Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger
Engstelle im Ortszentrum: Bispingens Hauptstraße im Bereich des Edeka-Parkplatzes ist für alle Verkehrsteilnehmer unübersichtlich. Foto: ari
Jede Gemeinde hat diese eine unglücklich geregelte Stelle im lokalen Straßenverkehr, die regelmäßig für Ärger sorgt. In Bispingen ist es die Hauptstraße im Ortskern auf der Höhe des Edeka-Parkplatzes. Wer vom Parkplatz aus die Straße überqueren möchte, etwa um zur Apotheke, ins Restaurant oder in dieser Jahreszeit zum Erdbeer-Stand auf dem Bürgersteig der Hauptstraße zu gelangen, muss aufpassen und oft Geduld mitbringen. Die Straße trägt ihren Namen zu Recht, sie ist eine der wichtigsten und meistbefahrenen im Gemeindegebiet. Zum Einkaufs-, Liefer- und Anliegerverkehr gesellt sich der Durchgangsverkehr von der nahen Autobahn, darunter im Sommer häufig auch dröhnende Motorräder. Hier begegnen sich regelmäßig unterschiedliche Verkehrsteilnehmer, von Fußgängern und Fahrradfahrern bis zu Truckern am Lenkrad schwerer Lkw. Die Lage wird dabei schnell unübersichtlich. Fahrzeuge aus der Hützeler Straße fädeln sich in beide Fahrtrichtungen ein, Autos vom Supermarktparkplatz lauern ebenfalls auf eine Lücke, versetzt befinden sich zur einen Seite ein Zebrastreifen und zur anderen eine Tankstelle und der Gästeparkplatz einer Gastronomie.
Die Ortspolitik hadert seit Langem mit der Verkehrsführung an dieser Stelle. Man hat sich mehr oder weniger damit abgefunden, dass man selbst keinen planerischen Zugriff auf die Hauptstraße hat, denn sie ist Teil der Landesstraße 211. Und bei der zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im Geschäftsbereich Verden läuft die Gemeinde mit ihren Verbesserungsvorschlägen „seit 30 Jahren immer wieder gegen die Wand“, wie Bispingens Bürgermeister Dr. Jens Bülthuis es vergangene Woche im Gemeinderat formulierte. Den zahlreich anwesenden Bürgerinnen und Bürgern, die die öffentliche Sitzung im Haus Grunwald mitverfolgten, machte der Verwaltungschef wenig Mut auf schnelle Lösungen. Dicke Bretter sind zu bohren, aber einen neuen Anlauf will die Gemeinde immerhin versuchen. Bülthuis machte deutlich, dass die Probleme mit den Jahren nicht kleiner, sondern kontinuierlich größer werden. Weil sich der Straßenverkehr verändere. Die Zahl der Radler und E-Scooter-Fahrer steige, ebenso die Zahl in ihrer Mobilität eingeschränkter Seniorinnen und Senioren.
Straßenquerung für Fußgänger sicherer machen
Der neue Vorstoß fußt auf der Vorarbeit des mit Ratsleuten besetzten Arbeitskreises Ortskernentwicklung. Dieser hat eine Verkehrszählung in Auftrag gegeben, auf deren Grundlage das beauftragte Fachbüro ein Konzept zur Verbesserung der Verkehrssituation in der Ortsmitte entworfen hat. Dieses besteht aus mehreren Einbahnstraßen in Kombination mit einem Kreisverkehrsplatz. Konkret schlagen die Verkehrsplaner einen Einbahnstraßenverkehr in der Hauptstraße, Hützeler Straße bis Einmündung Bergstraße und Bergstraße mit einem Kreisverkehr am Kreuzungspunkt Bergstraße, Borsteler Straße, Bahnhofstraße und Hauptstraße vor. Dadurch soll die Querung der Hauptstraße für Fußgänger sicherer werden. Die zweispurige Straße böte als Einbahnstraße zudem Platz für sicheren Radverkehr, so der Bürgermeister.
Die neue Verkehrsführung würde jedoch gleichzeitig zu einer wesentlich höheren Verkehrsbelastung in der Bergstraße führen. Laut Prognose des Verkehrsplaners würden täglich rund 11.800 Fahrzeuge den Bereich passieren. Da die Bergstraße in dem Szenario Verkehrsströme der bisher in zwei Richtungen befahrbaren L 211 aufnähme, sei davon auszugehen, dass sie, ebenso wie ein Teilstück der Hützeler Straße, zur Landesstraße aufgestuft und ertüchtigt werden müsste.
Es wäre ein großer Wurf für Bispingen, und die Gemeinde hofft, dass das Projekt im Windschatten weiterer Veränderungen im Straßenverkehr – bedingt auch durch die anstehende Sanierung der Borsteler Straße (L 212) – Fahrt aufnehmen könnte. Um mit den zuständigen Trägern der Straßenbaulast, also dem Landkreis Heidekreis und der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, in konkrete Gesprächsverhandlungen zur Realisierung eintreten zu können, benötigt die Gemeinde indes erst einmal eine durch ein qualifiziertes Planungsbüro vorgelegte belastbare Entwurfsplanung. Die Fachplanung hat dabei Details wie gesetzlich vorgeschriebene Fahrbahnbreiten und Radien in Abbiegebereichen sowie den erforderlichen Flächenbedarf für einen Kreisverkehrsplatz zu berechnen und zu berücksichtigen. Der Rat möchte diesen Schritt nun gehen und hat die Verwaltung mit der Einholung entsprechender Angebote beauftragt. Gewünscht ist die Erstellung einer Entwurfsplanung für die Neuordnung der Verkehrsführung im Bereich Hauptstraße, Hützeler Straße und Bergstraße einschließlich eines Kreisverkehrsplatzes am Knotenpunkt Borsteler Straße, Bahnhofstraße, Hauptstraße und Bergstraße.