6,50 Euro pro Quadratmeter Obergrenze für faire Vermieter

Keine Chance für den Rollator: Seniorenwohnungen sind Mangelware. Nur rund 1.700 barrierearme Wohnungen gibt es im Heidekreis. Mieter müssen heute aber auch noch auf etwas anderes achten, wenn sie morgen gut wohnen wollen: Auf eine faire Miete, die sie auch im Alter noch bezahlen können. Die wiederum ist ein Muss für Vermieter, die das Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“ bekommen wollen. 

Keine Chance für den Rollator: Seniorenwohnungen sind Mangelware. Nur rund 1.700 barrierearme Wohnungen gibt es im Heidekreis. Mieter müssen heute aber auch noch auf etwas anderes achten, wenn sie morgen gut wohnen wollen: Auf eine faire Miete, die sie auch im Alter noch bezahlen können. Die wiederum ist ein Muss für Vermieter, die das Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“ bekommen wollen. 

Heidekreis. Im Alter droht Mietern eine doppelte Hürde: Oft reicht die Rente nicht, um die Miete zu bezahlen. Zudem sind die wenigsten Wohnungen seniorengerecht. Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, spricht von einem „Doppelschock“, der auch im Heidekreis viele Menschen treffen könne. Das in den 1970er-Jahren gegründete Institut ist Forschungseinrichtung für Kommunen, Unternehmen und Verbände für Themenbereiche wie Klimaschutz, Wohnungsmärkte, Demografie und Kommunalentwicklung.

Effektiv vor "Miet-Reinfall" schützen

Um Mieter möglichst effektiv vor einem „Miet-Reinfall“ zu schützen, will das Institut ein bundesweites Gütesiegel etablieren. Die ersten Zertifikate werden demnächst vergeben. „Mein Fair-Mieter“ ist ein Label, das nur Vermieter führen dürfen, die strikte Kriterien einhalten – zuvörderst auch im Alter bezahlbare Wohnungen. „Für den Heidekreis bedeutet dies, dass die durchschnittliche Nettokaltmiete fairer Vermieter in Munster, Schneverdingen, Soltau und Walsrode 6,50 Euro pro Quadratmeter im Monat betragen darf. In allen übrigen Kommunen liegt die Obergrenze bei sechs Euro“, sagt Günther. Die Zahlen orientierten sich an dem in sieben Stufen gestaffelten Wohngeldgesetz. Damit ließe sich eine Rendite von zwei bis drei Prozent erwirtschaften. Derzeit gebe es im Heidekreis maximal 1700 barrierefreie oder -arme Wohnungen. Doch in nur rund der Hälfte der Seniorenwohnungen lebten tatsächlich ältere Menschen. „Altersgerechte Wohnungen ohne Schwellen und mit breiten Türen sind auch für Familien attraktiv.“ Derzeit sei von rund 4800 Haushalten auszugehen, in denen in ihrer Mobilität eingeschränkte ältere Menschen leben.

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Da nur rund 850 schon in einer Seniorenwohnung lebten, lasse sich der Bedarf konkret benennen: „Aktuell fehlen im Heidekreis etwa 3950 Seniorenwohnungen“, rechnet Günther auf Grundlage von Daten des 20er-Mikrozensus und einer Zusatzerhebung von 2018 vor. Das Problem werde sich durch den Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge verschärfen: „2035 wird es 6400 Haushalte geben, in denen Ältere mit eingeschränkter Mobilität leben.“ Als Zielgruppe für das Label habe man zunächst öffentliche Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften mit einem Bestand von mehr als 100 Wohnungen im Blick, „die das Label nutzen, um ihren Mietern zu zeigen, dass nicht der Profit, sondern sozial kalkulierte Mieten und ein guter Standard bei der Wohnqualität im Fokus stehen“, so Günther.