Contra schärfere Bau-Regulierung

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Unser Gastautor Dipl.-Ing. Per Carsten Meyer ist Geschäftsführender Gesellschafter der Willi Meyer Bauunternehmen GmbH in Uelzen und Präsidiumsmitglied des Bauindustrieverbands Niedersachsen-Bremen

Freies Bauen bedeutet nicht zwingend mehr Flächenverbrauch. Aber mehr Regulierung bedeutet zwingend höhere Kosten und weniger bezahlbaren Wohnraum.

In den letzten 20 Jahren, so hat die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen ermittelt, hätten besonders ordnungsrechtliche Regulierungen Bauen teurer gemacht. Kostentreiber seien erhöhte Vorgaben an Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Standsicherheit, Brand- und Schallschutz, Schnee-, Sturm- und Erdbebensicherheit sowie eine Vielzahl von kommunalen Auflagen. Insbesondere der starke Anstieg der Kosten bei den Ausbaugewerken sei zu einem Großteil auf verschärfte gesetzliche Anforderungen zurückzuführen.

Freies Bauen muss nicht zwingend mehr Fläche verbrauchen. Nachverdichtung im bebauten Raum ist zum Beispiel möglich, ohne zusätzliche Infrastruktur bauen zu müssen. In nahezu allen Städten und Ortschaften gibt es Baulücken oder brachliegende Grundstücke, die bereits erschlossen sind. Aufstockung bestehender Gebäude, die Nachverdichtung von bestehenden Wohngebieten oder Umnutzung von Nichtwohngebäuden schaffen Wohnraum auf bereits bebauter Fläche. Das Potenzial liege laut der Deutschland-Studie der TU Darmstadt und des Pestel-Instituts bundesweit bei 2,3 bis 2,7 Millionen. Wohnungen. Und das ohne zusätzlichen Flächenverbrauch.

Mut zum freien Baurecht statt Regulierung

Wir brauchen weniger Regulierung und bürokratische Hürden, sondern mehr mutige Lösungen für freieres Baurecht. Ein Beispiel aus dem Bau- und Planungsrecht: bei Dachaufstockungen sollte eine Überschreitung der Geschossflächenzahl zulässigsein,soentstehtmehr Wohnraum auf gleicher Grundfläche. Übrigens, erhöhte Abschreibungen bei Dachaufstockungen und Umnutzung von Nichtwohngebäuden könnten helfen, um mehr private Investoren zu gewinnen. Auch kleinere Wohnungsgrößen erlauben mehr Wohnungen im gleichen umbauten Raum.

Die durchschnittliche Wohnungsgröße im Mehrfamilienhausbau ist seit 2012 um gut zehn Prozent zurückgegangen. Andererseits steigt der Wunsch nach Ein- und Zweifamilienhäusern. Neubau am Rand der bisherigen Bebauung kann zur Verödung der Zentren beitragen. Hier sollten Alternativen gefunden werden. Potenziale ließen sich im Kernbereich der Städte durch Sanierung bestehender Gebäude oder durch Abriss und Neubau heben. Durch die Nachfrage von altersgerechten Neubauwohnungen in Innenstadtbereichen werden wiederum Ein- und Zweifamilienhäuser in den Randlagen wieder frei für junge Familien mit Kindern.

In Ballungsgebieten muss sich der Neubau verstärkt auf Mehrfamilien- und Reihenhäuser konzentrieren. Intelligentere Flächennutzung wird auch durch Verzicht auf (versiegelnde) Stellplätze und durch einen besseren ÖPNV erzielt. Manche Stellplatzschlüssel von Kommunen sind veraltet und zielen an Wünschen der Menschen vorbei. Auch kann darüber nachgedacht werden, ob vorgeschriebene Abstandsflächen zum Nachbargrundstück noch zeitgemäß sind, wenn flächensparend gebaut werden soll.

Bauen ist allerdings nicht überall möglich, wie die verheerende Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gezeigt hat. Gefährdete Lagen, zum Beispiel an Flüssen und Hanglagen, müssen beim Ausweisen von Baugebieten beachtet werden. Mehr Regulierung braucht es dafür jedoch grundsätzlich nicht! Aber freieres Bauen, zum Beispiel mit Zielen statt Vorgaben, das sollten wir versuchen. Die Innovationen werden spürbar sein.

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