beratung und Begleitung
durch die staatlich anerkannte Altenpflegerin

Frau Meyer-Dymny, Tel.  (0 51 61) 9806-43, Mail f07301@heidekreis.de

Einzelberatung in Ernährungsfragen durch die sozialmedizinische Assistentin Frau Lochau, Tel. (0 51 61) 9806-42, Mail f07302@heidekreis.de

Senecura-Beratungsstelle in Walsrode:
Dierkingstraße 19, Tel. (0 51 61) 98 06-0

Außenstelle Soltau:
Bornemannstraße 2, Tel. (0 51 91) 970-777, und 970-786 und 970-809

Wenn Eltern älter werden

Für beide Seiten nicht einfach

(dpa/tmn) Über viele Jahre war die Rollenverteilung klar: Die Eltern halfen den Kindern beim Start ins Leben und begleiteten sie lange Zeit als Berater. Doch mit der Zeit ändert sich das. Wenn die Eltern älter werden, müssen die Kinder ihnen zunehmend zur Seite stehen – und die Eltern müssen lernen, sich helfen zu lassen. Das ist für beide Seiten nicht einfach. Wenn aber Eltern und Kinder einige Dinge beachten, klappt der Rollentausch.

„Kinder haben häufig Schwierigkeiten damit, ihre Eltern altern zu sehen, weil sie dann mit ihrem eigenen Altern konfrontiert werden“, erklärt der Diplom-Psychologe Walter Andritzky aus Düsseldorf. Die Eltern lebten den Kindern also gewissermaßen ihre Zukunft vor – „einige können das akzeptieren, andere wehren das lieber ab“.

Aber auch die Eltern hätten oft Probleme mit dem Altern und den damit einhergehenden Veränderungen des Lebens wie der eingeschränkten Mobilität. „Es ist oft schlecht für das Selbstwertgefühl, wenn sie nun auf Hilfe angewiesen sind“, sagt Andritzky. „Viele wehren sich lange dagegen, kaschieren vielleicht auch ihre Hilfsbedürftigkeit oder reagieren aggressiv, wenn Angehörige ihnen helfen wollen.“

Ilse Biberti kennt die Schwierigkeiten, die mit dem Altern der Eltern einhergehen, aus eigener Erfahrung: „Jeder hatte bislang sein eigenes Leben – die Eltern genauso wie die Kinder“, sagt die Autorin aus Berlin. „Nun verliert eine Seite einen Teil des gewohnten Lebens, und die andere Seite bekommt mehr Verantwortung und Fürsorge dazu.“

Dabei sei vor allem wichtig, dass beide Seiten die neuen Lebensbedingungen akzeptierten. „Es gehört dazu, dass Eltern irgendwann nicht mehr alles wie früher schaffen und Hilfe beim Einkauf, Wäschewaschen, Arztbesuchen oder auch bei den finanziellen Aspekten brauchen“, sagt Biberti. Ihre Kinder könnten ihnen nicht vorwerfen, dass sie etwas nicht mehr können, sondern sollten sich sagen „Das ist jetzt so, das ist normal“. Es bringe nichts, sich über die Eltern zu ärgern. Stattdessen sei es hilfreicher, sich gemeinsam mit der jeweiligen Situation auseinanderzusetzen.

„Wenn beispielsweise die Eltern nicht genug trinken, hilft es nicht, ihnen im Befehlston vorzuschreiben ‚Trinkt mehr‘„, sagt Biberti, die über die Erfahrungen mit ihren Eltern zwei Bücher geschrieben hat. „Vielleicht haben sie ja wirklich kein Durstempfinden.“ Es sei besser, gemeinsam zu überlegen, wie die Eltern genug Flüssigkeit bekommen, beispielsweise, indem morgens Wasserflaschen gut sichtbar in die Küche gestellt werden.

Schwieriger wird es bei intimeren Themen wie Inkontinenz. „Da könnte es gerade für Töchter eine Hemmschwelle geben, mit ihrem Vater drüber zu reden“, sagt Biberti. In solchen Fällen helfen vielleicht andere Angehörige oder Freunde. „Möglicherweise gibt es einen Onkel, mit dem der Vater reden kann, oder der Hausarzt bietet Hilfe an.“

Auch wenn es für Eltern anfangs unangenehm ist, würden die meisten Hilfe annehmen. Dabei komme es darauf an, sie weiterhin mit Respekt zu behandeln. „Man muss die Unterstützung auf Augenhöhe anbieten und darf niemanden einfach bevormunden“, erklärt die Autorin. Die Hierarchie sollte gewahrt werden. „Vater und Mutter bleiben Vater und Mutter, ich wurde eine Tochter mit erweiterten Kompetenzen.“

Gerlinde Strunk-Richter rät den Eltern, sich frühzeitig mit ihrem Altern und damit verbundenen Veränderungen auseinanderzusetzen. „Es ist sinnvoll, sich zeitig zu überlegen, wie und wo man im Alter leben möchte“, sagt die Expertin vom Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Nur wer lange über sein Leben bestimmen kann, bewahre sich seine Unabhängigkeit.

Dabei sei auch die Frage wichtig: „Wer genießt mein Vertrauen, um Dinge in meinem Sinne zu regeln?“ Das könnten laut Strunk-Richter ganz alltägliche Dinge sein wie „Wer darf die Post abholen?“ und „Wer darf meine Finanzen regeln?“. Es sei am besten, solche Regelungen schriftlich festzulegen – und immer mit den Angehörigen im Gespräch zu bleiben, um ihnen die eigenen Vorstellungen mitzuteilen. „Kinder wissen oft nicht, was die Eltern wollen, deshalb kann es passieren, dass sie Entscheidungen treffen, die die Eltern nicht wollen.“

Was eventuell als Bevormundung wahrgenommen wird, kann durchaus gut gemeint sein – aber aus Unwissenheit geschehen. Das Problem sei, dass sich daraus Konflikte entwickelten, sagt Strunk–Richter. „Streit entzündet sich oft aus alltäglichen Dingen.“ Daher kann es zum Beispiel wichtig sein, den Kindern klar zu machen, was sie genau eingekaufen sollen. Immerhin könnten eine bestimmte Kaffeesorte oder die Lieblingsschokolade für einen selbst zur Lebensqualität beitragen – gerade dann, wenn man selber nicht mehr einkaufen gehen kann.

