Falsche Polizisten sind häufigste Betrugsmasche
Erst der Anruf, dann kommt eine falsche Polizeibeamtin ins Haus. Einer 81-Jährigen ist das jetzt in Schneverdingen passiert. Die Täterin verließ das Haus mit einem Koffer. Zur Beute macht die Polizei keine Angaben.
In der vergangenen Woche hat eine Frau, die sich als Polizeibeamtin ausgab, eine Seniorin in Schneverdingen getäuscht und vermutlich Bargeld oder Wertgegenstände erbeutet. Welche Beute die Frau genau machte, will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen. Fest steht jedoch: Die falsche Polizistin verließ das Haus der 81-Jährigen mit einem Koffer.
Der Fall reiht sich ein in die Betrugsdelikte im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Soltau. Unter dem Sammelbegriff Call-Center-Betrug registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 392 Taten, 403 Fälle waren es 2024. Dazu zählen der sogenannte Enkeltricks, Gewinnversprechen, Schockanrufe und Abofallen.
Seit 2017 führt die PI Soltau im Rahmen der Kriminalitätsstatistik unter dem Stichwort Call-Center-Betrug eine eigene Auflistung, die 2022 mit 987 Gesamttaten einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Den bisherigen Höhepunkt zum Deliktsbereich mit falschen Beamten war 2020 mit 316 angezeigten Fällen.
In der aktuellen Statistik dominieren weiterhin die falschen Polizeibeamten: 2025 wurden 213 Fälle registriert. Stark rückläufig sind Taten per WhatsApp: Nur noch zwei Fälle sind aufgelistet. Auch die Zahl der Schockanrufe ging zurück: 2021 gab es dort die meisten Anzeigen mit 270 Fällen, 2025 waren es noch 58.
Trotz umfangreicher Beratungen durch die Polizei, fielen die Menschen auf allen Ebenen darauf herein, erklärt PI-Chef Jens Heuchert. Er geht zudem von einer hohen Zahl nicht angezeigter Vorfälle aus, weil viele sich aus Scham nicht bei der Polizei meldeten. Dabei seien die Fälle in Bezug auf falsche Polizisten besonders perfide. Schließlich sei die Polizei darauf angewiesen, „dass uns die Menschen vertrauen“, so Heuchert.
Im vergangenen Jahr hat die Polizei bei allen Taten einen Schaden von mehr als 203.000 Euro registriert. Darunter fallen Bargeld, aber auch Schmuck. Häufig sei das Vorgehen lukrativ, weil bei einzelnen Taten oft hohe Summen erbeutet würden. Heuchert geht bezüglich der Entwicklung der Straftaten davon aus, dass insbesondere im Online-Bereich die Fälle weiter zunehmen werden. Da gebe es ein geringes Entdeckungsrisiko, wenn Gelder einfach überwiesen würden: „Das Themenfeld werden wir in Zukunft behalten“, ist er sich sicher. Im aktuellen Fall der 81-jährigen Schneverdingerin wurde auch nach Zeugen gesucht, die die Tatverdächtige am Dienstag vor einer Woche gesehen haben könnten. Mittlerweile liegen Hinweise vor, die nach Angaben eines Polizeisprechers die Grundlage weiterer Ermittlungen. bilden. Details dazu werden derzeit nich veröffentlicht.