Böhme Zeitung
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Fachkräfte von morgen bereiten sich heute vor

Grußworte von Kerstin Kuechler-Kakoschke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Uelzen

Nach den schlechten Nachrichten der vergangenen Monate aus der Finanz- und Wirtschaftswelt zeichnen sich heute wieder Silberstreife am Horizont ab. Natürlich wirken sich Veränderungen in der Wirtschaft auch immer, wenn auch zeitlich verzögert, auf den Arbeitsmarkt aus. Aber wie stets in den vergangenen Jahrzehnten folgt dem Abschwung immer ein Aufschwung. Nicht erst dann, wenn die Wirtschaft wieder anzieht, sind Fachkräfte gefragt. In den vergangenen Monaten hat in einigen Branchen die Arbeitskräftenachfrage nachgelassen, in anderen Bereichen waren qualifizierte Mitarbeiter nach wie vor gefragt. Außerdem konnten wir feststellen, dass trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Unternehmen in der Region weiter auf Ausbildung gesetzt haben. Die gemeldeten Ausbildungsstellen sind im vergangenen Jahr nur leicht um fünf Prozent gesunken.

Für die Fachkräfte von morgen fängt der Berufsstart mit sorgfältiger Vorbereitung an. Und die beginnt schon gut zwei Jahre vor dem Schulabschluss. Fragen wie: „Was will ich werden? Welche Stärken und Fähigkeiten habe ich und wie kann ich sie in mein künftiges Berufsleben einbringen?“ müssen beantwortet werden. Der Weg und manchmal auch die Hürden, die dabei überwunden werden müssen, muss jedoch nicht allein gemeistert werden. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater stehen mit vielen nützlichen Informationen und Tipps zur Seite – nicht nur vor, sondern auch während der Ausbildung.

Jugendliche, die für den Ausbildungsstart im Sommer eine Ausbildungsstelle suchen, sollten, den Kontakt zur Berufsberatung zu halten. Meine Tipps: Informieren sie sich über den Beruf und das Unternehmen. Bewerben sie sich gezielt. Nutzen sie das verbleibende Halbjahr, um eventuelle Scharten im Halbjahreszeugnis auszuwetzen. Gehen sie ohne Scheu auf die Betriebe zu und fragen sie ruhig nach einem Praktikum. Zeigen sie, was in ihnen steckt.

 

Berufsberater vor Ort in der Arbeitsagentur und den Schulen

Als Spezialisten in Sachen Ausbildung begleiten die Berufsberatung Jugendliche auf ihren Weg in das Berufsleben – von der ersten Orientierung, die fast zwei Jahre vor dem Schulabschluss beginnt, bis hin zum Endspurt und Zieleinlauf, dem Ausbildungsvertrag.

Dafür sind die Berufsberaterinnen und Berufsberater vor Ort in den Agentur für Arbeit in Soltau und natürlich auch in den Schulen zu den Schulsprechstunden. Im Rahmen des Unterrichts informieren sie die Jugendlichen über Ausbildungsmöglichkeiten, weiterführende Schulen, Bewerbungsmodalitäten und natürlich den örtlichen Arbeitsmarkt. So beginnt die erste Orientierung. Denn um herauszufinden, was man werden möchte und welcher Beruf wirklich zu einem passt, benötigt man Zeit. Dazu gehört auch, abzuklären, welche Interessen, Talente und Stärken man hat. Gerade wenn der ursprüngliche Wunschberuf doch verworfen wird, muss nach Alternativen gesucht werden. Daher ist es gut, sich so frühzeitig mit dem künftigen Berufsleben auseinanderzusetzen. Während dieser gesamten Zeit stehen die Berufsberater mit Rat und Tat zur Seite.

Die Jugendlichen können sich in einem persönlichen Gespräch bei ihrem Berufsberater ausführlich informieren. Wenn sie möchten, können sie sich dabei von ihren Eltern begleiten lassen. Auch Eltern haben die Möglichkeit, den Berufsberater ihres Sprösslings kennenzulernen, denn sie stellen sich zum Auftakt der Berufswahl auf einem Elternabend vor. Wer seine Bewerbungsunterlagen checken lassen möchte, ist bei den Berufsberatern auch an der richtigen Adresse. Außerdem organisieren sie, wenn Klassen dies wünschen, Informationsveranstaltungen zu bestimmten Themen. Und natürlich sind sie auch bei der Organisation und Durchführung von Ausbildungsbörsen eng mit eingebunden.