Nicht zu früh zu viel für die Eltern tun

Einige Menschen wollen sich im Alter möglichst gar nicht helfen lassen, andere genießen das Umsorgtwerden sogar. Die Autorin Ilse Biberti rät Kindern jedoch, nicht zu früh zu viel für die Eltern zu tun. „Nur weil beispielsweise der Pullover schmutzig ist, muss man nicht sofort anfangen, regelmäßig alle Kleider zu waschen.“ Ähnliches gelte für Eltern, die schlecht laufen können. „Man sollte sie ruhig ihre Brille selbst holen und den Tisch mit decken lassen.“ Denn eines sei wichtig: „Die Ressourcen der Eltern so lange wie möglich zu erhalten. Alles, was sie noch können, unterstützt die Lebensfreude.“

Foto: dpa

Zuschüsse für Barrierefreiheit

Förderprogramm "Altersgerecht umbauen" der KfW-Bankengruppe

Die meisten Menschen wünschen sich, in den eigenen vier Wänden alt zu werden. Schwierig wird es, wenn der alte Mensch keine Treppen mehr steigen kann, ein Rollator oder sogar Rollstuhl Schwellen nicht passieren kann, nicht gut durch Türen passt oder die Badewanne unbenutzbar wird. Das muss aber noch lange nicht den Abschied von der vertrauten Umgebung bedeuten, denn es gibt eine Vielzahl von Umbaumaßnahmen, die Haus oder Wohnung seniorengerecht machen. Wer solche Maßnahmen plant, sollte sich im Vorfeld gut beraten lassen, um über die entstehenden Kosten Bescheid zu wissen.

Im April 2009 hat die KfW Bankengruppe das Förderprogramm „Altersgerecht umbauen“ aufgelegt, das solche Maßnahmen fördert und zum Ziel hat, dass vor allem ältere Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben können. Ein zinsattraktives Darlehen aus dem KfW-Programm können Haus- und Wohnungseigentümer, Mieter (mit Zustimmung des Vermieters), Wohnungsunternehmen und -genossenschaften, Gemeinden, Kreise und Gemeindeverbände beantragen. Der barrierereduzierende Umbau wird je selbstgenutzter oder vermieteter Wohneinheit mit bis zu 50 000 Euro gefördert, die Darlehenslaufzeit kann bis zu 30 Jahre bei maximal fünf tilgungsfreien Anlaufjahren betragen. Die Umbauarbeiten müssen von Fachunternehmen ausgeführt werden.Förderfähig sind unter anderem:

- der barrierereduzierende Umbau von Wohnungen und Wohngebäuden (zum Beispiel Rampe statt Stufen vor dem Eingang, Einbau von Aufzügen, Umbau von Sanitärräumen, Haustechnik)

- die barrierereduzierende Anpassung des Wohnumfeldes (zum Beispiel barrierereduzierte Wege, frei erreichbare Entsorgungseinrichtungen, Schaffung von Stellplätzen)

- eine Wohnflächenerweiterung (zum Beispiel Dachgeschossausbau für generationenübergreifendes Wohnen).

Infos gibt es unter www.kfw-foerderbank.de
sowie unter www.kfw-chancen.de/altersgerecht_umbauen

Wenn die Erinnerung sich verabschiedet

Demenzerkrankungen

Was eint Prominente wie den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan, den deutschen Rhetoriker Walter Jens, die Schauspielerin Inge Meisel, den Politiker Herbert Wehner und den Boxer Bubi Scholz? Es ist die Diagnose einer Demenzerkrankung, sie alle hatten oder haben Alzheimer. Eine schleichende Erkrankung, die mit einem fortschreitenden Verlust der Gedächtnis- und Orientierungsfähigkeit einhergeht. Dramatisch für die Betroffenen, die sich selbst als zunehmend hilflos und überfordert erleben, dramatisch für die Angehörigen, die mit der Unberechenbarkeit der Erkrankung, den Wesensveränderungen der Erkrankten zu tun haben. Heilbar ist Alzheimer aktuell nicht, es gibt aber verschiedene Therapien, die in erster Linie darauf abzielen, die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.

Alzheimer, genauer gesagt Morbus Alzheimer, ist die häufigste Demenzerkrankung, rund eine Million Menschen sind in Deutschland betroffen. Noch bevor Symptome auftreten, lagern sich im Gehirn Eiweißbruchstücke ab und behindern die Kommunikation der Nervenzellen untereinander. Nervenzellen sterben ab, insbesondere in den Arealen, die für Sprache, das Gedächtnis und die Denkfähigkeit beteiligt sind.

Erstes Symptom ist eine Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses, das Langzeitgedächtnis, das für die eigene Biografie und damit auch die eigene Jugend und Kindheit zuständig ist, arbeitet hingegen sehr lange gut. Konzentrationsfähigkeit und Denkleistung lassen nach, es können Sprachstörungen auftreten. Insbesondere in der frühen Erkrankungsphase kann es zu Depressionen kommen, besonders, wenn die Betroffenen selbst den Verlust ihrer geistigen Leistungsfähigkeit registrieren.

Als charakteristische Anzeichen für eine Alzheimererkrankung gelten

- Vergesslichkeit, Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, später auch des Langzeitgedächtnisses.

- Schwierigkeiten, alltägliche und häusliche Aufgaben korrekt zu erledigen.

- Probleme, sich sprachlich auszudrücken.

- Verlust der Orientierung über Zeit, Raum und Ort.

- Nachlassen des Urteilsvermögens.

- Probleme mit der Konzentration und dem abstrakten Denken.

- Falsche Zuordnung von Gegenständen und Gegebenheiten.

- Verhaltensänderungen.

- Persönlichkeitsstörungen.

- Antriebslosigkeit.

