Samstag, 17.11.2018
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Depression statt Mutterglück

Baby-Blues: Nicht immer ist er harmlos

Für die betroffenen Frauen ist die eigene Reaktion meist völlig unverständlich: Statt Mutterglück empfinden sie nach der Entbindung innere Leere und tiefe Traurigkeit, Verzweiflung, Versagensängste und selbst Panikattacken. Schon Hippokrates, der Urvater der westlichen Medizin, hat „Wochen- oder Kindbettdepressionen“ beschrieben. Hoffnungslosigkeit und Schuldgefühle können bei einer postpartalen Depression (PPS) in einen Teufelskreis aus Zwangsvorstellungen und Suizidgedanken führen.

Postpartale Krankheitsbilder

Die Gemütszustände von Frauen nach der Geburt eines Kindes sind grob in drei verschiedene Kategorien zu gliedern:

1. Das postpartale Stimmungstief (Baby-Blues),

2. Die postpartale Depression und

3. die postpartale Psychose (Wochenbettpsychose).

Diese stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern gehen oft fließend ineinander über, sodass sich zum Beispiel aus dem Baby-Blues eine Depression entwickeln kann. Ein Baby-Blues ist meist kurzlebig und tritt in den ersten Tagen nach der Entbindung bei 50-80 Prozent aller Mütter auf. Die Anzeichen sind: Traurigkeit, häufiges Weinen, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Ängstlichkeit und Reizbarkeit. Da es sich beim Baby-Blues um eine zeitlich begrenzte Erscheinung handelt, gilt er als relativ harmlos. Es wäre jedoch falsch, ihm keine weitere Beachtung zu schenken. Wenn die Traurigkeit mehr als zwei Wochen anhält, kann sich daraus eine dauerhafte Depression entwickeln. Von ihr sind etwa 10 bis 20 Prozent aller Mütter betroffen. Die postpartale Depression kann jederzeit im ersten Jahr nach der Geburt des Kindes auftreten. Dabei sind graduelle Abstufungen von leicht bis schwer zu unterscheiden und typisch ist eine schleichende Entwicklung. Neben den Anzeichen des Baby-Blues kommt es bei der postpartalen Depression zu allgemeinem Desinteresse, Konzentrations-, Appetit- und Schlafstörungen sowie ambivalenten Gefühlen dem Kind gegenüber, die sogar mit Suizidgedanken einhergehen können.

Eine postpartale Psychose entsteht vorwiegend in den ersten Wochen nach der Entbindung und kann sich aufgrund einer Depression entwickeln. Sie gilt als die schwerste Form einer nachgeburtlichen Krise und kommt bei einer bis drei von tausend Müttern vor. Die Bandbreite des Krankheitsbildes schwankt zwischen Euphorie und motorischer Unruhe über Antriebsschwäche bis hin zur völligen Teilnahmslosigkeit. Halluzinationen und Wahnvorstellungen bedeuten Gefahr für Mutter und Kind. Sie können religiöser Natur sein.

Postpartale Ängste als eigenständiges Krankheitsbild

Angststörungen sind nicht zwangsläufig mit Depressionen verschwistert. Die Angstsymptome treten gewöhnlich in denn ersten zwei bis drei Wochen nach der Geburt auf und werden erst nach Ablauf einiger Wochen offensichtlich. Typisch sind Ängste und Sorgen in Bezug auf das Wohlergehen des Babys (ich kann mein Kind nicht lieben, ich bin keine gute Muter). Postpartale Anfälle extremer Angst mit zwanghaft wiederkehrenden Angstgedanken, -vorstellungen und -bildern werden als schwere Formen der postpartalen Angstreaktionen bezeichnet.

Hormonelle Veränderungen und andere Ursachen

Nach der Geburt geraten aufgrund hormoneller Veränderungen bis zu 50 bis 80 Prozent der Mütter in ein kurzzeitiges Stimmungstief. Der rapide Abfall der Hormone Östrogen und Progesteron führt zu Veränderungen des seelischen Gleichgewichts. Bei postpartal erkrankten Müttern kann die Überprüfung des Hormonstatus die Ursache aufzeigen. Der Hormontest kann sich über einen ganzen Tag erstrecken, um die sensibelsten Hormonschwankungen feststellen zu können. Eventuell wird eine Substitution in Erwägung gezogen. Von dem Risiko einer Depression sind vor allem Frauen betroffen, die schon vor der Schwangerschaft unter psychischen Problemen litten, die Schwangerschaft leugneten oder verdrängten und sich mit einer eventuell ungewollten Schwangerschaft auseinandersetzen mussten. Schockerlebnisse, extreme Unsicherheit, Partnerschaftsprobleme (ledige Mütter, die vom Kindsvater verlassen werden) oder die Überforderung mit der neuen sozialen Rolle der Mutter fallen ebenso ins Gewicht.

Früherkennung postpartaler Erkrankungen

Die Früherkennung ist entscheidend, um eine wirksame Behandlung einzuleiten. Es kommt immer wieder vor, dass nach der Geburt Selbstmordgedanken auftreten, wobei auch das Kind zum Opfer werden kann (so genannter erweiterter Suizid). Mütter äußern ihre quälenden Gefühle nach der Geburt häufig nicht spontan und direkt. Sie teilen sich der Umwelt und der Familie meistens nur indirekt mit und stoßen dabei auf Unverständnis, was die Situation verschlimmert. Darum sollten Ehepartner und Angehörige hellhörig werden und auf extreme Stimmungsschwankungen achten. Hier muss der behandelnde Frauenarzt zu Rate gezogen werden, um dem Risiko einer postpartalen Depression zu begegnen. Schließlich handelt es sich nicht nur um einen vorübergehenden Baby-Blues, sondern um eine gefährliche Erkrankung.

