Mehr Unfälle mit jungen Menschen

Das Nadelöhr in Soltau-Ost ist immer wieder ein Unfallschwerpunkt. Dieser schlimme Unfall ereignete sich allerdings an diesem Mittwoch auf der Zu- beziehungsweise Abfahrt in Fahrtrichtung Hannover. Ein Pkw und ein abfahrender Lkw stoßen frontal zusammen. Der Pkw-Fahrer wird eingeklemmt und durch die Einsatzkräfte der Ortswehren Harber und Soltau befreit. Die Straße war für mehrere Stunden gesperrt.

Erst kürzlich sorgte ein tödlicher Unfall in Soltau für Entsetzen: Ein 41-jähriger Fußgänger querte am 26. März die Straße in Richtung Bahnhof und wurde von einem Transporter erfasst. Der Mann starb noch am Unfallort, der Fahrer flüchtete. Bis heute ist der Fahrer des vermutlich weißen Fahrzeugs nicht ermittelt. Auch ein möglicher Zeuge, der sich kurzzeitig am Unfallort aufgehalten haben soll, konnte bislang nicht ausfindig gemacht werden.

Verkehrsunfallfluchten stehen auch im Heidekreis im Fokus der Polizei. Laut aktueller Statistik wurden im vergangenen Jahr 1123 Fälle registriert (2024: 1162), aufgeklärt wurden knapp 43 Prozent. „Wir sind dabei auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen“, sagt Dennis Schrader, Leiter Einsatz. Ohne Hinweise seien die Chancen, Verantwortliche zu ermitteln, gering. Häufig handelt es sich um kleinere Parkplatzrempler, doch immer wieder sind auch Menschen betroffen. 54 solcher Fälle zählte die Polizei im vergangenen Jahr (2024: 56). Die Aufklärungsquote liegt hier mit knapp 54 Prozent deutlich höher.

Gemeinsam mit Polizeihauptkommissar Christoph Vorwerk, Sachbearbeiter Verkehr, appelliert Schrader an Unfallverursacher, grundsätzlich die Polizei zu verständigen. „Ein Zettel an der Windschutzscheibe reicht nicht aus“, betont Vorwerk. Besonders bei Unfällen mit Kindern sei eine sofortige Meldung unerlässlich, auch wenn diese zunächst unverletzt erscheinen.

Besonders im Blick hat die Statistik die Beteiligung von Kindern bis 14 Jahren an Verkehrsunfällen. Die Zahl ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen: von 83 im Jahr 2023 auf 110 im Jahr 2024. Neun Kinder wurden schwer verletzt (2023: 5), 76 leicht (2023: 66). Am häufigsten waren sie als Mitfahrer im Pkw betroffen (49 Fälle), gefolgt von Fahrradfahrern (17), als Fußgänger (7) und E-Scooter-Fahrer (8). Die Entwicklung zeige, dass insbesondere junge Verkehrsteilnehmer weiterhin eines besonderen Schutzes und verstärkter Präventionsmaßnahmen bedürften.

Ähnlich ist die Entwicklung bei der Risikogruppe der 18- bis 24-Jährigen. Auch da gab es einen Anstieg: von 875 Unfällen im Jahr 2023 auf 989 im vergangenen Jahr. Ein junger Mensch kam ums Leben, 19 wurden schwer und 176 leicht verletzt. Die meisten Unfälle ereigneten sich mit Pkw (148), gefolgt von Motorrädern oder Mopeds (23), E-Scootern (10) und Fahrrädern (8).

Bei den Senioren ist hingegen ein leichter Rückgang zu beobachten: Die Zahl der Unfälle sank von 1086 auf 1079. Drei Menschen über 65 Jahre starben, 29 wurden schwer und 115 leicht verletzt. Auch sie waren überwiegend in Pkw unterwegs, aber auch als Radfahrer und Fußgänger betroffen.

Leicht gestiegen ist die Zahl der Unfälle mit Fußgängern (von 67 auf 69). Ein Mensch starb, neun wurden schwer und 43 leicht verletzt. Bei Motorradfahrern gab es ebenfalls einen leichten Anstieg von 62 auf 64 Unfälle. Zwei Fahrer kamen ums Leben, 36 wurden schwer und 13 leicht verletzt.

Entgegen dem Landestrend ist die Zahl der Fahrradunfälle im Heidekreis gesunken (von 187 auf 174). 15 Menschen wurden schwer, 134 leicht verletzt. Landesweit allerdings starben deutlich mehr Radfahrer, etwa die Hälfte davon auf E-Bikes. Polizeidirektor Jens Heuchert appelliert daher eindringlich, grundsätzlich einen Helm zu tragen.

Das empfahl er auch den E-Scooter-Fahrern, die mit ähnlich hohen Geschwindigkeiten, aber mit kleinen Reifen unterwegs seien. Für diese plant der Gesetzgeber Anpassungen: Künftig sollen neue Modelle mit Blinkern und besseren Bremsen ausgestattet sein. Bestehende Fahrzeuge behalten jedoch ihren Bestandsschutz.

Zudem sollen E-Scooter verstärkt auf Radwegen zugelassen werden. „Wir schauen auch da in diesem Jahr ganz genau hin“, so Heuchert. Dabei gehe es nicht nur um Alkohol oder Drogen auf dem Fahrzeug, sondern auch um Mehrfachbesetzung und Handynutzung.

Insgesamt registrierte die Polizei 97 Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Während die Zahl der Alkoholunfälle leicht sank (von 81 auf 74), stieg sie bei Drogen deutlich an (von 6 auf 21). „Hier setzen wir verstärkt auf Prävention und Kontrollen“, sagt Vorwerk. Im vergangenen Jahr wurden die Polizisten gezielt geschult, um Beeinträchtigungen besser zu erkennen.

Ein weiteres Problem sei mangelndes Wissen über Wirkung und Dauer von Drogen. „Da schauen wir jetzt genauer hin“, so Heuchert. Inzwischen ist in jedem Streifenwagen mindestens eine speziell geschulte Kraft im Einsatz.

Überhöhte und unangepasste Geschwindigkeit bleibt eine der Hauptunfallursachen im Fokus der polizeilichen Überwachung. Sechs der zwölf tödlichen Unfälle im vergangenen Jahr gehen darauf zurück. „Geschwindigkeitsbegrenzungen können das Risiko deutlich senken“, betont Schrader. So könne der Fahrer besser reagieren und der Bremsweg verkürze sich.

Wildunfälle auf hohem Niveau

Von den 5698 Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr entfiel rund ein Drittel auf Wildunfälle (1673). Die Zahl bleibt seit Jahren auf hohem Niveau. Wirksame Maßnahmen zum besseren Schutz der Autofahrer seien bislang nicht in Sicht, so die Polizei. Stark zugenommen haben Unfälle mit Bäumen: 129-mal prallten Fahrzeuge dagegen (2023: 112). Fünf Menschen starben, 18 wurden schwer und 55 leicht verletzt. In der Statistik extra ausgewiesen sind auch die Unfälle auf den Autobahnen, die um vier Prozent zurückgegangen sind auf 1172. Dabei starben fünf Menschen, 28 wurden schwer- und 322 leicht verletzt.

Anja TrappeKommentieren