Thema Eliteförderung

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Elite ist in Deutschland ein belasteter Begriff. Das Eliteversagen in der Endphase der Weimarer Republik, das die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erst möglich machte, wiegt schwer. Wer „Elitenförderung“ in Suchmaschinen eingibt, landet schnell bei der Satirepartei von Martin Sonneborn, die den Begriff gekapert hat und ihn nach Kräften veralbert.

In anderen Ländern ist das ganz anders, auch innerhalb der EU. Die englischen Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge sind legendär und pflegen ihren Ruf. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron präsentiert sich gerne als Politiker neuen Typs, aber selbstverständlich ist auch er, wie ein Großteil aller Spitzenpolitiker der Republik, Absolvent der Pariser Kaderschmiede École nationale d’administration (ENA). Macron hat in der Auseinandersetzung mit den antielitären Gelbwesten mal verkündet, die ENA schließen zu wollen, aber von diesem Vorhaben hat man nun auch schon länger nichts mehr gehört.

Exzellenzuniversitäten statt deutsches Harvard

Einen unverkrampfteren Umgang mit dem Elitebegriff hatte sich Gerhard Schröder während seiner Kanzlerschaft als Ziel gesetzt. Ein deutsches Harvard ist daraus nicht erwachsen, wohl aber die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen. Sie ging 2016 in der Exzellenzstrategie auf, einem Bund-Länder-Förderprogramm zur Stärkung der Spitzenforschung und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Universitäten, dem seit 2018 jährlich garantierte Mittel von 533 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Gefördert werden aktuell zehn ausgewählte Exzellenzuniversitäten, darunter die Uni Hamburg, und ein Universitätsverbund Berliner Hochschulen.

Aber reicht das, um im internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe mit milliardenschweren US-Universitäten mithalten zu können? Spitzenforscher zieht es oft in die Vereinigten Staaten, unter diesem Aderlass leidet letztlich auch die Wirtschaft. Gleichzeitig gilt das nordamerikanische Bildungssystem als viel weniger gerecht, schon aufgrund hoher Studiengebühren. Was ist im Zweifel wichtiger: Eliteförderung oder Breitenförderung? Welchem Bildungsideal fühlt sich Deutschland im Hochschulbereich verpflichtet?

BildungAndre Ricci