Wege aus der Depression

Je nach Schwere der seelischen Erkrankung sind oft Medikamente unverzichtbar. Es gibt mittlerweile solche, die sogar mit dem Stillwunsch vereinbar sind. Antidepressiva machen im Gegensatz zu Beruhigungs- und Schlafmitteln nicht abhängig. Ob eine Verhaltens-, Gesprächs-, Familien- oder Systemtherapie als begleitende Maßnahme erforderlich ist, entscheiden Frauenärztin/Frauenarzt mit der Patientin bzw. den Angehörigen. Manchmal muss auch ein Klinikaufenthalt in Erwägung gezogen werden. Die betroffenen Mütter brauchen Zuwendung, geduldiges Zuhören, Verständnis und Geborgenheit. Vielfach hilft die Beantragung finanzieller Unterstützung dabei, den Alltagssorgen wirksam zu begegnen. Auch kann eine ärztlich verordnete Haushaltshilfe in Anspruch genommen werden. Beratung in Ernährungsfragen, Ermunterung zu körperlicher Bewegung in frischer Luft, der Besuch einer Selbsthilfegruppe und das Bewusstsein, sich auch als Mutter Freiräume schaffen zu dürfen, sind Grundlage des Beratungsgespräches.

Die Ärztinnen und Ärzte des Berufsverbandes der Frauenärzte betonen, dass die Prognose der meisten seelischen Erkrankungen nach der Geburt bei entsprechender Behandlung gut ist. Sie stehen den betroffenen Frauen mit Rat und Tat zur Seite.

Sprechenlernen bei Kleinkindern

"Mampapa" und "Nenenen" oder "Mama, Papa, Wauwau, Licht"

(pgk) Jonas ist 18 Monate alt und ein typischer Vertreter der Spezies Mann: Er ist eher maulfaul. „Mama, Papa, dadada, Licht“ – mit diesem Wortschatz mogelt er sich durch sämtliche Konversationen und zeigt dennoch jedem genau, was er will. Dabei versteht er eigentlich alles, zeigt Opa Mähdrescher und Feuerwehrspritze im Bilderbuch, bringt zuverlässig Teller oder Schuhe, wenn man ihn darum bittet, oder schaltet sogar das Radio aus. Sprechen? Nicht nötig! Frauen reden, Männer schweigen. Das stimmt bereits im Babyalter. Die gleichaltrige Amelie benennt bereits „Haus“, „Katze“ oder „Maus“ und das sogar mit deutlich klarer und verständlicher Aussprache.

Ist es bei Ihrem Kind auch so? Keine Sorge! Ihr Kind speichert die Informationen einfach länger auf der Festplatte, bevor es zur Tat schreitet und sie ausspuckt. Jedes Kind entwickelt sich nach seinem eigenen Rhythmus – das gilt sowohl für die Sprache als auch für alle anderen Lebensbereiche, informiert das Deutsche Grüne Kreuz. Die „Meilensteine“ im groben Überblick:

• Zwischen 18 bis 24 Monaten umfasst das Vokabular eines Kindes ungefähr 200 Wörter, vor allem Hauptwörter. Zwischen 18 und 20 Monaten lernen Kinder 10 oder mehr Wörter täglich hinzu. Manche lernen alle 90 Minuten ein neues Wort – also achten Sie auf Ihre Ausdrücke!

• Am Ende des zweiten Lebensjahres explodiert der kindliche Sprachschatz förmlich. Jetzt werden außerdem Zwei-Wort-Sätze gebildet, wie z. B. „Ben Rutsche“, „Mama essen“ oder „Papa arbeiten“. Mit etwa zwei Jahren kann der Nachwuchs Drei-Wort-Sätze bilden und einfache Melodien singen. Das Verständnis für die eigene Person entwickelt sich: Das Kind wird beginnen, von sich selbst zu sprechen – was es mag und was nicht, was es denkt und fühlt. Persönliche Fürwörter verwirren es dabei jedoch. Sie werden beobachten, dass es sie vermeidet und z. B. „Ball werfen“ sagt anstelle von „ich werfe“.

• Im Alter von 25 bis 36 Monaten kämpft das Kind vielleicht mit sich, um das richtige Maß beim Sprechen zu finden. Das wird es aber schnell erlernen. Es beginnt nun auch, die Anwendung der Personalpronomen zu beherrschen, wie z. B. ich, mich, dir und du. Zwischen zwei und drei Jahren erweitert sich sein Vokabular auf 300 Wörter, es verwendet Nomen und Verben miteinander, um komplette einfache Sätze zu bilden wie z. B. „Ich spiele Ball“.

• Mit etwa drei Jahren wird Ihr Kind zu einem anspruchsvolleren Redner: Es ist in der Lage, eine längere Unterhaltung zu führen, seine Tonlage und Wortwahl anzupassen. Dabei verwendet es noch einfachere Vokabeln, wenn es sich mit einem anderen Kind unterhält. Wenn es mit Erwachsenen spricht, wird es jedoch mehr und mehr formulieren. Außerdem ist die Sprache nun erheblich verständlicher, das Kind kann seinen Namen und sein Alter sagen.