Außerdem gibt es ein Beratungsteam, das sich auf die Fragen von Abiturienten und anderen Studienberechtigten spezialisiert hat. und Ansprechpartner, die sich um den Berufseinstieg von jungen Menschen mit Behinderungen kümmern.

Der Termin zur Berufsberatung kann montags bis freitags in der Zeit von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr unter der Rufnummer 01801 555 111* vereinbart werden.

 

Individuelle und kreative Bewerbungen

Was geht?

lps/Cb. Individualität und eine kreative Gestaltung der Bewerbung sind nach Ansicht von Fachleuten gefragt. Allerdings gilt es abzuwägen, wem man eine kreative oder gar künstlerische Bewerbung schicken will. Im Kunstbetrieb oder in einer Werbeagentur wird das anders gesehen als in einer Bank oder in einem Industriebetrieb. Generell sollte die eigene Kompetenz, Motivation und Persönlichkeit herausgestellt werden. Das erste Ziel ist die Einladung zum Gespräch. Vor allem Ausbildungsplatzsuchende scheitern oft an der ersten Hürde. Wie eine Online-Befragung der IHK Köln unter rund 700 Unternehmen ergab, bemängelten mehr als 60 Prozent der Befragten Arbeitgeber das mündliche und schriftliche Ausdrucksvermögen. 50 Prozent kritisierten fehlende elementare Rechenkenntnisse.

Doch obwohl der erste Eindruck in einer Bewerbung in den meisten Fällen entscheidend sein kann, geben manche Arbeitgeber den Bewerberinnen und Bewerbern die Chance, ihr Können im Gespräch unter Beweis zu stellen. Wenn ein Bewerber oder eine Bewerberin mit Kompetenzen glänzen kann und ein gewinnendes Auftreten hat, ist eine unglücklich gewählte Formulierung in der Bewerbung letztlich auch nicht mehr so wichtig. Kleinere Fehler werden zu diesem Zeitpunkt nachsichtig behandelt.

Manche große Unternehmen bekommen Initiativbewerbungen fast nur noch online. Das gilt oft auch für ausgeschriebene Ausbildungs- oder Arbeitsplätze. Dabei müssen Bewerber ihr "Profil" über Eingabemasken vermitteln. Nicht selten führen Avatare (virtuelle Figuren als Helfer) durch das Programm.

 

Auwahltests

Entscheidungshilfen für Einstellungen

lps/Cb. Wer zu einem Auswahltest eingeladen wird, hat zumindest die erste Hürde bereits genommen. Schriftliche Tests bleiben auch weiterhin sehr wichtig. Es empfiehlt sich, Muster solcher Tests zu beschaffen und zu lösen. Diverse Bücher und auch die Agenturen für Arbeit halten Beispiele bereit. Man kann auch Freunde oder Bekannte, die schon einmal an Auswahltests teilgenommen haben, nach deren Erfahrungen fragen.

Schließlich kann man sich auch direkt an den Betrieb wenden und fragen, ob und wie man sich vorbereiten kann und Probeaufgaben erhältlich sind. Beim Lösen der Aufgaben hält man sich an Zeitvorgaben, weil es auch im tatsächlichen Test Zeitdruck geben wird. Zum Test geht man gut ausgeschlafen und plant für den Weg dorthin genug Zeit ein, um pünktlich erscheinen zu können.

Schreibzeug und einen Taschenrechner sollte man einstecken. Weitere Termine unmittelbar nach dem Test sind ungünstig, er könnte länger dauern als erwartet. Die Erwartungshaltung sollte als Bewerber nicht zu groß sein, denn bei einer Vielzahl von Bewerbern werden auch gute Konkurrenten abgelehnt.

Verständnisfragen vor und während des Tests dürfen gestellt werden. Falls Anweisungen vom Testleiter gegeben werden, sollte man diesen Angaben folgen. Auch zunächst unverständlich erscheinende Aufgaben bearbeitet man mit Ruhe und Sorgfalt. Da die Bearbeitungszeiten knapp kalkuliert sind, erwartet man eher selten Lösungen für alle Fragen.

Immer beliebter auf der Seite der Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe sind die sogenannten Assessment Center geworden.

