
Nachrichten-Apps sind darauf gebaut, dass man nicht fertig wird. Immer eine neue Meldung, immer ein nächster Impuls, immer die leise Sorge, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Genau dagegen haben wir Fritz gebaut: eine digitale Tagesausgabe der Böhme-Zeitung mit klarem Anfang und klarem Ende — und hinter dieser Ausgabe ein Archiv, in dem man Zusammenhänge verstehen und Fragen stellen kann.
Ich wollte wissen, ob das irgendwo auf der Welt schon so existiert. Also haben wir öffentlich dokumentierte Produkte von Zeitungsverlagen verglichen: Regionaltitel in Deutschland, Qualitätsblätter in London und Washington, Slow-News-Gründungen, Hyperlocal-Apps in den USA, die digitalen Vorreiter in Skandinavien. Das Ergebnis ist eindeutig — und für unsere Leser nützlich.
Die einzelnen Bausteine gibt es. Die Systematik dahinter gibt es nicht.
Drei Dinge, die zusammengehören
Fritz ist kein E-Paper und kein Nachrichtenticker. Es ist eine eigene Ausgabe, die ab Mitternacht vollständig bereitsteht. Danach kommt im Tagesverlauf bewusst nichts mehr hinzu. Gelesen ist gelesen. Wer fertig ist, ist fertig — ohne schlechtes Gewissen.
Hinter jedem Artikel liegt ein zweites Angebot: Personen, Orte und Themen sind verknüpft. Ein Klick führt in den Deep Dive, in alle passenden Stücke aus zwei Jahrzehnten Böhme-Zeitung. Wer den neuen Bürgermeister verstehen will, sieht nicht nur den heutigen Bericht, sondern die Spur, die diese Person, dieser Ort, dieses Thema durch unsere Berichterstattung zieht.
Und wer eine Frage hat, muss nicht mehr die richtige Suchphrase raten. Frag Fritz antwortet aus unserem Archiv — mit Quellen, nicht aus dem offenen Internet. Die künstliche Intelligenz hat hier kein eigenes Weltwissen, das sie über den Heidekreis stülpt. Sie hat unser Haus. Und sie sucht nicht nur nach ähnlichen Sätzen. Sie läuft durch dasselbe Netz aus Personen, Orten und Organisationen, das Sie im Deep Dive anklicken.
Jedes dieser drei Dinge nützt für sich. Der außerordentliche Nutzen entsteht, weil sie ein System sind. Die abgeschlossene Ausgabe nimmt die Unruhe. Das Wissensnetz nimmt die Vereinzelung der Meldungen. Die Archiv-KI nimmt die Schwelle, tiefer einzusteigen — und findet dabei Zusammenhänge, die eine gewöhnliche Textsuche übersieht. Zusammen ist Fritz kein Feed, den man bedient — sondern ein Werkzeug, mit dem man den eigenen Ort verstehen kann.
Was andere Häuser gebaut haben
Wir haben uns die nächsten Verwandten genau angesehen. Die Neue Osnabrücker Zeitung beantwortet mit „frag noz“ Fragen aus dem eigenen Lokalarchiv; in drei Wochen kamen dort rund 12.000 Fragen. Die Neue Pressegesellschaft hat mit „Frag Mich“ einen solchen Chat in die Apps der Südwest Presse, der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau gelegt. Die Financial Times und die Washington Post öffnen ihre Archive für Abonnenten per Chat. The Economist liefert mit Espresso eine Tagesausgabe, die man zu Ende lesen kann. In Newton, Massachusetts, spielt Fig City News die Artikel des Tages als Audio-Playlist.
Das ist guter, ernsthafter Journalismus — und es sind einzelne Säulen. Nirgendwo sitzen sie in einem lokalen Produkt beisammen.
| Produkt | Lokal | Tagesausgabe | Wissensnetz | Archiv-KI | Audio |
|---|---|---|---|---|---|
| Fritz (Böhme-Zeitung) | ja | ja | ja | ja | ja |
| frag noz (NOZ) | ja | — | — | ja | — |
| Frag Mich (Südwest Presse u. a.) | ja | — | — | ja | teilweise |
| Espresso (The Economist) | — | ja | — | — | ja |
| Fig City News (Newton, USA) | ja | teilweise | — | — | ja |
| Ask FT / Ask The Post | — | — | — | ja | — |
| Tortoise (Slow News, UK) | — | ja | — | — | ja |
| NZZ Pro | — | teilweise | — | — | ja |
| Knowledge-Graph-Tools (Newsrooms, USA) | ja | — | teilweise | — | — |
Zwei Abgrenzungen sind mir wichtig, damit niemand uns falsch versteht. Das klassische E-Paper — das digitale Abbild der gedruckten Seite — gibt es bei fast jedem Verlag. Das ist ein anderes Produkt, und wir haben es auch. Und allgemeine Chatbots, die das offene Netz anzapfen, sind das Gegenteil von Frag Fritz: Sie können viel erzählen und wenig belegen.
Was in der Tabelle als „teilweise“ beim Wissensnetz steht, sind Redaktionswerkzeuge. Manche Häuser extrahieren Personen und Orte intern, damit die Newsroom-Suche besser wird. Dem Leser zeigen sie das Netz nicht. Genau das tun wir.
