Neue Notfallfahrzeuge lassen auf sich warten

Drei neue Krankentransportwagen kommen esrt in der zweiten Jahreshälfte: Der Landkreis hält die Versorgung im Heidekreis trotz Kritik aus dem Norden aber für gesichert. Foto: Adobe Stock

Trotz anhaltender Kritik aus dem Norden des Heidekreises hält die Kreisverwaltung an ihrer aktuellen Planung für den Rettungsdienst fest. Auf Nachfrage der Böhme-Zeitung betont der Landkreis, dass die Notfallversorgung im gesamten Kreisgebiet als gesichert angesehen werde. Ein zusätzlicher Rettungswagen (RTW) für den Nordkreis ist demnach nicht vorgesehen.

Nach Angaben des Landkreises wurden die genehmigten Vorhaltungen erfüllt. Statt weiterer RTW setzt der Heidekreis auf den Ausbau sogenannter Notfall-Krankentransportwagen (NKTW). Drei zusätzliche NKTW mit jeweils zwölfstündiger Einsatzzeit seien von den Kostenträgern genehmigt worden, befänden sich jedoch noch nicht in der Ausschreibung. Da die Kostenträger des Rettungsdienstes zustimmen müssten, dauere auch die Ausschreibung. Eine Inbetriebnahme sei frühestens in der zweiten Jahreshälfte geplant. Die Fahrzeuge sollen kreisweit eingesetzt werden, mit einem Schwerpunkt im Nordkreis.

Bereits umgesetzt worden sind laut Landkreis drei ausgeweitete RTW-Vorhaltungen sowie ein Nacht-KTW in Soltau, der seit November 2024 im Einsatz ist. Insgesamt handele es sich um eine Ausweitung um drei 24-Stunden-Rettungsmittel und ein zusätzliches Nachtfahrzeug.

Der Landkreis räumt zugleich ein, dass die gesetzlichen Hilfsfristen derzeit nicht vollständig eingehalten werden. Für die Notfallrettung gilt in Niedersachsen eine Eintreffzeit von 15 Minuten in 95 Prozent der Fälle. Der Heidekreis liege aktuell außerhalb dieser Vorgaben, habe die Werte jedoch durch verschiedene Maßnahmen deutlich verbessern können. Dazu zählten unter anderem eine smartphonebasierte Ersthelfer-App, Änderungen in der Notrufabfrage, eine bedarfsgerechtere Disposition sowie ein systematisches Einsatzmonitoring. Die volle Wirkung dieser Maßnahmen werde nach Einschätzung des Landkreises erst nach 12 bis 18 Monaten eintreten.

Eine getrennte Auswertung der Hilfsfristen für Nord- und Südkreis erfolgt nach Angaben der Verwaltung nicht. Auch spezifische Belastungsanalysen für einzelne Städte und Gemeinden wie Soltau, Schneverdingen oder Munster liegen demnach nicht vor. Der Rettungsdienst werde stets landkreisweit betrachtet, da durch Fahrzeugverschiebungen im Tagesverlauf eine flächendeckende Verfügbarkeit sichergestellt werden solle.

Mit Blick auf die Konzentration der stationären Notfallversorgung in Walsrode erwartet der Kreis längere Transportzeiten aus dem Norden, dafür kürzere Fahrten aus dem Süden. Konkrete Zahlen zu zusätzlichen Transportkilometern oder -zeiten lägen bislang nicht vor. Eine Verlängerung der Eintreffzeiten bei Notfällen im Nordkreis erwartet der Landkreis nach eigener Aussage jedoch nicht.

Verbände fordern Gebühr für Notaufnahme

Orthopäden und Unfallchirurgen fordern für die geplante Notfallreform eine verpflichtende Ersteinschätzung der Patienten per Telefon oder digitaler Plattform sowie eine Gebühr für unangekündigtes Erscheinen in der Notaufnahme. So sollen knappe Ressourcen für ernste Fälle freigehalten werden. Die Niederlande und Schweden zeigen laut Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), dass ähnliche Modelle erfolgreich sind und die Patientenzuflüsse in Notaufnahmen besser gelenkt werden können.