„Sprache lernen“ funktioniert nur über „Sprache erleben“. Deshalb ist es besonders wichtig, schon mit Babys normal zu sprechen und beispielsweise beim Füttern, Wickeln oder Anziehen zu erklären, was gerade geschieht. Lächeln Sie Ihr Kind an, wenn es Ihnen durch Laute oder Mimik antwortet. Auf keinen Fall sollten Sie Aussprachefehler ihrer Kinder verbessern und sie dazu anhalten, Wörter richtig nachzusprechen. Das bremst die Motivation und die Kleinen fühlen sich eher ausgeschimpft. Besser ist: Wiederholen der Aussagen in einer verbesserten Variante. Tun Sie nicht so, als hätten Sie Ihr Kind verstanden, wenn dies nicht der Fall ist. Beantworten Sie Fragen, und machen Sie die Kinder auf neue Dinge und Wörter aufmerksam, indem Sie davon erzählen.

Vorlesen ist eine tolle Möglichkeit, um die Sprachentwicklung zu fördern. Lieder und Aufzählreime sind ebenfalls sehr nützlich beim Sprechenlernen. Durch ihren einfachen, gleich bleibenden Rhythmus können die lustigen Verse Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit verbessern. Außerdem lernen die Kinder durch die Lieder spielerisch neue Wörter und deren richtige Aussprache.

Hilfe für Familien in Notlagen

Sonderfonds "DabeiSein"

Mit dem Sonderfonds „DabeiSein!“ für Kinder fördert das Land Niedersachsen Bildungs- und Freizeitmaßnahmen für Kinder aus finanziell benachteiligten Kinder. Ziel ist, Kinder davor zu schützen, dass sie wegen der Arbeitslosigkeit der Eltern oder wegen einer familiärer Notsituation benachteiligt oder ausgegrenzt werden. Zuschüsse gibt es vor allem für Kinder- und Jugendfreizeiten, Erholungsmaßnahmen, Kursgebühren für Musik- und Kunstschulen, Kurse der Volkshochschule, Mitgliedsbeiträge für die Sport- und Musikvereine, Nachhilfeunterricht und Klassenfahrten. Die Obergrenze der Zuschüsse liegt bei 100 Euro. Hilfen können einmal pro Jahr und für jedes Kind alle zwei Jahre beantragt werden.

Die Zuschüsse können in den DabeiSein-Servicestellen beantragt werden, das sind in der Regel Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände, Beratungsstellen der Städte und Gemeinden, Familien- und Kinderservicebüros, regionale Verbände des Kinderschutzbundes sowie Familienverbände. Eine Auflistung aller Stellen gibt es im Internet unter www.dabeisein-nds.de.

Für den Antrag sind Kopien der Einkommensnachweise der vergangenen drei Monate sowie der konkrete Antragsgrund, beispielsweise Rechnung für Vereinsbeitrag, erforderlich.

Halbe Portion = halbe Dosierung?

Foto: Techniker Krankenkasse

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – Das gilt besonders bei Medikamenten

Wenn der Nachwuchs schnieft, greifen Eltern häufig zu Medikamenten: Mehr als eine Million Rezepte mit Husten- und Schnupfenarzneien wurden im letzten Jahr allein bei der DAK für Kinder eingereicht. Dazu kamen über 500 000 Packungen Antibiotika. „Dass Erkältungsmittel ganz oben auf der Liste der verordneten Medikamente rangieren, ist nicht verwunderlich – in Kindergärten und Schulen grassieren diese Krankheiten ja häufiger“, erläutert DAK-Kinderarzt Dr. Gerhard Kroschke. Vorsicht ist allerdings bei stärkeren Mitteln geboten. Grundsätzlich gilt daher: Arzneimittel für die Kleinsten nur in Absprache mit dem Kinderarzt geben!

Schmerzmittel nur unter ärztlicher Kontrolle
Im Gegensatz zu den Erkältungspräparaten ist die hohe Zahl der Schmerzmittel, die Kindern verschrieben werden, schwierig zu erklären. Diese landen auf Platz vier der DAK-Liste. Kinder unter zwölf Jahren erhielten demnach 2007 mehr als 360 000 Packungen. „Die Zahlen sind hoch, obwohl die Präparate von Ärzten sicher nicht leichtfertig verschrieben werden. Erfreulicherweise gibt es aber Schmerzmittel, die speziell dem kindlichen Organismus und Stoffwechsel angepasst sind“, beruhigt Kroschke.

Keine Experimente!
Kritisch  sei eher, wenn Erwachsene dem Nachwuchs von den eigenen Mitteln abgäben – nach dem Motto: eine Tablette für die Großen, eine halbe für die Kleinen. Besondere Vorsicht ist bei codeinhaltigen Mitteln gegen Husten geboten. Diese fallen unter das Betäubungsmittelgesetz und sind ausschließlich für schwere Fälle gedacht. Auch Nasensprays sind nicht ohne Risiko: Sie erleichtern den Kleinen zwar das Atmen, sollten aber keinesfalls über längere Zeit angewendet werden: „Durch die Sprays kann die Schleimhaut in der Nase anschwellen. Sie reagiert dann noch empfindlicher auf Keime“, warnt der Experte. Kinder sollten daher niemals in Eigenregie behandelt werden – auch wenn es sich um vermeintlich harmlose Präparate handelt!

