KGS Schneverdingen ist auf dem Weg nach Europa

(Von links) Schulsprecherin Lea Cordes, Schuldezernent Stefan Weinreich, Lehrerin Britta Schmaler und Martin Schulz. Foto: jul

(Von links) Schulsprecherin Lea Cordes, Schuldezernent Stefan Weinreich, Lehrerin Britta Schmaler und Martin Schulz. Foto: jul

Mehr Europa ging an diesem Nachmittag nicht in Schneverdingen. Die Kooperative Gesamtschule (KGS) darf sich seit gestern offiziell Europaschule nennen. Kein geringerer als Martin Schulz gab sich die Ehre, um der Schule zu gratulieren. Der frühere Ratspräsident des Europäischen Parlaments hat die Patenschaft angenommen und machte das Angebot, einmal im Jahr mit einem Gast aus einem anderen europäischen Land an die KGS zu kommen, um Europa erlebbar zu machen. Ein Geschenk, das Gesamtschuldirektor Mani Taghi-Khani gerne annahm.

Die KGS Schneverdingen ist damit erste allgemeinbildende Europaschule im Heidekreis. Die Berufsbildenden Schulen in Soltau waren für Taghi-Khani Vorbild. Doch sein Dank galt besonders den Lehrerinnen Britta Schmaler und Henrike Meyer, die den „Weg nach Europa“ geebnet haben. Eindrucksvoll wurden die verschiedenen Aktivitäten an der Schule in einem zweiteiligen Film dargestellt. Die Verankerung europäischer Themen im Unterricht, Kooperationen mit Schulen in Polen, Irland, Spanien und Finnland, Sprachzertifikate und bilingualer Unterricht gehören zu den Voraussetzungen.

Schuldezernent: Verdient wäre volle Punktzahl

In Zahlen ausgedrückt hat die KGS damit 110 Punkte von 140 möglichen Scoringpunkten erreicht, wie Schuldezernent Stefan Weinreich in seiner Würdigung sagte. „Verdient wären 140 Punkte“, meinte er. Er überreichte eine Plakette und eine Europafahne, die allerdings kaum noch auffiel, weil das Forum reichlich mit Flaggen, dem Europa-Sternenbanner und zig blau-gelben Blumengebinden geschmückt war.

Sichtlich wohl fühlte sich Martin Schulz. Er stand nicht nur Schülersprecherin Lea Cordes Rede und Antwort, sondern auch den Politik-Leistungskursen. „Ihr stellt Fragen, da könnte ich einen halben Tag drauf antworten“, sagte er und formulierte damit ein Kompliment an die sehr gut vorbereiteten Schüler, die seine Meinung zur „Euro-Bonds“, einer „europäischen Armee“, der Idee der „Vereinigten Staaten von Europa“ und der Landwirtschaft wissen wollten.

Schulz habe Wahlkampf anders erlebt als 2017

Seine Sicht auf die aktuelle Bundestagswahl nahm Lea Cordes bereits zum Anlass. Ja, er habe den Wahlkampf auf jeden Fall anders erlebt als 2017 - das Jahr, indem er als Kanzler für die SPD zur Wahl stand. „Ich hatte es schwerer, weil ich gegen Merkel angetreten bin, als sie auf dem Höhepunkt ihrer Macht stand“, sagte er. Was er hingegen heute nicht mehr vermisst, ist die Entprivatisierung. Als Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung könne er heute ohne Polizeischutz reisen. Er genieße es, nicht mehr fremdbestimmt zu sein.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil musste wegen der Sondierungsgespräche kurzfristig absagen. Voller Stolz schaute Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens auf die Schule. Es sei ein Beitrag zum Frieden in der Welt, was hochtrabend klingen mag, aber ein Grundgedanke der Europäischen Union sei.

Martin Schulz:

Martin Schulz (65) steht für Europa: Er war von 2012 bis 2017 Präsident des Europäischen Parlaments. Für seine besondere Leistung wurde er 2015 mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Die SPD wählte ihn 2016 zum Bundesvorsitzenden und nominierte ihn in diesem Zuge zum Kanzlerkandidaten. Seine Kandidatur sorgte zunächst für einen Höhenflug der Partei, allerdings scheiterte er bei der Wahl krachend. Schulz hat Buchhändler gelernt und führte eine eigene Buchhandlung. Er war drei Amtszeiten Bürgermeister in seiner Heimatstadt Würselen (NRW). Schulz ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Seit Ende 2020 ist er Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung.