Ruhestand für den Vater des Lili-Marleen-Tags
Munsters Offizier für Standortangelegenheiten Michael Zappe (links) zusammen mit seinem Nachfolger Oberleutnant Stephan Korts am Lili-Marleen-Denkmal: Bindeglied zwischen Stadt und Bundeswehr.
Die Bundeswehr prägt Munster, fast die Hälfte des Stadtgebiets ist militärisches Sperrgebiet, verteilt auf zwei große Truppenübungsplätze. Das schränkt nicht nur die Bewegungsfreiheit und Möglichkeiten der Ausweisung von Windparks, Wohn- und Gewerbegebieten ein. Es sorgt auch für häufige Detonationen, was sich angesichts wachsender militärischer Bedrohungen und häufigerer Großübungen noch einmal intensiviert hat. Dass das Verhältnis zwischen Stadt und Bundeswehr, zwischen Bürgern mit und ohne Uniform, trotzdem alles in allem gut ist, ist nicht zuletzt das Verdienst von Hauptmann Michael Zappe.
23 Jahre lang war er als Offizier für Standortangelegenheiten das freundliche Gesicht der Truppe, Ansprechpartner für regelmäßige Aktionen wie den Lili-Marleen-Tag und das Volksradfahren. Zappe diente in seiner jovialen Art als Scharnier zwischen den Welten vor und hinter dem militärischen Stacheldrahtzaun. „Er prägte wie kaum ein anderer das Verhältnis zwischen Bundeswehr, Stadt und Bevölkerung“, würdigt Oberleutnant Stephan Korts das langjährige Wirken Zappes, das nun, in seinem 40. Dienstjahr für die Truppe, einen Abschluss findet. Zappe geht in Pension. Korts wird sein Nachfolger.
Das Anforderungsprofil eines Offiziers für Standortangelegenheiten reicht von der Koordination zwischen militärischen Dienststellen und kommunalen Partnern bis zur Betreuung von Gästen, Delegationen und Veranstaltungen. In einer Garnisonsstadt wie Munster mit dem größten Standort des Deutschen Heeres fällt der Rolle eine herausragende Bedeutung zu.
Verbunden bleibt der Name Zappe vor allem mit dem Lili-Marleen-Tag, den er 2012 als Ersatz für das abgeschaffte Sültinger Mühlenfest mit ins Leben rief und der inzwischen einen festen Platz im kulturellen Jahreskalender der Stadt einnimmt – 2025 wurde auf dem Marktplatz bereits die 11. Ausgabe des olivgrünen Stadtfestes gefeiert. Die Veranstaltung mit Buden, Musik und militärischen Darbietungen „in der Herzkammer des Heeres“, wie es bei der Bundeswehr heißt, wird mit Salutschüssen und Grußworten des Bürgermeisters und des Standortältesten eröffnet. Das hat Symbolkraft: Mit dem Fest möchte die Bundeswehr der Einwohnerschaft, der sie mit Gefechtslärm und schwerem Militärverkehr einiges zumutet, etwas zurückgeben und die zivil-militärische Verbundenheit stärken.
Zappes Nachfolger hat nun gleich zu Beginn eine besondere Bewährungsprobe zu bestehen, ein noch einmal anderes Kaliber als den eingespielten, nur regional bedeutsamen Lili-Marleen-Tag: Am 6. Juni wird in Munster der „Tag der Bundeswehr“ ausgerichtet. Dazu werden Zehntausende Besucher erwartet.