Immer an die verordnete Dosis halten
Auch vor dem Grundsatz „viel hilft viel“ sollten Eltern sich hüten. So gelangen beispielsweise Salben bei Säuglingen viel schneller in den Organismus als bei Erwachsenen, weil ihre Haut dünner ist. Auch der niedrigere Körperfettanteil und Unterschiede im Stoffwechsel sorgen dafür, dass Medikamente bei Kindern häufig anders und vor allem viel stärker wirken. Generell gilt: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Das muss bei der Vergabe von Medikamenten immer bedacht werden. Eltern sollten deshalb keinesfalls eigenmächtig die Dosis erhöhen, sondern vorher immer den Kinderarzt fragen.

Medikamente in der Pubertät
Bei Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren führt die Antibabypille die Liste der verschriebenen Medikamente an. „Das liegt auch daran, dass es für diese Altersgruppe Mittel gegen Erkältungen nicht mehr auf Rezept gibt“, erläutert der Kinderarzt. „Diese werden von der Statistik daher nicht mehr erfasst.“ Ebenfalls typische Teenager-Medikamente: Aknemittel und dermatologische Zubereitungen. Junge Mädchen lassen sich außerdem häufig gegen Humane Papillomaviren (HPV) impfen, um sich vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen. Mädchen ab zwölf Jahren und deren Eltern sollten darüber mit einem Gynäkologen oder dem Kinderarzt sprechen, zum Beispiel im Rahmen der Jugendschutzuntersuchung.

Psychopharmaka für Kids: ganz normal?
Ebenfalls unter den „Top Ten“: Psychopharmaka – bei Jugendlichen, aber auch schon bei den Jüngeren unter zwölf. Meist handelt es sich um Antidepressiva oder um den Wirkstoff Ritalin zur Behandlung von ADHS. Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ist im Verlauf jedoch auch vom Umfeld und psychosozialen Faktoren abhängig. „Eltern sollten Nutzen und Risiken der Präparate daher sorgfältig abwägen und Kinder nicht einfach ‚ruhigstellen’“, so der Kinderarzt. Experten empfehlen, auch über eine Psychotherapie nachzudenken oder diese gegebenenfalls mit Medikamenten zu kombinieren.

Allergien: Vorsicht vor Etagenwechsel

Bei familiärer Neigung rechtzeitig vorbeugen

Das Kind niest und hustet, die Nase läuft, die Augen sind rot. Was wie ein Schnupfen aussieht, kann eine Allergie sein, die gerade jetzt, wo es wärmer wird, ausbricht. Darauf weisen die nordrheinischen Kinder- und Jugendärzte hin. Auslöser der Allergien sind herum fliegende Pflanzenpollen.

„Mehr als jedes dritte Kind in Deutschland trägt die Anlage zu allergischen Erkrankungen in sich. Tendenz: steigend. Die angeborene Neigung zu Allergien muss jedoch nicht zum Ausbruch von Symptomen führen. Neuere Studien zeigen, dass Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma durch richtiges Vorbeugen verhindert oder zumindest abgemildert werden können. Jahrelanges Leiden und oft lebenslanger Einsatz von Medikamenten müssen nicht sein, wenn Eltern ihre Kinder rechtzeitig dem Kinder- und Jugendarzt vorstellen,“ so Dr. Josef Kahl, Sprecher der nordrheinischen Kinder- und Jugendärzte. „Wirksame Hilfe beginnt mit einer gründlichen Diagnose beim Kinder- und Jugendarzt. Eltern die selbst unter Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis leiden oder die bereits Kinder mit diesen Erkrankungen haben, sollten dies so früh wie möglich dem Kinder- und Jugendarzt sagen, denn die Mehrzahl der Risikokinder wird über die Familienanamnese erfasst. Entdeckt der Kinder- und Jugendarzt durch die Angaben der Eltern und durch Tests eine allergene Neigung, können die Eltern zusammen mit dem Kinder- und Jugendarzt dem Ausbruch der Krankheit gezielt entgegenwirken.“

Vorbeugen durch richtige Ernährung
„Risikokinder sollten während der ersten vier bis sechs Lebensmonate voll gestillt werden,“ rät Dr. Josef Kahl, „ob die Mutter dabei auf stark allergene Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Fisch, Hühnerei, Nüsse und Weizen verzichten soll, ist noch nicht geklärt.“ Mütter, die nicht stillen, können ihre Kinder im ersten halben Jahr mit spezieller Milch füttern.

Beikost ist für Risikokinder erst ab dem sechsten Lebensmonat geeignet. Im ersten Lebensjahr darf sie darüber hinaus nicht die oben genannten allergenen Nahrungsmittel enthalten. Auch auf große Abwechslung im Speiseplan sollte verzichtet werden. Mehr als vier verschiedene Nahrungsmittel können schädlich sein.

Vorbeugen im Haus
Tabakrauch gehört zu den gefährlichsten Stoffen, die Allergien auslösen. Wo sich Kinder, insbesondere Risikokinder aufhalten, darf auf keinen Fall geraucht werden, warnen die Kinder- und Jugendärzte.