Dabei sollen Aufgaben in Gruppenarbeit gelöst werden. Testleiter beobachten die Prüflinge dabei, ohne sofort einzugreifen. Es geht um Gruppenverhalten, soziale Fähigkeiten und Führungsqualitäten.

 

Telefonkontakt: Chancen ausloten

lps/Cb. Ziel: Berufsausbildung (Foto:Busche)

Initiativbewerbung (nicht auf eine übliche Stellenanzeige) absenden möchte, sollte ein kurzes Telefongespräch mit einem/r Personalentscheider/in führen, um zu klären, ob Bedarf an Mitarbeitern besteht oder der Betrieb bereit ist auszubilden. "Fragen kostet nichts", aber dieses Gespräch sollte vorbereitet werden.

Zentrale Punkte dabei sind: Was möchte man fragen? Was will man Gesprächspartnern vermitteln? Zuerst: "lächeln" beim Sprechen, den Namen und den Grund des Anrufs nennen. Man fragt die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter, ob man die Bewerbungsunterlagen per Post bzw. per E-Mail übersenden oder sogar persönlich überbringen darf. Man sollte mindestens zwei gute Gründe parat haben, warum man sich ausgerechnet bei diesem Unternehmen bewerben möchte. Vielleicht zeigt sich das Unternehmen interessiert und bietet schon während des Telefonats einen Termin für ein Gespräch an. Bekommt man diese Chance, nimmt man alle erforderlichen Dokumente zur Vorstellung mit. Meistens wollen die möglichen Arbeitgeber aber vorher schon Unterlagen der Bewerberinnen oder Bewerber einsehen und erst dann entscheiden, ob sich ein Gespräch aus ihrer Sicht lohnt oder nicht. Besteht derzeit kein Bedarf, hätte man zumindest die Kosten für eine Bewerbungsmappe gespart. Auch wenn ein Gesprächspartner signalisiert, derzeit keinen Bedarf zu haben, aber die Unterlagen "für einen späteren Zeitpunkt" anfordert, kann das positiv sein und zu einer Option für die Zukunft werden.

 

Berufsausbildungsvertrag

lps/Cb. Szene in der Ausbildungswerkstatt (Foto: Busche)

Inhalt des Vertrages

lps/Cb. Mit einer Ausbildungszusage in der Tasche laufen die letzten Wochen bis zur Schulentlassung entspannter. Was ist jetzt noch zu erledigen? Es wird ein Vertrag mit dem Ausbildenden geschlossen, der Berufsausbildungsvertrag. Bei minderjährigen Auszubildenden sind auch die Zustimmung und Unterschrift der gesetzlichen Vertreter (Eltern oder eines gerichtlich bestimmten Vormunds) nötig. Wesentliche Vertragsinhalte sind sofort, spätestens aber noch vor dem Beginn der Berufsausbildung schriftlich niederzulegen. Ein solcher Vertrag soll bestimmte Mindestangaben enthalten. Dazu gehören:

- Art, Ziel und Gliederung der Berufsausbildung nach Inhalt und Ablauf;

- Beginn und Dauer bzw. voraussichtliches Ende der Ausbildung;

- Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte (Berufsschule und überbetriebliche Lehrgänge);

- Dauer der regelmäßigen täglichen Ausbildungszeit;

- Dauer der Probezeit;

- Höhe der Ausbildungsvergütung;

- Dauer des Jahresurlaubs;

- Voraussetzungen, unter denen der Ausbildungsvertrag gekündigt werden kann;

- Ausbildungsabschnitte, die

im Ausland absolviert werden sollen.

Im Vertrag müssen auch enthalten sein: Hinweise auf Tarifverträge, Betriebs- und Dienstvereinbarungen, die auf das Ausbildungsverhältnis anzuwenden sind. Ein auf der Ausbildungsordnung beruhender Ausbildungsplan ist als Anlage beizufügen.

Der ausbildende Betrieb leitet den unterschriebenen Vertrag zur Prüfung und Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse an die jeweils zuständige Stelle weiter: Indus-

trie- und Handelskammern (IHK) oder Handwerkskammern, Zahnärzte-, Ärzte-, Apotheker-, Rechtsanwalts- oder Steuerberaterkammern, Landwirtschaftskammern oder auch staatliche Stellen (Landesministerien, Bezirksregierungen).

