Tagesklinik Soltau: Längste Wartezeiten im Heidekreis

Zum 25-jährigen Bestehen der Fachabteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Heidekreis-Klinikums sprechen Chefarzt Dr. Florian Gal und Katharina Janz, Leiterin der Tagesklinik, auch über aktuelle Entwicklungen als Folge bundespolitischer Entscheidungen. Foto: sus

Seit 25 Jahren finden Menschen mit psychischen Erkrankungen im Heidekreis-Klinikum (HKK) Hilfe. Im Jubiläumsjahr zeigt sich jedoch ein scharfer Widerspruch: Während psychische Erkrankungen zunehmend gesellschaftlich entstigmatisiert werden, leidet das Versorgungssystem akut unter Budgetierungen, Honorarkürzungen und Personalmangel.

Wer an Depressionen, Angststörungen oder Psychosen erkrankt, trifft vielerorts auf lange Wartezeiten und ein Gesundheitsversorgungssystem, das unter Druck steht. Grund dafür sind insbesondere diverse politische Entscheidungen des Bundes – von der Ausbildungsreform bis zu Kürzungen bei der Vergütung in der ambulanten Versorgung, während die Nachfrage zunimmt. Auch am HKK sind die Patientenzahlen gestiegen. Diese Entwicklung werde sich fortsetzen, erwartet Dr. Florian Gal, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Die Folgen wirken auch auf die Fachabteilung im Kreis. Spürbar sind sie besonders in Soltau. Die dortige Tagesklinik ist das einzige psychiatrische Angebot im Nordkreis. Das schlägt sich in der längsten Wartezeit in der Abteilung nieder. Zwischen vier und sechs Monaten warten Betroffene hier auf ein Vorgespräch. „Das ist auch saisonal unterschiedlich“, berichtet Katharina Janz, die neue Leiterin der Tagesklinik. Aktuell sei die Wartezeit relativ lang, „weil wir Anfragen aus dem Winter abarbeiten, wo der Bedarf höher ist“.

Anders sieht es bei akuten psychischen Krisen aus: „Als Versorgungskrankenhaus sind wir für Notfälle aller Menschen mit psychischen Erkrankungen im Heidekreis zuständig“, erklärt Gal. „Das heißt, wenn jemand in einer akuten Krise ist, sind wir 24/7 da, sofort, ohne Wartezeit.“

Von den Honorarkürzungen seit April sei die Klinik selbst nicht betroffen. Die sehr hohe Nachfrage im stationären und teilstationären System lasse sich aber auch darauf zurückführen, dass die ambulante Versorgung schwächelt, so Gal. Seine Kollegin Janz bestätigt: „Wir haben in der Tagesklinik sehr viele Anfragen, die eigentlich ambulante Psychotherapie sind.“ Vielen Betroffenen laufe aber aufgrund der langen Wartelisten die Zeit weg, sodass sich ihre Zustände verschlechterten.

Ähnlich geht es den Psychologen in der Weiterbildung zum Psychotherapeuten. Hintergrund ist die Reform der Ausbildung: Nach dem alten System ausgebildete Kandidatinnen und Kandidaten können ihre praktische Ausbildung nur noch bis zum 31. August 2032 abschließen. „Da gab es eine große Schwemme an Bewerbungen für das erste Jahr“, berichtet Janz. „Jetzt sind die Letzten dabei, die das noch schaffen wollen. In ein oder zwei Jahren ist es dafür zu spät.“

2002 eröffnet Tagesklinik in Soltau

Nach dem Kreistagsbeschluss 1999 für eine eigene Versorgung für psychisch erkrankte Menschen im Heidekreis, nahm die psychiatrische Abteilung am 2. Juli 2001 in Walsrode ihren Betrieb auf. Im Jahr darauf eröffnete die erste Tagesklinik in Soltau. Erst 2012 kam die Tagesklinik in Walsrode dazu. Die Nachfrage war von Anfang an stark. Heute, genau 25 Jahre später, verfügt die Klinik über 61 stationäre Betten und 36 tagesklinische Plätze an beiden Standorten.