MTV Soltau plädiert für Böhmewald-Stadion

Mehr als nur ein schmaler Durchgang soll an die durch die Nazis in Soltau verfolgte Familie Lennhoff erinnern. Sie ist auch als Namensgebern für das Leichtathletik-Stadion in der Diskussion. Foto: at

Eines steht fest: Die Stadt Soltau will ihr Leichtathletikstadion umbenennen, den Namen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg soll es nach der derzeit laufenden Komplettsanierung nicht mehr tragen. Darüber sind sich die Fraktionen im Stadtrat einig.

Wie das Stadion künftig heißen wird, ist aber noch immer offen. Die offizielle Einweihung der sanierten Sportstätte soll voraussichtlich auch erst nach den Sommerferien stattfinden: „Wir haben nun fast 100 Jahre den Namen ertragen, dann können wir auch noch zwei Monate länger diskutieren“, sagt Volker Wrigge (CDU).

Seit November 2023 gibt es den Namensvorschlag

Auf den Ratsvorsitzenden geht einer der Namensvorschläge zurück, den er zum 85. Jahrestag der Reichspogromnacht im November vergangenen Jahres machte: Das Stadion, so Wrigge, sollte nach der von den Nazis verfolgten jüdischen Soltauer Familie Lennhoff benannt werden. Für ihn das passende Umfeld zum Gedenken.

Das sehen nicht alle so. Der MTV, der bei der Namensfindung mit beteiligt werden sollte und neben den Schulen Hauptnutzer ist, spricht sich mittlerweile gegen den Vorschlag aus. Zumindest der Vorstand in Rücksprache mit den einzelnen Sparten des Sportvereins.

„Wir sind damit nicht einverstanden“, so Vorsitzender Ralf Westermann. Für sei ist das Gedenken an jedem anderen Ort in Soltau sinnvoll, aber nicht im sportlichen Bereich. Da gebe es bessere Plätze. Der MTV möchte keinen personenbezogenen Namen für das Stadion. Da hätte man andere verdiente Persönlichkeiten vorschlagen können, wie etwa Jupp Meyer oder Wolfgang Buhr.

„Wir wollen einen neutralen Namen haben“, sagt Westermann. Der MTV schlägt daher Böhmewald-Stadion oder Böhme-Stadion vor, beides an die Umgebung des Sportgeländes angelehnt.

Wrigge votiert weiterhin für Lennhoff-Stadion, es gebe aber insgesamt viele „spannende Ideen“ zur Erinnerung. Möglicherweise könne man einen Ehrenamtspreis nach der jüdischen Familie benennen, in der Marktstraße am ehemaligen Wohnhaus mit einer Tafel oder einem Stolperstein an sie erinnern, oder eben mit dem Namen für das Stadion. Zudem gebe es Vorschläge des Arbeitskreises um Pastor Gottfried Berndt und der Historikerin Barbara Meier. Am Ende würden möglicherweise nicht alle zufrieden sein, auch er selbst vielleicht nicht.

Tatsächlich gehen die Meinungen der Fraktionen auseinander. Die Gruppe Bürgerunion/FDP spricht sich gegen die namentliche Benennung aus. Bei der SPD läuft aktuell noch die Entscheidungsfindung. Einig sind sich die Ratsparteien aber dazu, dass es keine Kampfabstimmung in einer der nächsten öffentlichen Ratssitzung geben solle. Man wolle sich vorher einigen, um das Andenken nicht zu beschädigen. Noch im Mai kommen dazu erneut Fraktions- und Verwaltungsspitzen zusammen.

Keine Kampfabstimmung

Wie groß soll das Mitspracherecht des MTV-Sportvereins an der Benennung des neusanierten Stadions am Stubbendorffweg sein – vor allem, nachdem der Vorstand für einen neutralen Namen plädiert? Geringer, findet zumindest Ratsvorsitzender Volker Wrigge (CDU).

Die Sportvereine zögen sowieso in den Ostpark um, hätten nach Sanierung und Erweiterung dort auch ihre Geschäftsstellen. Das sei bislang die Absprache gewesen. Dann bleibe das sanierte Stadion am Stubbendorffweg nur eins für die Leichtathleten und für den Schulsport, so Wrigge.

Er selbst ist Verfechter der Benennung nach der jüdischen Familie Lennhoff. Aber es gebe keine Eile bei der Entscheidungsfindung: „Mir geht es darum, dass das Gesamtpaket stimmt.“ Die Umbenennung des Stadions sei eine Chance zum Gedenken, gerade im 75. Jahr der Verabschiedung des Grundgesetzes. Es gebe zudem weitere Vorschläge für ein Erinnern, die in den nächsten Wochen diskutiert werden sollen.

Stadt hat die Hoheit

Die bislang als Hindenburgstadion bekannte Sportarena gehört der Stadt, der Stadtrat ist daher für die Namensgebung zuständig. Und zumindest die Gruppe Bürgerunion/FDP ist sich bereits einig, dass man ebenfalls einen neutralen Namen wie Wald- oder Böhmewaldstadion bevorzugt und lehnt die Bezeichnung Lennhoff-Stadion ab. Auch wenn Dr. Hans Willenbockel als Gruppensprecher sich den Namen Lennhoff vorstellen könne, in dem Fall werde er mit der Mehrheit stimmen. Wichtig sei das Erinnern am Haus in der Marktstraße, wo die Familie Lennhoff einst gewohnt hat.

Vor dem Haus erinnern seit Jahren Soltauer Bürgerinnen und Bürger im November an die Geschehnisse in der Reichspogromnacht und fordern eben so lange, eine Gedenktafel aufzustellen oder einen sogenannten Stolperstein zu verlegen. Der Vorschlag, auch das Stadion nach der Familie zu benennen, werde sehr unterschiedlich aufgenommen, so CDU-Fraktionschefin Heidi Schörken. Die Union sei für die Umbenennung in Lennhoff-Stadion. Dennoch werde man sich mit den anderen Fraktionen dazu austauschen. Eine Lösung werde es vor einem Beschluss in einer der nächsten Ratssitzungen geben, betonte sie.

Ähnlich sieht es Birhat Kaçar. Der SPD-Fraktionsvorsitzende spricht von dem Thema als „heißes Eisen“, um das man zurzeit diskutiere. Die SPD habe eine klare Haltung. Eine klare Meinung im Stadtrat erkenne er aktuell noch nicht.

Es gebe keine Begeisterungsmehrheit für die Umbenennung. Man versuche, eine Lösung zu finden, er persönlich sei deshalb in vielen Gesprächen. Auch Kaçar betont, dass es eine Kampfabstimmung über ein Lennhoff-Stadion nicht geben werde, da müsse vorher eine Entscheidung gefallen sein. Ihm sei zudem wichtig, dass die Bürger den neuen Namen für das bisherige Hindenburgstadion akzeptierten. at