Die Betreuung von Alzheimerpatienten ist, zumindest in den fortgeschritteneren Phasen, aufwendig, oftmals bedürfen sie ständiger Aufsicht. Gleichzeitig sind sie nicht mit anderen Pflegebedürftigen vergleichbar. So haben viele Demente ein ausgeprägtes Bewegungsbedürfnis. Da die Alzheimererkrankung auch mit Persönlichkeitsveränderungen einhergehen kann, ist die psychische Belastung für Angehörige groß: Sie werden nicht erkannt, eventuell sogar angefeindet. Wichtig ist es in jedem Fall, dass möglichst frühzeitig eine Diagnose gestellt wird, um dem Betroffenen und den Angehörigen gerecht zu werden.

Sinn aller Therapien ist es, die Alltagsfähigkeit der Patienten zu bewahren. Das kann zum Beispiel Ergotherapie sein, Verhaltenstherapie, Musik- und Kunsttherapie aber auch Gedächtnistraining. Im medikamentösen Bereich können Antidementiva, weiterhin Antidepressiva und Neuroleptika verordnet werden.

Um Alzeimerpatienten und ihren Angehörigen Unterstützung zu bieten, gibt es spezialisierte Pflegedienste, Pflegeheime, die auf die Betreuung Dementer ausgerichtet sind, außerdem Tagesbetreuungsstellen, ehrenamtliche Betreuer und Gesprächsgruppen für Angehörige.

Literatur und Filme, die sich mit dem Leben von Alzheimererkrankten beschäftigen:

Filme:

- „Mein Vater“ mit Götz George in der Hauptrolle eines 62-jährigen Alzheimerkranken, der von der Familie seines Sohnes aufgenommen wird. Ausgezeichnet mit dem Emmy-Award 2003.

- „An ihrer Seite“ mit Oscar-Gewinnerin Julie Christie von Fiona, die an Alzheimer erkrankt, sich selbst in ein Pflegeheim einweist und nach einer 30-tägigen Eingewöhnungszeit ohne Besuch ihre Ehemann, mit dem sie 50 Jahre verheiratet ist, nicht wiedererkennt, ihre Zuneigung vielmehr einem anderen Heimbewohner schenkt.

- „Der Tag, der in der Handtasche verschwand“, 2002 mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet. Eine Kamera begleitet eine Frau, die sich einem Komplott ausgesetzt wähnt, aber vergessen hat, dass sie in einem Heim lebt und Alzheimer hat.

- Der Film „Iris“ von Richard Eyre aus dem Jahr 2001, der das Leben der Schriftstellerin Iris Murdoch schildern, die nach mehr als 40 Jahren Ehe mit dem Literaturkritiker John Baylay und literarischem Erfolg an Alzheimer erkrankt, ihre bisherige Welt auf den Kopf gestellt sieht.

Bücher:

„Es schneit in meinem Kopf“: Zehn Autoren nähern sich dem Thema Alzheimer, zum Teil aus persönlicher Erfahrung.

- „Ich habe Alzheimer“ von Stella Braam. Die Autorin schildert, wie ihr Vater, Psychologe an der Universität, das Gefühl für Zeit und Raum und schließlich sich selbst verliert. Der Vater als ehemaliger Wissenschaftler und Schriftsteller nutzt seine Tochter, die Journalistin ist, in seinen wachen Momenten als Sprachrohr und gewährt so Einblicken in seine Gedankenwelt.

- „Demenz – Abschied von meinem Vater“ von Tilman Jens über die Erkrankung seines Vaters Walter Jens, renommierter Rhetoriker, Essayist und Literaturwissenschaftler. Inge Jens, die Frau von Walter Jens, hat das Leben mit ihrem Mann, auch in schwierigen Jahren der Demenzerkrankung, in ihrem Buch „Unvollständige Erinnerungen“ beschrieben.

Foto: Techniker Krankenkasse

Ehrliche Antworten für Patienten

Ratgeber "Diagnose Alzheimer"

Ehrliche Antworten für Alzheimer-Patienten im frühen Stadium gibt der aktualisierte Ratgeber, den die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) kostenlos an Betroffene und Interessierte abgibt. Heute erfahren viele Alzheimer-Patienten schon in einem frühen Stadium von ihrer Krankheit. Da es Medikamente gibt, die den Krankheitsverlauf zeitweise aufhalten und verlangsamen, achten Ärzte auf erste Anzeichen der Krankheit. Patienten, die bisher ein selbstständiges Leben allein oder in einer Partnerschaft geführt haben, müssen sich jetzt mit der „Diagnose Alzheimer“ auseinandersetzen.

Das Buch möchte helfen, „Kontrolle“ über die Situation zu erlangen und sich weniger ausgeliefert zu fühlen. Der Ratgeber „Diagnose Alzheimer – Ehrliche Antworten für Patienten“ informiert detailliert über Diagnose- und Behandlungsmethoden, über mögliche Ursachen und über den Verlauf der Alzheimer-Krankheit. Er erläutert die Reaktionen von Betroffenen und deren Angehörigen, wenn sie mit der Diagnose Alzheimer konfrontiert werden. Ausführlich wird darauf eingegangen, was der Betroffene planen kann und sollte, je nachdem, ob er alleine oder in einer Partnerschaft lebt, und, ob er noch im Berufsleben steht oder schon pensioniert ist. Im Anhang finden sich Literaturhinweise und Adressen von Organisationen, die weiterhelfen können. „Diagnose Alzheimer – Ehrliche Antworten für Patienten“ kann kostenlos bestellt werden bei: Alzheimer Forschung Initiative e.V., Grabenstraße 5, 40213 Düsseldorf, Telefon (08 00) 200 40 01,
Internet: www.alzheimer-forschung.de

Foto: Initiative Altern in Würde

Wenn Alzheimerpatienten aggressiv sind

Anschuldigungen und Wut nicht persönlich nehmen

Menschen mit Alzheimer verhalten sich trotz liebevoller Pflege oftmals misstrauisch und aggressiv. Für die betreuenden Angehörigen ist ein solches Verhalten besonders belastend, wenn sie dies als persönlichen Angriff werten. Dabei sind die Anschuldigungen und Wutanfälle des Kranken vielmehr Ausdruck von Frust und Hilflosigkeit.

