Doppelmord: DNA-Analysen vom Tatort belasten Angeklagten

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Durch diese Tür gelangen Prozessbeteiligte und Zuschauer in das Lüneburger Landgericht. Der Angeklagte wird durch einen Seiteneingang vom Hof in das Gebäude geführt. Foto: vo

Die Spurensuche war aufgrund der starken Verrußung durch das nach der Bluttat zur Vertuschung gelegte Feuer kompliziert, doch das Ergebnis der Analyse belastet den Angeklagten erheblich. Gutachterin Dr. Annika B. kommt aufgrund der von ihr ausgewerteten genetischen und Blutspuren zu dem Fazit, dass Maurice L. am Tatort war und unmittelbaren Kontakt mit den Opfern hatte.

Befragung dauert über zwei Stunden

Gut zwei Stunden berichtete die 45-jährige DNA-Sachverständige des Landeskriminalamts am gestrigen Freitag von der genetischen Aufarbeitung des grausamen Verbrechens vom 27. Juli am Neuenkirchener Lohweg, bei dem das Ehepaar Kurt und Annegret G. ermordet und die zufällig anwesende Susanne G. lebensgefährlich verletzt worden waren. Der Tat angeklagt ist der heute 21-jährige L.. Die Staatsanwaltschaft geht von Habgier als Motiv aus.

Zehn DNA- und ein Blutspurengutachten habe sie angefertigt, sagte die Sachverständige. Die Beweismittel waren nicht nur auf dem Anwesen des ermordeten Ehepaars am Lohweg gesichert worden. Ein grünes Stabfeuerzeug stellten die Ermittler in L.s Auto sicher. Es wies außer seinen Spuren auch Anhaftungen der lebensgefährlich verletzten Zeugin G. auf. Eine wichtige Rolle könnte ein beigefarbener Einweghandschuh spielen, der einige hundert Meter entfernt am Pommernweg gefunden wurde. Auch daran stellte die Sachverständige eindeutige genetische Hinweise fest.

Der Prozess wird am Donnerstag vor dem Landgericht Lüneburg fortgesetzt. An diesem vierten Verhandlungstag wird es um einen anonymen Brief an die Polizeiinspektion Heidekreis gehen, der offenbar geschrieben wurde, um Maurice L. in dem ihm ebenfalls zur Last gelegten Fall der zweifachen Brandstiftung am 17. und 18. Juni 2020 an der Fichtenstraße zu entlasten. Darin lenkt der Verfasser den Verdacht auf einen Markus K., seinem Chef. Der habe L. gehasst und am Tag nach dem vorsätzlich gelegten Wohnhausbrand, der auf die angrenzenden Garagen übergriff, „siegreich lächelnd“ festgestellt, dass L.s „Audi wohl futsch ist“.

Angeklagter äußert sich nicht

Zwei Tage vor dem Brand habe K. zwei Kanister mit Benzin geholt, die er mit Handschuhen angefasst und zudem „penibel abgewischt“ habe. Ob der Angeklagte selbst der Verfasser ist, soll der weitere Prozess klären. Während des Verlesens des Briefs nickte L. erkennbar zustimmend, woraufhin ihn der Vorsitzende Richter Dr. Michael Herrmann fragte, ob er dazu etwas sagen wolle. L. gab sich aber wie bisher weiter wortkarg: „Ich mache keine Angaben.“