Hausstaubmilben, Haustiere und eventuell Schimmelpilze tragen ebenfalls bei Kindern zur Entstehung von Allergien bei. Gegen Hausstaubmilben, die sich in Matratzen tummeln, hilft das „Encasing“ der Matratzen mit speziellen Bettbezügen, häufiges Wechseln der Bettwäsche, häufiges feuchtes Staubwischen und Verzicht auf Teppiche und Teppichböden. Ist die Wohnung mit Teppichboden ausgestattet, ist regelmäßiges Staubsaugen wichtig. Dabei sollte sich das allergiegefährdete Kind nicht im selben Raum aufhalten. Zusätzlich sinnvoll ist es, vor allem in den Schlafräumen die Luft zu befeuchten und die Temperatur abzusenken.

Topfpflanzen können Schimmelpilze enthalten und gehören daher zumindest nicht ins Schlafzimmer.

Auch wenn Kinder sich nichts sehnlicher wünschen als ein Haustier: Haustiere können Allergien auslösen und dürfen daher zumindest nicht ins Schlafzimmer.

Vorbeugen durch Desensibilisierung
Akute Anfälle von Allergien, wie sie jetzt im Frühjahr häufig sind, kann der Kinder- und Jugendarzt mit Medikamenten abmildern, so dass sich die Allergie nicht verschlimmert. Gegen Ende des Jahres kann mit einer Desensibilisierung begonnen werden.

Frühförderung: Starthilfe für die Kleinsten

Wenn die Entwicklung Sorgen macht

Dass Babys und kleine Kinder sich in unterschiedlichem Tempo entwickeln, ist völlig normal. Das eine läuft bereits mit zehn Monaten, das andere lässt sich deutlich mehr Zeit. Wenn aber deutliche Entwicklungsverzögerungen auftreten, das Kind Auffälligkeiten aufweist, sollten Eltern sich so früh wie möglich Rat und Hilfe holen. Eine Starthilfe für solche Kinder ist die Frühförderung: ein System von Hilfeangeboten für Kleinkinder, die behindert oder entwicklungsauffällig sind sowie deren Eltern und Familien. Mit einer Frühförderung werden Kinder vom Säuglingsalter bis zum Schuleintritt behandelt, die behindert sind oder denen eine Behinderung droht, die Teilleistungsstörungen, Sprachstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, sonstige Auffälligkeiten oder Beeinträchtigungen in ihrer Entwicklung aufweisen. Die Frühförderung umfasst die Diagnose, medizinisch-therapeutische maßnahmen, heilpädagogische Förderung sowie die Beratung, Anleitung und Unterstützung der Eltern.

Gefördert wird so die Wahrnehmung des Kindes, die Sprachentwicklung, die Grob- und Feinmotorik wird geschult, das Sozialverhalten aufgebaut und gestärkt, lebenspraktische Fertigkeiten geübt.

Frühförderung gilt als Vorsorge, entsprechend ist die Behandlung für die Eltern kostenfrei.

Viel Bewegung – gesunde und clevere Kinder!

Stiftung Kindergesundheit ist besorgt über die zunehmende Trägheit der Heranwachsenden

Kein Zweifel: Kinder sind der Inbegriff von Bewegungsfreude. Sie toben, rennen, tollen, laufen, klettern, balancieren, hüpfen und springen, so oft sie können. So lautet zumindest die klassische Zustandsbeschreibung einer „bewegten“ Kindheit. Leider trifft sie heute immer seltener zu, stellt die Stiftung Kindergesundheit mit großer Besorgnis fest. „Der bestürzende Mangel an körperlicher Aktivität ist mittlerweile zu einem ernsten Problem für die Familien und für die Gesellschaft geworden“, konstatiert Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der in München beheimateten Stiftung. Der Kinder- und Jugendarzt warnt: „Die Welt unserer Kinder wird mehr und mehr zu einer ‚Sitzwelt’!“

Bewegung ist für die Entwicklung eines Kindes von fundamentaler Bedeutung: Von ihr gehen entscheidende Impulse aus für alle Wachstumsprozesse des Kindes. Schon Neugeborene haben einen intensiven Bewegungsdrang: In Untersuchungen von reif geborenen gesunden Babys hat man bereits am ersten Lebenstag mehr als 170 und am zehnten Lebenstag mehr als 550 Bewegungen pro Minute gezählt. Bei Kleinkindern bis zum dritten Lebensjahr gibt es pro Stunde mindestens 24 bewegliche Minuten.

Danach geht es jedoch kontinuierlich bergab, heißt es in der aktuellen Stellungnahme der Stiftung Kindergesundheit. Eine moderate bis starke Bewegungsaktivität, mindestens eine Stunde pro Tag und das an fünf Tagen in der Woche, wie sie die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihren „Activity Guidelines“ als Richtwert empfiehlt, wird in Deutschland gegenwärtig nur noch von einem Drittel der elf- bis 15-jährigen Jungen und einem Viertel der gleichaltrigen Mädchen erreicht. Jungen aus ökonomisch benachteiligten Familien bewegen sich im Vergleich zu Jungen aus der besser gestellten Wohlstandsgruppe doppelt so häufig zu wenig. Bei Mädchen beträgt dieses Verhältnis sogar drei zu eins zu ungunsten der sozial benachteiligten Familien.

Die Folge: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler um rund zehn Prozent verschlechtert. Ihr Leben spielt sich im Sitzen ab: Nach einer Untersuchung des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe bei über 1000 Grundschülern verbringen die Kinder etwa neun Stunden am Tag im Sitzen, ebenfalls neun Stunden im Liegen, fünf Stunden stehend und lediglich eine Stunde in Bewegung.

