Vermilion informiert über Bohrungen
Auf dem Vermilion-Bohrplatz Wisselshorst Z1 steht bereits die Erdgasaufbereitungsanlage, mit der dem Gas Kondensat entzogen werden soll, um das „getrocknete“ Gas dem Endverbraucher zur Verfügung stellen zu können. Ob wenige Kilometer weiter ein zweiter Bohrplatz entsteht und die Erkundungsbohrungen durchgeführt werden, muss die niedersächsische Bergbaubehörde entscheiden. Foto: bk
Bei Hasberg im Raum Walsrode steht ein energiepolitisch brisantes Projekt im Fokus: Das Unternehmen Vermilion Energy plant zwei neue Erkundungsbohrungen, nachdem die jüngste Ablenkungs-Bohrung auf Wisselshorst Z1A deutlich ergiebiger ausgefallen ist als erwartet. Was aus Unternehmenssicht eine vielversprechende Perspektive für die heimische Gasförderung darstellt, trifft vor Ort auf ein kritisches Publikum.
Deutschland befindet sich weiterhin in einem Spannungsfeld zwischen dem Erfordernis zur Sicherstellung einer stabilen Energieversorgung auf der einen und klima- und umweltpolitisch gesetzten Vorgaben auf der anderen Seite. Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und der Abhängigkeit von Energieimporten hat die Förderung heimischer Ressourcen eine herausragende Bedeutung.
Laut Unternehmensangaben deuten die Daten darauf hin, dass sich im Untergrund größere Erdgasvorkommen befinden könnten. Zwei weitere „Teilfeld-Erkundungsbohrungen“ sollen nun klären, ob sich diese Vorkommen auch in angrenzenden Bereichen bestätigen lassen und dann auch wirtschaftlich erschließbar sind.
Die geplanten Bohrungen Z2 und Z3 würden von einem neu zu errichtenden Bohrplatz nordwestlich von Hasberg durchgeführt werden. Der Bohrplatz würde nach Genehmigung durch die Bergbaubehörde im zweiten Halbjahr 2026 errichtet werden, die Bohranlage Anfang 2027 aufgebaut und noch im selben Jahr die Teilfelddurchsuchungsbohrungen aufgenommen werden. Für jede Bohrung plant Vermilion jeweils etwa drei bis vier Monate ein. Der rund 55 Meter hohe Bohrturm würde aus Wirtschaftlichkeitsgründen, so der Plan, auch unmittelbar beide Bohrungen nacheinander abarbeiten. Insgesamt rechnet das Unternehmen mit einer Bohrphase von rund sechs bis sieben Monaten. Sollte sich die Prognose bestätigen, könnte eine Förderung bis mindestens 2045 erfolgen – im Einklang mit aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Klimapolitik.
Doch bis es soweit ist, bedarf es noch einiger Verwaltungsverfahren, um die dafür erforderlichen Genehmigungen erteilt zu bekommen. Dazu gehören beispielsweise Umweltverträglichkeitsprüfungen und die Prüfung naturschutzrechtlicher Vorbehalte, die sich etwa aus einem von Anwohnern dargelegten – aber noch zu verifizierenden – Fledermausvorkommen ergeben könnten. „Solche Dinge werden strukturiert behördlich abgearbeitet“, so Unternehmenssprecher Björn Wechsel. Vermilion sei da nicht Herr des Verfahrens.
Während in anderen Teilen des Heidekreises – etwa rund um Wietzendorf oder Soltau – vergleichbare Projekte auf weniger Widerstand stoßen, zeigt sich die Bevölkerung im südlichen Bereich deutlich skeptischer. Bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung am vergangenen Mittwochabend sowie bereits im Vorfeld wurden kritische Stimmen laut. „Wir haben die Einwohner, wie wir es immer machen, selbstverständlich informiert“, so Wechsel. 120 Plätze waren im Dorfgemeinschaftshaus Bommelsen vorgehalten worden, „und die waren auch belegt“. Es sei eine gute Veranstaltung gewesen, „auch wenn es kritische Nachfragen gab“. Die Fledermaus-Thematik sei an diesem Abend im Übrigen nicht vorgetragen worden.
Die Sorgen sind vielschichtig: Anwohner befürchten Eingriffe in Natur und Landschaft, Lärmbelastungen sowie langfristige Auswirkungen auf Umwelt und Lebensqualität. Und ja: Auch die Mär, der Bohrturm stehe für immer am Bohrplatz, müssen Erdgasförderunternehmen wie Vermilion immer wieder abarbeiten. Doch auch die temporäre Errichtung eines Bohrturms wird von vielen als störend empfunden – unabhängig davon, dass dieser eben nur für die Dauer der Bohrarbeiten und während der eher seltenen Bohrlochertüchtigungsarbeiten vor Ort stehen wird.
Ein zentraler Kritikpunkt ist zudem das grundsätzliche energiepolitische Signal: Während Deutschland den Ausstieg aus fossilen Energieträgern vorantreibt, wirkt die Erschließung neuer Gasvorkommen für viele Bürger wie ein Schritt in die falsche Richtung.
Seitens Vermilion Energy zeigt man sich auf die kritischen Nachfragen vorbereitet. Unternehmensmanager Robert Merkelbach betonte beim Pressetermin, dass man bewusst frühzeitig in den Dialog mit der Bevölkerung trete. Man befinde sich noch in einer frühen Phase des Genehmigungsverfahrens, sodass Anregungen aus der Bürgerschaft grundsätzlich noch berücksichtigt werden könnten.
Zugleich verweist das Unternehmen auf technische und regulatorische Sicherheitsstandards. So seien Mindestabstände von 400 Metern zur nächstgelegenen Wohnbebauung vorgeschrieben, Lärmgrenzwerte müssten eingehalten werden, und die Anlagen arbeiteten in geschlossenen Systemen ohne Emissionen in die Umwelt. Auch die Überwachung erfolge rund um die Uhr über eine zentrale Leitstelle. „Im Falle eines unerwünschten Ereignisses riegelt sich das System von selbst ab, bis es anschließend geprüft und gegebenenfalls repariert wird.
Dennoch bleibt ein Restrisiko – vor allem für das Unternehmen selbst. Die Investitionen für die neuen Bohrungen bewegen sich „im mittleren zweistelligen bis zu dreistelligen Millionenbereich“, ohne Garantie auf wirtschaftlichen Erfolg. Bohrungen bis in 5000 Meter Tiefe sind hoch kostenintensiv. Da in der Region ein Salzstock liegt, sei das für die Geologen „wie ein Blick durch eine beschlagene Brille“, erläutert Merkelbach. Wissen habe man erst, wenn man das Bohrniveau wie bei der Bohrung Wisselshorst Z1 erreicht habe.
Der Konflikt rund um die geplanten Bohrungen bei Walsrode ist exemplarisch für eine größere gesellschaftliche Debatte: Wie lässt sich die mittelfristige Sicherung der Energieversorgung mit langfristigen Klimazielen und lokalen Umweltinteressen vereinbaren?
Für die einen steht fest, dass heimisches Erdgas eine wichtige Brückentechnologie darstellt und Deutschland als Industriestandort energiepolitisch ein höheres Maß an Versorgungssicherheit benötigt als das aktuell der Fall ist. Für die anderen ist jede neue fossile Infrastruktur ein Hindernis auf dem Weg zur Energiewende oder wenigstens ein unästhetisches Ärgernis vor der eigenen Haustür.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob es gelingt, diesen Konflikt zumindest vor Ort zu moderieren.