Bei der Alzheimererkrankung gehen nicht nur die kognitiven Fähigkeiten verloren, also Gedächtnis, Ausdrucksvermögen, Orientierung und Urteilsfähigkeit. Auch das Verhalten ändert sich. So kann aus einem selbstbewussten, ausgeglichenen Menschen ein launischer, ängstlicher oder misstrauischer Kranker werden. Als besonders belastend empfinden viele pflegende Angehörige, wenn der Kranke sie immer wieder mit falschen Anschuldigungen konfrontiert – etwa weil er seine Brille oder seine Geldbörse nicht findet. „Dieses Verhalten ist reiner Selbstschutz und richtet sich in Wirklichkeit nicht gegen den Familienangehörigen“, so Erhard Hackler, Vorstand der Deutschen Seniorenliga. „Alzheimerkranke müssen damit leben, dass sie nach und nach ihre Kompetenzen verlieren. Das ist frustrierend und beängstigend. Oftmals wissen sich die Betroffenen nicht anders zu helfen, als ihre eigene Unzulänglichkeit auf andere zu schieben.“ Die Frustration kann so tief sitzen, dass sie in Aggressionen oder gar Gewalt mündet.

Mit Aggressionen umgehen

Auch wenn die Anschuldigungen verletzend und absurd sind, sollten die betroffenen Angehörigen nicht mit dem Kranken diskutieren. Besser ist es, die Vorwürfe zu ignorieren und stattdessen eine pragmatische Lösung zu finden. Mitunter genügt es, den Patienten abzulenken oder sich selbst aus der Situation herauszuziehen, bis der Kranke sich beruhigt hat. Gewaltausbrüche müssen die Angehörigen allerdings nicht tatenlos hinnehmen – hier gilt es, bestimmt aufzutreten und Grenzen zu setzen. „Um solch schwierigen Situationen auf Dauer gewachsen zu sein, sollten die betreuenden Bezugspersonen sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das kann eine Betreuungsgruppe sein, die der Demenzkranke einmal wöchentlich besucht, oder eine Pflegekraft, die den Kranken stundenweise versorgt“, rät Hackler. „Außerdem sollten die Angehörigen den Arzt einbeziehen, wenn sich Wutanfälle und körperliche Auseinandersetzungen häufen. Bestimmte Medikamente, die bei der Alzheimererkrankung eingesetzt werden, verbessern nicht nur die kognitiven Fähigkeiten, sondern lindern auch Stimmungsschwankungen und unkontrollierte Gefühlsausbrüche.“

Aggressionen vorbeugen

Um Aggressionen bei Alzheimerkranken möglichst zu vermeiden, gilt es alles zu unterlassen, was Frustration und Unsicherheit schüren könnte. So ist es von großer Bedeutung, dem Patienten mit Würde zu begegnen. Auch wenn sein Verhalten in einigen Bereichen an das eines Kindes erinnert, sollten die Bezugspersonen ihn keinesfalls so behandeln. Im Gegensatz zu Kindern, die ihre geistigen und sozialen Kompetenzen durch Lernen erweitern, verlieren Alzheimerkranke diese Fähigkeit. Belehrungen und Erziehungsversuche sind daher sinnlos und führen den Betroffenen allenfalls ihre Defizite vor Augen. Wichtig ist es hingegen, den Alzheimerkranken in seinen verbliebenen Fähigkeiten zu bestärken und in das Familienleben aktiv einzubeziehen. Viele Patienten können einfache Hausarbeiten wie Abtrocknen oder Staubwischen noch lange ausführen und haben Freude daran, wenn sie gebraucht werden. Ebenso sinnvoll sind gemeinsame Aktivitäten wie Singen, Basteln oder Spaziergänge. Ein fester Tagesrhythmus und eine ruhige, liebevolle Atmosphäre im Haus vermitteln den Kranken ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Auf Reizüberflutung durch laute Musik oder Fernsehen sowie die Konfrontation mit vielen Menschen sollten Angehörige hingegen verzichten.

Weitere Informationen zum Thema Alzheimer gibt es bei der Deutschen Seniorenliga. Dort ist auch die kostenfreie Broschüre „Alzheimer erkennen“ erhältlich. Postadresse: Deutsche Seniorenliga e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn; Internet: www.dsl-alzheimer.de.

Foto: dgk

Mehr Transparenz gewünscht

Seit Dezember sind die ersten Pflegenoten im Netz

Wer für sich oder seinen Angehörigen nach einem Platz in einem guten Alten- und Pflegeheim sucht, sollte dies zum einen so früh wie möglich tun, zum anderen umfassende Vergleiche anstellen. Seit Anfang Dezember vergangenen Jahres sind die ersten sogenannten Pflegenoten im Internet veröffentlicht. Sie sollen für mehr Transparenz sorgen – allerdings sollten sie nicht alleinige Entscheidungsgrundlage sein.

Grundlage für die Pflegenoten ist das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz. Darin ist fixiert, dass bis Ende 2010 alle stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung überprüft werden müssen – und zwar unangemeldet. In Niedersachsen prüft der Medizinische Dienst bis Ende des Jahres mehr als 1300 Heime. Die Gesamtnote setzt sich aus 64 Einzelkriterien in vier Bereichen zusammen: Pflege und medizinische Betreuung (Schwerpunkt), Umgang mit demenzkranken Bewohnern, soziale Betreuung und Alltagsgestaltung sowie Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene. Die Ergebnisse werden in den einzelnen Bereichen zu einer Note, zusammengefasst, es gibt außerdem ein Gesamtergebnis sowie eine landesweite Vergleichsnote.

Wer sich über die Pflegenoten informieren möchte, findet im Internet unter www.pflegenoten.de aufgelistet, wie genau die Bewertung zustande kommt. Abgerufen werden können die Pflegenoten hingegen unter www.gesundheitsnavi.de, www.bkk-pflege.de, www.der-pflegekompass.de sowie www.pflegelotse.

Kritiker monieren, dass die Gesamtnote wenig aussagekräftig sei, denn schlechte Noten in wichtigen Bereichen würden durch gute in weniger wichtigen Bereichen ausgeglichen.