Was ist schuld an dieser Fitness-Katastrophe?
Bei der Frage nach den Gründen für die alarmierende Entwicklung tauchen sperrige Begriffe auf, die für die gravierenden Veränderungen der Kindheit verantwortlich gemacht werden: „Verhäuslichung“, „Verinselung“ und „Mediatisierung“. Gemeint ist folgendes: Anstatt wie früher drei bis vier Stunden draußen bei Bewegungsspielen zu verbringen, verlassen viele Kinder kaum noch die Wohnung. Das Spielen auf dem Hof oder auf der Straße ist zu gefährlich und wird von den Eltern, etwa aus der berechtigten Angst vor Unfällen, oft gar nicht erlaubt. Der Spielplatz erscheint gegenüber dem elektronischen Medienangebot in der Wohnung zu wenig attraktiv.

Die „Verhäuslichung“ lässt sich in Zahlen ausdrücken: Nur jedes dritte Kind (35,8 Prozent) spielt jeden Tag im Freien. Zweimal pro Woche und mehr kommen 39 Prozent der Kinder an die frische Luft. Besonders erschreckend: 25,2 Prozent sind nur einmal pro Woche oder noch seltener draußen.

Und die Verinselung? Immer mehr Kinder können heute den Lebensraum außerhalb der Wohnung kaum noch selbständig erobern und erweitern. Bewegungsaktivitäten finden oft so weit weg von der Wohnung statt, dass das Kind auf den Transport durch Erwachsene angewiesen ist. Professor Koletzko: „Der Gang zu Freunden wird zur Fahrt, der Besuch des Sportvereins, des Kinderballetts, der Musikschule oder sogar des Kindergartens oder der Schule zu einer Reise mit dem Auto, der Straßenbahn oder dem Schulbus. Ihre Freizeit verbringen Kinder nicht mehr wie früher in Gruppenspielen draußen, sondern spielen in der Wohnung zu zweit oder sogar ganz allein“.

Oder sie lassen sich unterhalten. Bei Schuleingangsuntersuchungen in Mannheim zeigt sich, dass jedes Vierte der fünf- bis sechsjährigen Kinder ein eigenes Fernsehgerät in seinem Zimmer hat, so dass schon in diesem frühen Lebensalter praktisch unbegrenzt fernsehen.

70 Prozent der Mädchen und 77 Prozent der Jungen zwischen drei und 13 Jahren sehen jeden Tag fern. Schon im Alter zwischen drei und fünf Jahren sitzen sie 75 Minuten lang vor dem Bildschirm, 10- bis 13-Jährige sind 108 Minuten mit audiovisuellen Medien beschäftigt. Beim Fernsehen, Musik hören oder an der Spielkonsole lernen sie, sich passiv zu verhalten. Sie erwarten, dass ihnen immer irgendetwas geboten wird und brauchen viele Dinge nicht selbst zu machen. Es entsteht ein Defizit an elementarer Wahrnehmungserfahrung, die sie über Bewegungen lernen könnten. Das Körpergefühl entwickelt sich nur unzureichend.

Eltern müssten Vorbild sein!
Kinder würden sich mehr bewegen, wenn die Erwachsenen sie ließen und mit gutem Beispiel vorangingen, betont die Stiftung Kindergesundheit. Doch was tun Mütter und Väter wirklich? Dazu einige Beispiele:

• Sie sichern ihre Babys sorgsam im Tragekorb oder im Schalensitz, tragen sie so herum oder und verwahren sie darin im Auto, Einkaufswagen oder auf dem Küchentisch. Das ist zwar praktisch und auch sicher – aber Gift für Haltung und Entwicklung. Das Kind ist viel zu lange fest gegurtet und verliert jedes Gefühl für Schwerkraft und Gleichgewicht.

• Babyhopser und die hoch gefährlichen Lauflerngeräte – anderswo längst verboten – stehen bei uns immer noch hoch im Kurs und lassen dem Baby keine Möglichkeit, seine Motorik selbst zu entfalten.

• Sportliche Mütter oder Väter joggen gern mit einem geländegängigen Kinderwagen – selber laufen würde dem Kind aber wesentlich besser gefallen.

• Selbst das erste Dreirad hat oft einen Schiebegriff und macht das Kind passiv und träge.

Im schlaffen Körper verkümmert auch die Seele

Wenn Kinder sich in der Wohnung stundenlang mit dem Gameboy beschäftigen, vor der Glotze hocken oder am Computer kleben, droht ihnen nicht nur körperliches Unheil wie Übergewicht, Haltungsfehler oder Kreislaufschwäche. Professor Koletzko: „Durch die übermäßige Mediennutzung wird die Zeit knapp für die anderen Bereiche des kindlichen Lebens. Vielseher führen seltener Gespräche mit anderen Kindern oder den Eltern und spielen seltener ein Musikinstrument als Wenigseher. Zu viel Fernsehen wirkt sich in der Schule ungünstig aus auf die Konzentration, die Aufmerksamkeit und das Leistungsniveau der Kinder und führt auch nachweislich zu vermehrter Gewaltbereitschaft“.

Der Kinder- und Jugendarzt empfiehlt: „Eltern sollten den Fernsehkonsum ihrer Kinder rigoros kontrollieren. Eine Stunde Fernsehen pro Tag ist für zehn- bis elfjährige Schüler bereits genug. Außerdem sollten Eltern dringend darauf achten, dass für ausreichende Bewegung der Kinder gesorgt ist, zum Beispiel in einem Sportverein“.

