Lesermeinung: Unsinn und Schaden
Leserbrief zur Berichterstattung über das Soltauer Krankenhaus und die Rückkehr der Mitglieder der „Heideunion“ in den Schoß der CDU:
Es ist schon erstaunlich, wie viel Unsinn und Schaden örtliche Politiker anrichten können. Zunächst haben die wackeren Kreistagsabgeordneten der Soltauer CDU, die Herren Eggers, Ernst und Frau Thorey-Elbers mit einer Reihe anderer „Krankenhausretter“ mit viel Getöse (rechtzeitig vor der Kommunalwahl) die Rettung des Soltauer Krankenhauses vor dem Untergang propagiert. Die von der Klinikleitung angedachten – wirtschaftlich sinnvollen – Maßnahmen sollten verhindert werden. Stattdessen sollte das Krankenhaus im Wesentlichen im vorherigen Zuschnitt (absehbar gnadenlos defizitär, aber wenigsten vorhanden) erhalten bleiben. Es wurden Unterschriften gesammelt, ein Bürgerbegehren und sonstige demokratisch legitimierte Wohltaten angekündigt, umgesetzt dann aber nicht.
Vermutlich hatte die Krankenhausretter der Mut verlassen oder aber sie haben die wirtschaftliche Unsinnigkeit ihrer Aktionen eingesehen. Daneben haben sie dann, weil ihre Pläne von den übrigen Kreistagsmitgliedern ihrer Fraktion als untauglich angesehen worden sind, schmollend eine eigene Kreistagsfraktion gebildet, gleichwohl der CDU die Treue gehalten (zum Austritt fehlte offensichtlich der Mut). In diesem Jahr soll in Soltau eine Bürgermeisterwahl stattfinden. Frau Thorey-Elbers kandidiert für das Bürgermeisteramt. Offensichtlich wird dann die Unterstützung der CDU gebraucht. Sodass sie genauso wie ihre Mitstreiter wieder in die Kreistagsfraktion der CDU eingetreten ist.
Das Krankenhaus hat zwischenzeitig die Geschäftsführer entlassen und einen „Sanierer“ eingestellt, der nun die Folgen der politischen Großtaten der drei aufrechten CDU Kreistagsmitglieder und ihrer Helfer beseitigen muss. Das vorherige Sanierungskonzept wurde auf Grund der aufschiebenden Wirkung durch Bürgerbegehren usw. um zirka zwei Jahre verzögert. Das Krankenhaus – offensichtlich nur noch gerettet durch zwei Millionen Euro vom Landkreis – ist in einer wirtschaftlich so schwierigen Lage, dass an Verkauf gedacht wird. Vorherige eigene Rücklagen in Millionenhöhe wurden wegen der Verzögerung der Sanierung für den Ausgleich der Defizite benötigt.
Der Graben zwischen dem Nord- und Südkreis wurde vergrößert. Lokalpatriotisch gesinnte Patienten aus dem Nordkreis suchen anstatt des Krankenhauses in Walsrode Krankenhäuser in den Nachbarkreisen auf. Patienten aus dem Südkreis meiden das Soltauer Krankenhaus und verhalten sich ansonsten ebenso. Ich hoffe, das ein/e Verkauf/Privatisierung des Krankenhauses in Soltau noch verhindert werden kann. Leidtragende wären Mitarbeiter, Patienten und die medizinische Versorgung im Heidekreis. Den Mitgliedern der ehemaligen Heideunion kann man nur mit Reich-Ranicki antworten: „Der Vorhang zu und alle Fragen offen.“
Willi Cohrs Soltau