„Diese schematische Bewertung kann über die tatsächlichen guten und schlechten Leistungen eines Heimes hinwegtäuschen. Deshalb reicht der Blick auf die Gesamtnote bei der Suche nach dem geeigneten Heimplatz nicht aus. Interessenten sollten in den Qualitätsberichten auch immer die Ergebnisse der Einzelfragen studieren und die für sich persönlich bedeutsamen Aspekte dabei besonders beachten“, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-West zum Umgang mit den Pflegenoten.

Ratgeber für Senioren

Im September vergangenen Jahres hat der Landkreis die zweite Auflage seines Seniorenwegweisers veröffentlicht – der erste Ratgeber war im Dezember 2007 erschienen. Auf 44 Seiten gibt die Broschüre Auskunft über seniorenspezifische Themen, zu Ansprechpartnern und Behördenstellen. Aufgelistet sind auch Pflegedienste, stationäre Pflegeeinrichtungen und Selbsthilfegruppen, dazu gibt es Informationen zu Themen wie Leben und Wohnen im Alter, finanzielle Hilfen oder Vollmachten und rechtliche Betreuung. Der Seniorenwegweiser liegt aus in den Dienststellen der Kreisverwaltung in Bad Fallingbostel und Soltau, dem Gesundheitsamt in Walsrode, in den Stadt- und Gemeindeverwaltungen und bei den örtlichen Seniorenbeiräten. Es ist auch möglich, die Broschüre über die Homepage des Landkreises unter www.heidekreis.de oder bei Ulrich Voß von der Fachgruppe Heimhilfe im Fachbereich Soziales beim Landkreis anzufordern, Telefon: (0 51 62)97 03 49, E-Mail: f05100@heidekreis.de).

Gut zu Fuß – in jedem Alter

Podologen: Fachleute für genunde Füße

Den Füßen schenkt man im Regelfall nicht allzu große Beachtung – sie tragen zwar Tag für Tag den Körper und sind anatomisch betrachtet ein Meisterwerk aus viele kleinen Knochen, Gelenken, Sehnen und Muskeln, aber so lange sie keine Probleme machen, kümmert man sich nicht. Aber was, wenn Fehlstellungen, eingewachsene Nägel oder Hühneraugen das Laufen schmerzhaft machen? Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung haben Fußprobleme, was nicht zuletzt am modischen, aber nicht fußfreundlichen Schuhwerk liegt. Aber auch falsch geschnittene Nägel oder Infektionen können Schwierigkeiten bereiten. Diabetiker und chronisch kranke benötigen eine besondere Pflege für ihre Füße.

Podologen sind die entsprechenden Fachleute für gesunde Füße. Dabei handelt es sich um einen Medizinal-Fachberuf, der eine zweijährige Ausbildung mit Abschlussprüfung an einer staatlich anerkannten Fachschule voraussetzt. Podologen unterstützen Dermatologen und Orthopäden und arbeiten eng mit angrenzenden Berufen zusammen. „Podologie ist die nichtärztliche Heilkunde am Fuß. Sie ist als hoch angesetzte Fußbehandlung im ärztlichen Vorfeld zu sehen, die mit pflegerischen Maßnahmen zu tun hat, nicht aber mit der Pflege im Sinne der Kosmetik“ lautet die Definition. Damit ist der Podologe ein wichtiges Bindeglied zwischen Patient, Arzt, Orthopädieschuhtechniker und Krankengymnast.

Neben den rein vorbeugenden und pflegerischen Maßnahmen verantworten Podologen eine Reihe von speziellen Behandlungspraktiken und Methoden. So gehören zu ihrem Tätigkeitsfeld insbesondere die Behandlung von Hühneraugen, Verhornungen, Nagelmissbildungen, Nagelspangenbehandlung, Anfertigung von Orthesen (Langlebige Druckentlastungen), Nagelprothetik (Nagelersatz) und die Versorgung beziehungsweise Pflege des diabetischen Fußes. Nur kassenzugelassene Podologen dürfen übrigens Diabetikerbehandlungen mit Heilmittelverordnung/Rezept direkt mit der Krankenkasse abrechnen.

Wann Heim-Pflege nötig wird

Foto: kkh allianz

Brennende Töpfe und erschöpfte Verwandte

(dpa/tmn) „Du musst nie ins Heim“ – dieses Versprechen von Angehörigen ist gut gemeint. Ob sie es aber immer halten können, ist die Frage. Denn es gibt Situationen, in denen sie mit der Pflege ihrer Eltern oder Verwandten schlicht überfordert sind – wenn zum Beispiel der demenzkranke Vater in seiner Verwirrung immer wieder in die Zimmerecke pinkelt oder um sich schlägt. Und manche Ältere kommen allein einfach nicht mehr zurecht, haben aber keine Angehörigen in der Nähe, die ihnen helfen können. Wann der Einzug in ein Heim notwendig ist, lässt sich pauschal nicht sagen. In jedem Fall gibt es vorher viele Möglichkeiten, anderweitig Hilfe zu organisieren.

Im Pflegeheim zu enden, ist für viele Menschen ein Alptraum. In einer repräsentativen Umfrage der GfK-Marktforschung vom Sommer 2008 erklärten sieben von zehn Bundesbürger, sie fänden die Vorstellung „grauenhaft“, in einem Pflegeheim zu wohnen. In einer weiteren GFK-Umfrage sagten mehr als 65 Prozent der Teilnehmer, sie wünschten sich, auch im Alter zu Hause wohnen bleiben zu können.

Doch bis wann geht das tatsächlich? Und was sind Zeichen dafür, dass Vater oder Mutter nicht mehr alleine zurechtkommen? „Der Betroffene erzählt das nicht am Telefon“, schildert die Pflegedozentin Christine Schmidt ihre Erfahrung. Es sind kleine Zeichen, die Angehörige hellhörig machen sollten. „Verweigerung, zum Beispiel die Ablehnung von spontanen Besuchen, weist auf Probleme hin“, erklärt Schmidt, die in Berlin Pflegekurse für Angehörige gibt.