Bewegung macht Kinder schlau, fit und friedlich
Bewegung macht Kinder auch klüger! Lernen durch Bewegung ist in der frühen Kindheit der wichtigste Motor der kognitiven Entwicklung. Allein beim Gehen wird die Durchblutung des Gehirns um 13 Prozent erhöht. Es entstehen mehr Neurotrophine (Nervenbotenstoffe), es steigt die Zahl der Nervenverbindungen und das Aktivitätsniveau des Gehirns wird erhöht.

Die Hirnforschung zeigt, dass die Muskelaktivitäten für Denk- und Lernleistungen von großer Bedeutung sind. Denk- und Wahrnehmungsleistungen sind eng an die Motorik gebunden. Untersuchungen ergaben, dass die Kinder, die über eine bessere Bewegungskoordination verfügen, sich auch besser konzentrieren können. Kinder, die in ihrer frühen Kindheit genügend Gelegenheit zu körperlicher Aktivität hatten, sind später in ihrer Sprachentwicklung weiter als Kinder, die ihre frühe Kindheit in Passivität verbringen müssen.

Nach Untersuchungen des Karlsruher Sportwissenschaftlers Professor Dr. Klaus Bös zeigen Kinder, die täglich Bewegungsangebote erhalten, seltener aggressives Verhalten. Sie erleiden auch deutlich weniger Unfälle. Sie gehen motivierter zur Schule, sind lernbereiter und werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt.

Schulangst: Ursachen müssen geklärt werden

Foto: Techniker Krankenkasse

Soziale Ängste, Leistungsdruck und geringes Selbstbewusstsein

Bei Schulangst muss zunächst geklärt werden, ob das Kind aus Sorge vor nicht erfüllbaren Leistungsanforderungen und aus Angst vor sozialen Kontakten den Schulbesuch scheut oder ob die Ursachen im häuslichen Milieu, zum Beispiel in Trennungsschwierigkeiten vom Elternhaus liegen. Auslöser einer Leistungsangst ist häufig eine schulische Überforderung, beispielsweise nach einem Schulwechsel, nach längerer Krankheit oder durch individuelle Lernschwierigkeiten.

Auch ein einschränkender Erziehungsstil mit vielen Zurechtweisungen und ständigen Verweisen auf die besseren Leistungen eines Geschwisters kann bei Kindern Schulangst erzeugen. Durch kränkende Rückmeldungen von Lehrern oder das Hänseln durch Mitschüler wird die Angst weiter verstärkt und es kann eine soziale Angst hinzukommen. Sozial verängstigte Kinder fürchten vor allem, sich zu blamieren, in peinliche Situationen zu geraten und von anderen bewertet zu werden. Leistungsangst wie soziale Angst können sich auch in körperlichen Beschwerden, wie zum Beispiel in Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall am Morgen, Kopfschmerzen, Zittern und Schweißausbrüchen niederschlagen.

Eltern sollten nicht aus Mitleid mit dem verängstigten Kind Entschuldigungen schreiben. Besser helfen sie ihrem Kind, die Schulangst zu überwinden, indem sie es ermutigen und sein Selbstbewusstsein stärken. Zum Beispiel können sie ihm Aufgaben stellen, die es gut bewältigen kann. Bei anhaltender Schulangst sollten Eltern nicht zögern, ihren Kinder- und Jugendarzt bzw. einen Kinder- und Jugendpsychiater hinzuziehen, um die zugrunde liegenden Ursachen festzustellen und der Angst entgegenwirken zu können.

Man schätzt, dass jeder fünfte Schüler unter Schulangst leidet. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. 
(Quelle: Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte)

Sex, Partnerschaft, Geburt: Angebote und Hilfen für alle Altersklassen

Das Team der Soltauer Beratungsstelle: (von rechts) Mary Helen Fischer, Thomas Schier, Andrea Klenke und Hildegard Müller.

Pro familia-Beratungsstelle in Soltau

Bei dem Name pro familia fällt einem als Stichwort zumeist die Schwangerschaftskonfliktberatung ein, sprich die gesetzlich fixierte Pflicht zur Beratung vor einem Schwangerschaftsabbruch. Aber das ist nur einer kleiner Teil dessen, was pro familia bietet. Eine von 19 Beratungsstelle in Niedersachsen ist in Soltau angesiedelt, und zwar an der Bornemannstraße 10. Hier bieten Leiterin Mary Helen Fischer, Diplom-Pädagogin, und ihre Kollegen Andrea Klenke, Erzieherin, Thomas Schier, Diplom-Pädagoge, sowie Hildegard Müller, Diplom Pädagogin mit psychotherapeutischer Ausbildung, ein umfassendes Beratungsangebot, das die Themen Schwangerschaft und Geburt, Schwangerschaftsabbruch und Familienplanung ebenso umfasst wie Sexual- und Partnerschaftsberatung oder sexualpädagogische Angebote. Die Einrichtung ist für den ganzen Landkreis zuständig, die einzige Stelle für Sexualberatung und Sexualpädagogik.