 

Schriftliche Bewerbung

lps/Cb. Bewerbungen sorgfältig erstellen (Foto: Busche)

Alles Mappe oder was?

lps/Cb. Sind heute persönliche Vorsprachen, Online-Bewerbungen oder Bewerbungen in Kurzform vorteilhafter oder hat es noch Sinn, eine Bewerbung in schriftlicher Form (als "Mappe") abzuschicken? Experten sagen: Grundsätzlich kann jede Form der Bewerbung zum Ziel führen.

Häufig verlangen oder erwarten die Entscheider jedoch weiterhin förmliche Bewerbungen: "Bewerbung mit den üblichen Unterlagen/ Referenzen". Vor dem Zusammenstellen einer Bewerbung sollte man sich in die Lage der Personalchefs versetzen. Bei welcher Angabe könnte die künftige Arbeitgeberin / der künftige Arbeitgeber Zweifel bekommen, was könnte stören oder die Chancen torpedieren, was könnte dagegen positiv und eindrucksvoll wirken? Gibt es eher langweilige Details, wo können bisherige Leistungen unaufdringlich betont werden? Eine gute Bewerbung kann und soll die Eintrittskarte zu einem Auswahlverfahren oder einem Vorstellungsgespräch sein. Jede schriftliche Bewerbung ist eine

Visitenkarte. Der erste Eindruck zählt auch hier. Das Anschreiben sollte nicht mehr als eine Seite (nur Vorderseite) umfassen. Dabei gilt: so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig. Kopierte Anschreiben mit eingesetzten Anschriften und Anreden sind chancenlos. Es wirkt besser, wenn der Empfänger beim Durchlesen den Eindruck gewinnt, die Bewerbung sei ausschließlich für sein Unternehmen geschrieben worden. Deshalb schreibt man jedes Bewerbungsschreiben neu und stimmt es speziell auf das jeweilige Unternehmen oder die Behörde ab.

Vorteilhaft ist ein höflicher und sachlicher Stil, der Positives betont. Eine besondere Begründung für das Interesse an einer Ausbildung bzw. Mitarbeit in genau diesem Unternehmen sollte nicht fehlen. Deshalb empfiehlt es sich, vorab zu recherchieren.

Staatsdienst

lps/Cb. Zollfahrzeug im Einsatz gegen Schwarzarbeit (Foto: Busche)

Berufe mit besonderem Status

lps/Cb. Staatsdienst heißt nicht nur öffentliche Verwaltung, also Dienst am Schreibtisch. Je nach Einsatzgebiet gibt es hoheitsrechtliche, vollziehende, schützende, forschende und lehrende Tätigkeiten und Aufgaben. Dazu zählen zum Beispiel Polizei und Bundespolizei, Zoll, Feuerwehr, Justizverwaltung und Justizvollzugsdienst.

Entsprechend dem Schwierigkeitsgrad der Aufgaben werden diese Tätigkeiten von Beamtinnen und Beamten in den Laufbahnen des mittleren, gehobenen oder höheren Dienstes ausgeübt. Für die Beamtenlaufbahn gibt es Voraussetzungen: deutsche Staatsangehörige im Sinne des Grundgesetzes. Für Bürger von EU-Staaten ist der Zugang möglich. In einigen Bundesländern können auch Bürger anderer Staaten (zum Beispiel in den Polizeidienst) eingestellt werden, wenn die Wahrnehmung durch deutsche Staatsangehörige verzichtbar ist. Alle Kandidatinnen und Kandidaten müssen jedoch die Gewähr dafür bieten, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten. Außerdem wird die persönliche und fachliche Eignung für die angestrebte Laufbahn in entsprechenden zentralen Auswahlverfahren geprüft. Bewerberinnen und Bewerber müssen je nach Laufbahn ein bestimmtes Mindestalter haben und sollen eine Höchstgrenze nicht überschreiten. Sie liegt in den meisten Fällen beim 32. Lebensjahr. Je nach Behörde gelten unterschiedliche Grenzen (für Schwerbehinderte liegen sie generell höher). Während der "Vorbereitungsdienst" genannten Ausbildung sind die Auszubildenden zunächst "Beamte auf Widerruf".

Mit der bestandenen Laufbahnprüfung werden die Anwärter/innen zu "Beamten auf Probe" ernannt. Die Probezeiten sind je nach Laufbahn unterschiedlich lang. Nach vollendetem 27. Lebensjahr kann die Ernennung auf Lebenszeit erfolgen.

Folgende Unternehmen empfehlen sich:

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