Gleiches gilt, wenn Ältere plötzlich schlecht organisiert sind, sagt sie. „Die Person ist beispielsweise noch nicht vollständig angekleidet, wenn Besuch kommt, und findet eine Ausrede.“ Aufhorchen sollten Angehörige ebenfalls, wenn Interessen nicht mehr verfolgt werden, also etwa bei einem Hobbygärtner der Garten verwildert.

„Problematisch wird es, wenn die Lebensführung nicht mehr sichergestellt ist“, ergänzt Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Ein leerer, aber auch ein voller Kühlschrank, in dem nichts verbraucht wird, könnten Warnsignale sein. Aber auch eine vernachlässigte Wohnung, wenn jemand vorher ordentlich war. Das alles zeige, dass die Person Unterstützung braucht – aber nicht, dass sie ins Heim muss, erklärt die Pflegeexpertin. Und weder ein brennender Topf auf dem Herd noch ein Sturz bedeuteten zwangsläufig das Ende der Eigenständigkeit.

„Passiert so etwas, macht das Angehörigen große Angst“, erzählt Schmidt. Doch viele Situationen ließen sich mit Hilfsmitteln entschärfen. „Es gibt zum Beispiel gute Herdsicherungssysteme“, erklärt die Pflegedozentin. Und über einen Hausnotruf, der am Körper getragen wird, könne eine Person bei einem Sturz schnell Hilfe holen. Eine weitere Möglichkeit sei, eine Haushaltshilfe einzustellen, die für volle Kühlschränke und eine saubere Wohnung sorgt.

Ist die Mutter aber so verwirrt, dass sie bei Spaziergängen allein nicht mehr nach Hause findet, wird es schwieriger. „Gehen Sie zu einer Beratungsstelle und schildern Sie die Situation“, rät Nordmann. Die Berater könnten die Probleme besser einordnen und Lösungen vorschlagen. „Je früher man mit Unterstützungsangeboten anfängt, desto weniger eskaliert die Situation.“ Vielleicht ist eine Wohngruppe oder Betreutes Wohnen eine Lösung, ergänzt Schmidt.

„Den Satz „Du musst nie ins Heim“ sollte man aber nie sagen“, warnt Prof. Rolf Hirsch, Gerontopsychiater in den Rheinischen Kliniken Bonn. „Menschen, die das versprechen, gehen lieber selbst drauf, als ihr Versprechen zu brechen.“ Tatsächlich werden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 68 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause versorgt – ein großer Teil von ihnen ausschließlich von Angehörigen. Von einer leichtfertigen „Abschiebung ins Heim“ kann also keine Rede sein. Doch manchmal ist die Pflege für Angehörige nicht mehr zu bewältigen, das gilt vor allem bei Demenz.

„Die Pflegenden wissen oft nicht, wie schwer die Erkrankung wirklich ist“, sagt Prof. Hirsch. Es mangele in hohem Maße an Aufklärung. Ein Angehöriger, der nur körperliche Beschwerden hat, könne sich ausdrücken und schlafe nachts. Bei einem Demenzkranken sei das anders. Angehörige hätten oft das Gefühl, ihn nie alleinlassen zu können.

Müssen sie ständig aufpassen, braucht der Pflegebedürftige nachts immer wieder Hilfe, und kommen noch Vorwürfe anderer Verwandte dazu, führt das zur Überlastung, hat Prof. Hirsch beobachtet. „Die Betroffenen können dann selbst nicht mehr schlafen, werden depressiv und wünschen, sich den Fuß zu brechen, damit sie in eine Klinik können und endlich einmal Ruhe haben.“

Weinkrämpfe, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und Spannungen mit dem eigenen Partner nennt auch Heike Nordmann als Warnzeichen dafür, dass es mit der Pflege zu Hause so nicht weitergeht.

Kraft und Koordination trainieren

Foto: Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V. (DVE)

So beugen Senioren Stürzen vor

(dpa/tmn) Es reicht schon, einmal im falschen Moment mit dem Fuß hängen zu bleiben, um das Leben auf den Kopf zu stellen. Denn führt der falsche Tritt zu einem Sturz, zieht der oft Verletzungen nach sich. Selbst wer sich keine blauen Flecken oder Brüche zuzieht, ist hinterher schnell verunsichert, was zu weiteren Stürzen führen kann. Und viele trauen sich nicht, von ihrem Missgeschick zu erzählen – aus Angst, von Ärzten oder Angehörigen zu hören, dass sie nicht mehr selbstständig leben können. Im Alter öfter hinzufallen, ist aber nichts Schicksalhaftes. Mit etwas Training und Besuchen beim Arzt und Optiker lässt sich das Risiko deutlich senken.

Die Zahlen zu Stürzen sind erschreckend: Erhebungen zeigten, dass rund jeder dritte über 65-Jährige einmal pro Jahr stürzt, einige sogar mehrmals, erklärt Ellen Freiberger vom Projekt „Standfest im Alter“ der Universität Erlangen-Nürnberg. Allerdings zähle bereits ein Stolpern, bei dem sich der Betroffene an einem Möbelstück oder an einer Wand abfängt, als Sturz. Das beruhigt, zwei andere Zahlen dagegen weniger: Zehn Prozent der Stürze ziehen einen Arztbesuch nach sich, fünf Prozent sogar schwere Verletzungen, sagt Clemens Becker, Chefarzt der Klinik für Geriatrische Rehabilitation des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart.

Generell haben untrainierte Menschen ein höheres Sturzrisiko. „Wenn sie ins Straucheln geraten, können sie sich schlechter abfangen“, erklärt Sportwissenschaftlerin Freiberger. Aber auch sehr Fitte und Sportliche tauchen in den Statistiken auf: „Die setzen sich häufig größeren Gefahren aus und klettern zum Beispiel aufs Hausdach, um dort etwas zu reparieren.“ Sie müsse man daher eher für Risiken sensibilisieren.

