Zwischen Alarmierung und Panikmache
Landratskandidat Sebastian Zinke (SPD, links) im Gespräch mit Oberst Frank Wachter vom Landeskommando Niedersachsen zum Thema Zeitenwende.
von Cornelius Lehnart
Seit Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz 2022 die Zeitenwende ausgerufen hat, arbeitet die Bundeswehr am Operationsplan Deutschland (OPLAN), um Deutschland im Krisen- und Konfliktfall handlungsfähig zu machen. Dazu hat der Landtagsabgeordnete Sebastian Zinke (SPD) Oberst Frank Wachter vom Landeskommando Niedersachsen ins Hotel Schnehagen in Bad Fallingbostel eingeladen, um im Dialog mit den Bürgern zu erörtern, wie sich die Zeitenwende auf den Heidekreis konkret auswirkt.
Es sei ein ernstes, brennendes Thema in der Region, so läutete Zinke den Abend ein. „Wir müssen uns für Szenarien wappnen, mit denen wir früher nicht gerechnet haben.“ Was den Menschen im Heidekreis erwarten könnte, erläuterte Oberst Wachter, der seit September vergangenen Jahres die Leitung des Landeskommandos Niedersachsen, die höchste Kommandobehörde der Bundeswehr im Bundesland, übernahm. Wachter betonte die Bedeutung des OPLANs, der seit Anfang 2024 besteht und jährlich überarbeitet werde. Was genau der OPLAN beinhaltet, sei noch geheim, aber er bestehe aus vier Säulen: Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung, Zivilschutz, Versorgung der Bevölkerung und Unterstützung der Streitkräfte.
Für den Heidekreis bedeute der Ernstfall, dass er als Drehschreibe für die Truppen der Verbündeten Nato-Partner bereitstehen müsse. Laut Wachter hieße das, dass 800.000 Soldaten und 200.000 Fahrzeuge innerhalb von sechs Monaten durch den Landkreis in Richtung Nato-Ostflanke transportiert werden müssten. „Wenn es soweit kommt, dann muss die Drehscheibe der Belastung standhalten“, so der Oberst. Ein Bürger fragte Wachter hierzu, ob die Region durch den militärischen Stützpunkt in Munster einer größeren Bedrohungslage ausgesetzt sei. Der Leiter des Landeskommandos gab zu, dass der Raum Munster durch die schiere Anzahl der stationierten Truppen auffalle und es nicht unwahrscheinlich sei, dass er im Angriffsfall ein mögliches Ziel darstelle.
Joachim Rüter, Bürgermeister von Wietzendorf, wollte von Wachter wissen, wie, wann und in welchem Umfang die Bevölkerung in der Sache abgeholt werde. Der Oberst sprach von einem „schmalen Grat“, auf dem man wandere. Zum einen müsse alarmiert werden, zum anderen solle aber auch keine Panik verbreitet werden.
„Resilient“ und „krisenfest“ waren die Schlagworte, die Wachter immer wieder nannte. Wie genau das in jeder Kommune auszusehen habe, das müssten die Leute vor Ort entscheiden.