Regelmäßig hat das pro familia-Team Schulklassen zu Gast in ihren Räumen oder besucht diese an ihren Schulen. Aufgeteilt in Mädchen- und Jungengruppen geht es um Themen wie Verhütung, den ersten Sex, aber auch Homosexualität oder Schutz vor Aids. Weil sich viele Jugendliche aber nicht trauen, in der Gruppe offen Probleme zu äußern oder Fragen zu stellen, gibt es im Internet eine niederschwellige Online-Beratung des pro familia Landesverbandes Niedersachsen, berichtet Hildegard Müller, die das Online-Angebot www.sexundso.de von pro familia leitet. 3000 bis 4000 solcher Online-Beratungen pro Jahr – darüber hinaus hält die Internetseite jugendgerechte Infos zu den Themen Sex, Partnerschaft und Verhütung bereit. Natürlich können Jugendliche aber auch direkt in die Beratungsstelle kommen und mit einem der Mitarbeiter sprechen, es gibt eine eigene Jugendsprechstunde. Bei Problemen oder Krisen helfen Mary Helen Fischer und ihre Kollegen schnell und unbürokratisch, arbeiten bei Bedarf auch mit anderen Einrichtungen wie beispielsweise der Erziehungsberatungsstelle zusammen. Wichtig: die Beratung bei pro familia ist vertraulich und auf Wunsch auch anonym.

Fragen und Probleme rund um das Thema Sexualität und Beziehung gibt es aber nicht nur im Jugendalter, sondern in jeder Altersstufe – dementsprechend ist auch Sexual- und Partnerschaftsberatung bei pro familia ausgerichtet. Sexuelle Probleme können hier ebenso thematisiert werden wie Konflikte in der Partnerschaft, sexuelle Gewalt oder Fragen zu Trennung und Scheidung. Möglich sei Einzel- und Paarberatung, erklärt Hildegard Müller, auch mehrmals. Ist eine Therapie erforderlich, verweist pro familia an entsprechende Einrichtungen.

Ein weiterer Themenkomplex der Soltauer Beratungsstelle ist Familienplanung und Gesundheit. Die Mitarbeiter informieren über die verschiedenen Möglichkeiten zur Verhütung, beraten über Sterilisation und den Einsatz der „Pille danach“, außerdem zu gesundheitlichen Fragen wie Wechseljahren, sexuell übertragbare Krankheiten und HIV-Infektionen. Das pro familia-Team verwaltet zur Hälfte den Verhütungsmittel-Fonds des Landkreises. So können sich Hartz-IV-Empfängerinnen an die Beratungsstelle wenden, einen formlosen Antrag stellen und sich ihre Kosten für die Spirale, die Pille oder eine Sterilisation (anteilig) erstatten lassen. Der  Fonds bedient einen dringenden Bedarf, wissen Mary Helen Fischer und ihre Kollegen, denn aus den regulären Sozialleistungen könnten sich betroffene Frauen häufig keine Verhütungsmittel leisten. Problem: der Fonds ist mit 4000 Euro ausgestattet, ist also irgendwann ausgeschöpft. Außer pro familia zahlt auch das Diakonische Werk Walsrode Gelder aus dem Fonds aus.

Schwangere erhalten in der pro familia-Beratungsstelle umfassende Unterstützung und Hilfestellung, sie können vor, während und nach der Schwangerschaft psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen. Die Mitarbeiter zeigen auf, welche sozialen, finanziellen und gesetzlichen Hilfen es gibt: Mutterschutz, Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elterngeld, Elternzeit, Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe sind hier die Stichworte. Außerdem können Schwangere hier einen Antrag auf ergänzende Hilfe bei der Bundesstiftung Mutter und Kind stellen, beispielsweise um eine Säuglingserstausstattung zu finanzieren.

Ist eine Frau ungewollt schwanger und entscheidet sich für einen Schwangerschaftsabbruch, ist eine Schwangerschaftskonfliktberatung nach §§218/219 StGB vorgeschrieben – pro familia darf diese Beratung leisten, die Mitarbeiter stehen den Frauen zur Seite, zeigen auf, welche Schritte notwendig sind, welche sozialen, finanziellen und gesetzlichen Hilfen es gibt. Und auch nach einem Abbruch bietet das pro familia-Team Hilfe, denn leichtfertig entscheidet sich kaum eine Frau für diesen Schritt.

 

Informationen:
pro familia-Beratungsstelle Soltau
Bornemannstraße 10
29614 Soltau
Telefon (0 51 91) 1 77 83
E-Mail: soltau@profamilia.de
Internet: www.profamilia.de/soltau

Lebensberatung und Fachbereich Familie mit Neuauflage der Broschüre

„Acht  Sachen, die Erziehung stark machen“ ist eine sehr erfolgreiche und bundesweit ausgezeichnete Broschüre der Lebensberatung und des Fachbereichs Familie des Landkreises Soltau-Fallingbostel übertitelt – im November 2009 ist die Neuauflage erschienen. „In der Erziehung gibt es viele unterschiedliche Ziele“, betonen die Herausgeber. „Aber ein übergeordnetes Ziel sollte es sein, dass Erziehung Kinder stark macht in vielerlei Hinsicht: Stark, um das Leben selbst zu bestimmen, stark, um Herausforderungen besser begegnen zu können; stark für gelingende Beziehungen; und stark, um auch Rückschläge zu verkraften und Kritik akzeptieren zu können.“ Die Elternbroschüre können Interessierte bei der Lebensberatungsstelle, Telefon (0 51 61)  80 10 und im Jugendamt, Telefon (0 51 62) 97 03 80 und (0 51 91) 97 03 80 anfordern. Die Broschüre und weiteres Info-Material gibt es auch auf den Internetseiten www.lebensberatung-walsrode.de sowie www.heidekreis.de.

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