Statt von einem Sturzrisiko spricht Heiko Fillibeck lieber von Faktoren, die zu Stürzen führen können. Diese Faktoren gelte es möglichst auszuschließen, rät der Referent für Pflegepraxis vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) in Köln. Sehbeeinträchtigungen etwa durch eine falsch angepasste Brille sind ein solcher Faktor, genauso wie die Einnahme von Medikamenten oder falsche Schuhe. Es komme immer wieder vor, dass Ältere abends Beruhigungsmittel einnehmen, nachts auf die Toilette müssen und dann so benebelt sind, dass sie stürzen, sagt Becker. „Man sollte mindestens einmal im Jahr mit dem Arzt besprechen, was man einnimmt und welche Medikamente man eventuell weglassen kann.“

Auch Angst ist ein Risikofaktor. „Die Leute starren beim Laufen schreckensgleich zum Boden“, sagt Freiberger. Dadurch seien Kopf und Oberkörper nach vorne verlagert, der Körper werde instabil, was Stürze begünstigt. „Wir raten deshalb zu einer aufrechten Haltung.“

Eine wichtige Rolle spielen Kraft und Balance. „Wer das Gefühl hat, dass er nicht mehr so sicher geht wie vor einem Jahr, sollte das ernst nehmen und etwas dagegen tun“, rät Becker. Wie gut die eigene Motorik ist, lässt sich dem Arzt zufolge mit drei einfachen Übungen testen. Bei der ersten Übung stellt man die Füße in einer Linie hintereinander und versucht, zehn Sekunden ohne Umkippen zu stehen. Wer das nicht hinbekommt, sollte sein Gleichgewicht trainieren. „Man kann zum Beispiel versuchen, möglichst lange auf einem Bein zu stehen“, erläutert Fillibeck. „Wenn man das übt, wird man schnell besser, und das hilft auch im Alltag.“

Bei der zweiten Übung gilt es, von einem tiefen Sofa aufzustehen. Werden dafür die Arme gebraucht, ist das ein Zeichen für mangelnde Kraft in den Beinen. Bei der dritten Übung muss man zehn Meter gehen. Wer länger als zehn Sekunden braucht, hat laut Becker ebenfalls motorische Defizite. Dann sei es sinnvoll, Kraft und Koordination zu trainieren, ergänzt Freiberger.

Der Deutsche Turnerbund bietet beispielsweise Kurse zur Sturzvorbeugung an. Die Übungen wurden gemeinsam mit Wissenschaftlern erarbeitet. „Es ist wichtig, dass spezifische Bereiche trainiert werden“, erläutert Freiberger. Eine allgemeine Rückengymnastik zum Beispiel bringe für die Sturzprophylaxe wenig. Andere Sportarten sind dagegen durchaus sinnvoll: „Tai Chi Chuan oder Tanzen sind ideal“, sagt Becker. „Da werden Bewegung und Koordination trainiert.“

Wer sich keiner Gruppe anschließen möchte, kann Kraft und Balance auch ohne viel Aufwand zu Hause trainieren. Allerdings sei es sinnvoll, sich entsprechende Übungen einmal von einem Physiotherapeuten zeigen zu lassen, rät Becker.

Um die Muskulatur zu stärken, ist kein monatelanges Intensivtraining notwendig. „Für einen Muskelzuwachs sollte man zweimal pro Woche 45 bis 60 Minuten trainieren“, erklärt Becker. Nach drei Monaten lasse sich bei Untrainierten ein Kraftzuwachs von 25 bis 30 Prozent feststellen. „Aber schon ab der vierten oder fünften Woche sagen die Leute, dass sie etwas merken.“ Und wem Krafttraining auf Dauer zu öde ist, der kann dem Mediziner zufolge abwechseln: „Im Sommer können Sie bei langen Spaziergängen Ausdauer trainieren, im Winter machen Sie Kraftübungen, und zwischendurch tanzen Sie ein paar Wochen. So haben Sie ein ideales jahreszeitliches Training.“

Depressionen im Alter

Ein Tag grauer als der andere

(dpa/tmn) Wenn Lisa an ihre Oma denkt, dann sieht sie eine unglückliche Frau vor sich. Je älter ihre Großmutter wird, umso trauriger ist sie. Die 89-Jährige geht fast nie aus dem Haus, sitzt stundenlang grübelnd in ihrem Sessel. Gegen ihre Schlafstörungen hat sie vom Hausarzt Beruhigungsmittel verschrieben bekommen. Aber Lisa glaubt: Die Tabletten sind keine richtige Hilfe. Ihre Oma ist depressiv. Eine Behandlung beim Psychologen kann sich die Rentnerin aber nicht vorstellen: „Wenn das die Nachbarn mitbekommen. Ich bin doch nicht irre.“

Lisas Oma ist alles andere als ein Einzelfall: Jeder vierte Mensch über 65 Jahre leidet einer wissenschaftlichen Arbeit der Universität Zürich zufolge an einer psychischen Störung. Auf der anderen Seite sind jedoch nur 0,2 bis 2 Prozent der Patienten in psychotherapeutischen Praxen älter als 60 Jahre. Für die Therapeuten ist dieses Missverhältnis schwer nachvollziehbar, schließlich kann eine Therapie Menschen in jedem Alter helfen. Es scheint auch nicht so zu sein, dass die Ärzte die Probleme ihrer Patienten nicht kennen. Schließlich nimmt laut Statistiken jeder vierte Mensch über 70 verschreibungspflichtige Psychopharmaka.

„Neben einer Demenz gehören Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, an denen ältere Patienten leiden“, sagt die Psychotherapeutin Cathrin Raasch aus Wiesbaden, die auch in der Geriatrie arbeitet. Laut Studien sind drei bis vier Prozent der Über-65-Jährigen an einer schweren depressiven Störung erkrankt, 13 Prozent an einer leichteren. Warum gehen so wenige zum Psychotherapeuten? „Dafür gibt es viele Faktoren.“ Viele Betroffene würden diese Behandlungsform nicht in Erwägung ziehen. Erst die Jahrgänge ab 1945 stünden der Psychotherapie offener gegenüber. Hinzu kommt, dass die Betroffenen häufig die Symptome etwa einer Depression nicht erkennen und keinen Arzt aufsuchen. Oder der Doktor diagnostiziert die psychische Erkrankung nicht. „Bei jüngeren Patienten, die einem Beruf nachgehen, haben die Beschwerden oft viel weitreichendere Folgen und werden nicht so schnell übersehen“, sagt Raasch. „In der älteren Generation ist das Wissen über Psychotherapie oft noch zu wenig verbreitet“, ergänzt Nikolaus Melcop, Psychotherapeut aus Landshut. Es gebe noch immer Vorurteile, doch die nähmen tendenziell ab.

