Für Unterstützer der lokalen Demokratie Wer wird Landrat?
Sebastian Zinke, Cornelia Reithmeier und Dr. Arne Wieben bewerben sich auf das Landratsamt. Anfang September können Abonnentinnen und Abonnenten der Böhme-Zeitung die Kandidaten in der Alten Reithalle in Soltau live erleben.
Es ist eine Wahl mit besonderem Gewicht: Am 13. September bestimmen die Bürgerinnen und Bürger des Heidekreises, wer Landrat Jens Grote nach seiner fünfjährigen Amtszeit folgt und diese Aufgabe übernimmt. Dank der geänderten Niedersächsischen Kommunalverfassung ist Grotes Nachfolger dann acht Jahre im Amt. Wer die Wahl im Herbst gewinnt, wird die Verantwortung für den Heidekreis so bis weit in die 2030er-Jahre hinein tragen.
Die Aufgaben, die auf den neuen Landrat oder die neue Landrätin warten, sind durchaus herausfordernd. Die Kreisschulden werden bis Ende 2026 voraussichtlich die Marke von 200 Millionen Euro überschreiten. Beim Heidekreis-Klinikum stehen grundlegende Entscheidungen an. In die Schulinfrastruktur müssen einige Millionen Euro investiert werden. Und der ländliche Raum stellt seine eigenen Anforderungen: medizinische Versorgung, Pflege, Daseinsvorsorge. Wer auch immer am 13. September – oder am 27. September in einer möglichen Stichwahl – das Rennen macht, er oder sie übernimmt eine große Aufgabe. Drei Kandidaten wollen das Amt:
▶ Sebastian Zinke (44, SPD): Der Volljurist aus Walsrode sitzt seit 2017 im Niedersächsischen Landtag, führt seit 2018 die SPD-Kreistagsfraktion und ist seit 2020 Co-Kreisvorsitzender seiner Partei. Er ist politisch tief vernetzt – bis hin zu seinem Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil. Was ihm fehlt: die Erfahrung als Chef einer großen Verwaltung. Zinke ist Politiker, kein Behördenleiter.
▶ Dr. Arne Wieben (53, CDU): Der promovierte Jurist leitet seit 2013 die Justizvollzugsanstalt Bremervörde. Wieben stammt aus Baden-Württemberg, wohnt im Nachbarlandkreis Rotenburg und ist erst Anfang 2025 in die CDU eingetreten. Im Heidekreis ist er kaum verwurzelt. Er selbst sieht darin einen Vorteil: „Wer zu lange Teil eines Systems ist, verliert womöglich den Blick für Lösungen und sieht Grenzen, wo es eigentlich Chancen gibt.“
▶ Cornelia Reithmeier (46, parteilos): Die Diplom-Verwaltungswirtin aus Dorfmark kennt die Kreisverwaltung von innen wie keine andere. Reithmeier arbeitet seit 2006 im Heidekreis, seit März 2023 als Kreisrätin – als Teil der dreiköpfigen Führungsspitze der Verwaltung. „Mir sind die Strukturen bekannt“, sagt sie. Ihr Profil passt auf dem Papier am genauesten auf das Anforderungsprofil des Amtes. Was ihr fehlt, ist die Infrastruktur einer Partei. Reithmeier kandidiert ohne Apparat – dafür mit vielen Unterstützern.
Warum exklusiv für Abonnenten?
Anfang September lädt die Böhme-Zeitung alle drei zur Podiumsdiskussion in die Alte Reithalle in Soltau. Die Veranstaltung ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten (und deren Begleitung). Diese Einschränkung ist neu und soll deshalb in der Folge kurz erklärt werden.
Eigentlich gehören politische Debatten in den öffentlichen Raum. Eine Demokratie lebt davon, dass möglichst viele Menschen Kandidatinnen und Kandidaten direkt erleben, hören, befragen können. So wie beispielsweise im Februar 2025, als der Andrang der BZ-Podiumsdiskussion zur Soltauer Bürgermeisterwahl so groß war, dass interessierte Wählerinnen und Wähler wegen Überfüllung der Alten Reithalle der Zutritt verweigert werden musste. Es gibt also durchaus gute Argumente, die gegen eine exklusive Veranstaltung sprechen.
Und dennoch: Die Böhme-Zeitung hat sich diesmal bewusst für dieses Format entschieden. Der wichtigste Grund ist der, dass lokaler Journalismus Ressourcen braucht. Und weil es Abonnentinnen und Abonnenten sind, die diesen Journalismus durch ihre Treue ermöglichen, soll diese exklusive Veranstaltung ihnen einen konkreten Mehrwert dafür liefern, dass sie uns als Zeitung und damit letztlich nichts Geringeres als die demokratische Meinungsbildung auf lokaler Ebene überhaupt erst möglich machen. So ist die Exklusivität ein Dankeschön für die Treue von Abonnentinnen und Abonnenten, und zugleich auch ein Denkanstoß an alle lokalpolitisch Interessierten, dass Demokratie auch auf kommunaler Ebene nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder neu entwickelt und begleitet werden muss.
Gleichzeitig gilt: Wer nicht dabei sein kann oder will, wird nicht abgekoppelt. Die Redaktion wird selbstverständlich ausführlich über die Diskussion berichten, in der Zeitung, online und in den weiteren Formaten der BZ. Die Veranstaltung ist exklusiv, die Berichterstattung darüber ist es nicht.
Die Plätze in der Alten Reithalle sind begrenzt. Alle Einzelheiten zum Anmeldeverfahren finden Sie unter www.boehme-zeitung.de/podium