Nicht nur ähnliche Texte
Die Archiv-Chats anderer Verlage — frag noz, Frag Mich, Ask FT, Ask The Post — arbeiten nach demselben Grundprinzip: Sie zerlegen Artikel in Textstücke und suchen die Stücke, die einer Frage am ähnlichsten klingen. Das ist semantische Suche. Sie ist gut, wenn die Antwort in einem Artikel steht, der ungefähr so formuliert ist wie die Frage.
Lokaljournalismus funktioniert so oft nicht. Der Zusammenhang steckt selten in einem Satz. Er steckt darin, dass dieselben Personen, Orte und Organisationen über Jahre in ganz verschiedenen Texten auftauchen — mal im Stadtrat, mal an der Bahntrasse, mal im Verein. Die Wortwahl wechselt. Die Akteure bleiben.
Deshalb haben wir das Archiv nicht nur als Textindex aufgebaut, sondern als Netz. Jede erwähnte Person, jeder Ort, jede Organisation ist ein Knoten. Artikel sind die Kanten dazwischen. Eine Frage kann deshalb zwei Wege gehen: den semantischen („welche Texte klingen ähnlich?“) und den gezielten über das Netz („wer hängt mit wem zusammen — über welche Berichte?“).
Ein Beispiel aus der Region: Landrat Jens Grote und die Deutsche Bahn. Eine Ähnlichkeitssuche findet Stücke, in denen beide Namen nahe beieinander stehen. Die Netzwerksuche findet die Verbindung auch dort, wo der Artikel von Alpha E handelt, vom Heidekreuz oder vom Rettungsdienst — weil beide Akteure in derselben Geschichte vorkommen, nicht weil die Überschrift so klingt. Genau das meint „Zusammenhänge“: nicht ein weiteres Schlagwort, sondern die Spur, die zwei Dinge durch unsere Berichterstattung ziehen.
Andere Häuser sagen RAG und meinen Textähnlichkeit. Das Netz daneben — und als Fläche für den Leser — ist der Teil, den wir öffentlich nirgendwo so finden.
Selbst gedacht, selbst gebaut
Es gibt einen zweiten Unterschied, der in keiner Vergleichstabelle als Spalte vorkommt: Fritz ist kein zugekauftes Modul auf einer Standard-News-App. Wir haben das Produkt selbst entwickelt — die Idee und die Umsetzung.
Die abgeschlossene Tagesausgabe, das Netz aus Personen und Orten, Frag Fritz: das ist nicht zusammenmontiert aus einem Chat-Baukasten und einer E-Paper-Schablone. Es ist aus der Logik dieser Zeitung entstanden. Deshalb sitzen die drei Dinge in einem System und nicht als Extra-Knöpfe auf einem Feed. Ein Verlag, der seine Haltung ernst nimmt, kann sich das Digitale nicht nur lizenzieren. Er muss es bauen können.
Das ist aufwendig. Es ist der Grund, warum Fritz so ist, wie er ist — und warum er so nicht von der Stange zu haben war.
Der Nutzen liegt im System
Stellen Sie sich vor, im Stadtrat fällt ein Name, den Sie schon einmal gelesen haben, aber nicht mehr zuordnen. In einem Feed ist das ein toter Faden. In Fritz ist es ein Einstieg: derselbe Name, dieselben Beschlüsse, dieselbe Straße, über Jahre. Sie müssen uns nicht glauben — Sie können nachlesen.
Oder Sie haben zehn Minuten am Morgen. Dann reicht die Ausgabe. Sie ist endlich, also auch machbar. Niemand verdient daran, dass Sie unsicher bleiben, ob Sie „durch“ sind.
Oder Sie ziehen neu in den Heidekreis. Dann ist das Archiv nicht Vergangenheit, sondern Orientierung: Wer entscheidet hier? Was wurde schon versucht? Welche Vereine, welche Orte, welche Konflikte gehören zusammen? Frag Fritz macht aus zwei Jahrzehnten Zeitung eine Auskunft, die man stellen kann, ohne Archivar zu sein.
Das ist der Unterschied zwischen einer App, die Aufmerksamkeit hält, und einem Produkt, das Urteilskraft stärkt. Wir nennen das Serious Media: fundiertes Wissen, das Menschen befähigt, eigenverantwortlich zu entscheiden. Fritz ist die konsequenteste digitale Form dieser Haltung.
Was das für Sie bedeutet
Sie brauchen dafür kein Extra-Abo. Fritz gehört zum Digital-Abo und zum Print-Abo Plus — neben dem E-Paper und den Dossiers. Der Auftrag ist einfach: dass lokale Zeitung im Digitalen nicht in einem endlosen Strom verschwindet, sondern wieder eine Ausgabe wird. Eine, die man zu Ende lesen kann. Und eine, hinter der ein Gedächtnis liegt — gebaut in diesem Haus, für diese Region.
Wenn Sie Fritz noch nicht geöffnet haben: Die heutige Ausgabe wartet. Sie wird im Laufe des Tages nicht länger. Was hinter den Wahl-Dossiers steckt, die dasselbe Archivnetz nutzen, steht in einem eigenen Beitrag.