Werden Betroffene nicht behandelt, kann das schwerwiegende Folgen haben. Vor allem bei Männern steige mit dem Alter das Suizidrisiko, warnt Melcop, der Präsident der bayerischen Psychotherapeutenkammer ist. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren 2006 rund 60 Prozent der freiwillig aus dem Leben Geschiedenen 50 Jahre und älter. Dabei zählen Depressionen zu den Hauptursachen für einen Suizid. Aber auch wenn die psychische Krankheit nicht so gravierend ist, kann sie zu erheblichem Leid führen. „Ältere Menschen klagen häufiger über Angst- und Schlafstörungen, bei einigen kommen traumatische Erlebnisse etwa aus dem Krieg wieder hoch.“

„Die Gründe für die Verstimmungen sind vielfältig und individuell“, erläutert Maria Gropalis, Diplom-Psychologin an der Institutsambulanz für Psychotherapie der Universität Mainz. Viele Menschen haben zum Beispiel Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass die körperliche Leistungsfähigkeit nachlässt. Zudem verändert sich das Leben mit dem Ausstieg aus dem Beruf oft grundlegend, manchmal kommen Krankheiten hinzu oder der Tod des Ehepartners. Eine Therapie könne helfen, mit der veränderten Lebenssituation besser klar zu kommen.

„Für alte Menschen ist es beispielsweise wichtig, sich Ziele im Leben auszuwählen und diese dann zu optimieren“, sagt die Therapeutin. Der Leitsatz sollte sein: „Wie komme ich mit den Fähigkeiten, die ich habe, gut zurecht, und welche Hilfsmittel kann ich nutzen.“ Die Kunst sei, altersgemäß aktiv zu bleiben. „Es müssen ja nicht mehr die drei Fernreisen im Jahr sein – sondern stattdessen Ausflüge in die Umgebung“, rät Gropalis.

Ob der Opa oder die Schwester an Depressionen erkrankt ist, können Angehörige daran merken, „dass die Person sehr anders ist als sonst“, erklärt Raasch. „Die Betroffenen sind häufig extrem reizbar, wehleidig, sehr ängstlich und meiden soziale Kontakte.“ Den Alltag zu bewältigen, bereite ihnen zunehmend Probleme, manchmal wird die Körperpflege vernachlässigt. „Hat man diese Befürchtung, spricht man sie besser an. Dabei sollte man eher nicht sagen ‚Du bist nicht in Ordnung‘, sondern ‚Ich mache mir Sorgen um Dich‘.“

Infos: www.psychotherapiesuche.de; www.vpp.org/psychologie

Pflege ist Vertrauenssache

Ambulante Dienste vergleichen

(dpa/tmn) Schwer ist die Entscheidung immer. Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, stehen Angehörige vor vielen Fragen. Schaffen wir die Pflege alleine, brauchen wir ambulante Hilfe und wenn ja: Wie finden wir sie? „Die Auswahl eines Pflegedienstes ist Vertrauenssache“, sagt Jürgen Brüggemann vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen in Berlin.

Deshalb lassen sich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen besser immer von mehreren Pflegediensten beraten und entscheiden dann nach persönlichen Bedürfnissen. „Wenn jemand beispielsweise bei der Abendtoilette Hilfe braucht, aber immer erst spät ins Bett geht, muss man fragen, ob der Pflegedienst das leisten kann“, sagt Brüggemann, der das Fachgebiet „Qualitätsmanagement Pflege“ leitet. Zudem sollte sich jemand die Wohnräume des Pflegebedürftigen anschauen. Nur dann können individuelle Gegebenheiten bei den Leistungen berücksichtigt werden. „Insbesondere für die Pflegebedürftigen ist ein fester Ansprechpartner wichtig – und das sollte eine Fachkraft sein.“ Fachkräfte sind meist Kranken- oder Altenpfleger.

Auch Katrin Andruschow von der Stiftung Warentest in Berlin legt auf diesen Punkt wert. „Im Gespräch sollte geklärt werden, mit wie vielen Pflegern die pflegebedürftige Person in Kontakt kommt“, rät sie. Mehr als zwei oder drei Personen dürften es ihrer Einschätzung nach nicht sein. Andruschow hat die jüngste Untersuchung Am-bulanter Pflegedienste begleitet. Für den Test wurden 21 Anbieter in Mühlheim an der Ruhr unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: „Pflege ist Maßarbeit und muss dem persönlichen Bedarf entsprechen.“ Lückenlose Beratung sei deshalb sehr wichtig. „Ein großer Schwachpunkt der Beratungen lag bei den Kombinationsleistungen, also bei der Frage nach einer individuellen Zusammenstellung von eigener und fremder Pflege.“

Die Versicherten können beispielsweise den gewährten Zuschuss auf einen Pflegedienst und private Helfer aufteilen. Außerdem kann als weitere Unterstützung einmal jährlich eine Kurzzeitpflege beantragt werden, etwa als Urlaubsvertretung für pflegende Angehörige. Wem diese Aspekte nicht klar sind, der sollte sich von der eigenen Krankenkasse oder neutralen Beratungsstellen wie Pflegestützpunkten beraten lassen, rät Andruschow.

In jedem Fall sollten die Preise vor Vertragsabschluss genau besprochen werden. „Im Pflegevertrag müssen alle Kosten ersichtlich sein – die Kosten, die von den Krankenkassen übernommen werden und der Eigenanteil“, sagt Pflege-Experte Brüggemann. Insbesondere der privat zu zahlende Eigenanteil könne sich von Anbieter zu Anbieter unterscheiden, warnt Andruschow. Ein Vergleich sei deshalb unerlässlich.

Grafik: aok

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