Wassermühle sucht dringend neue Zukunft

Ein Treffpunkt gesellschaftlichen Lebens in Munster sucht einen neuen Besitzer: Die Stadt hat das Interessenbekungungsverfahren für das ehemalige Café Zur Wassermühle verlängert und in das Angebot das daneben stehende Galeriegebäude mit einbezogen. Foto: akü

Das Café Zur Wassermühle ist ein Kleinod mitten in der Stadt. Es war für viele Munsteraner Treffpunkt und Begegnungsort mit besonderer Identität. Die letzte Pächterin Lydia Poisel hat das Lokal nach 36 Jahren geschlossen. Auch zuvor beherbergte das um 1920 erbaute Gebäude ortsprägende Gastronomie. Doch nun ist es still um diesen ehemaligen Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens geworden. Die Stadt Munster hatte auf Anregung aus dem Rat bereits im September 2025 ein Interessenbekundungsverfahren für die Übernahme des Hauses an der Lüneburger Straße 7 gestartet. Nun wurde das Verfahren verlängert und dabei die Lüneburger Straße 9 (Galerie an der Örtze mit Grünfläche) einbezogen – ein deutliches Indiz für die Herausforderungen. Nur zwei Gebote waren zunächst eingegangen. Die Interessenbekundung ist schriftlich bis zum 28. Mai in einem verschlossenen Umschlag mit der Kennzeichnung „Interessenbekundung Wassermühle“ einzureichen bei der Stadt Munster – Fachbereich Stadtentwicklung, Stephan Fähndrich.

Zwischen Nostalgie und wirtschaftlicher Realität klafft eine Lücke. Stadtplaner Fähndrich benennt die Probleme konkret: „Es ist ein ortsbildprägendes Haus, das viele Emotionen weckt. Gleichzeitig bringt es bauliche Herausforderungen mit sich, etwa Feuchtigkeit im Fundament und fehlende Barrierefreiheit.“ Eine grundlegende Sanierung unterblieb bisher – entsprechende Maßnahmen wären kostspielig.

Das 860 Quadratmeter große Gebäude des ehemaligen Cafés umfasst vier Wohnungen und eine 278 Quadratmeter große Restaurantfläche auf einem 934 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Altdorf und Mühlenteich. Das eingeschossige Gebäude Lüneburger Straße 9 mit einer Nutzfläche von circa 136 Quadratmetern (davon Gewerbefläche im Erdgeschoss 70,79 Quadratmeter, Wohnung im ausgebauten Dachgeschoss 65,46 Quadratmeter) wurde ungefähr im Jahr 1925 erbaut. Es ist nicht unterkellert. Das hinter dem Galeriegebäude gelegene eingeschossige Werkstattgebäude hat im Erdgeschoss eine Nutzfläche von 38,14 und im Dachgeschoss von 22,34 Quadratmeter. Es ist ebenfalls nicht unterkellert. Galerie- und Werkstattgebäude wurden beide über einem circa 5 bis 6 Meter breiten Überlaufgraben des nördlich gelegenen Mühlenteiches erbaut.

Der Mindestkaufpreis für den gesamten Kaufgegenstand soll 600.000 Euro betragen. Angebote, die diesen Betrag unterschreiten, sind entsprechend zu begründen.

Verlängerung als Zeichen für schwierige Marktsituation Die Gründe für die Verlängerung des Verfahrens sind vielschichtig: Die Gastronomiebran­che kämpft bundesweit mit Personalman­gel und steigenden Kosten. „Für einen Gastronomiebetrieb brauchst du ein Team, du brauchst Köche, um den Auftrag zu erhalten. Das war am Schluss nicht mehr gegeben“, analysiert Bürgermeister Ulf-Marcus Grube den Grund für Poisels Rückzug.

Trotz der Herausforderungen sieht die Stadt Potenzial. „Wir haben eine 1A-Lage inmitten der Stadt, eingebettet zwischen Parks und fußläufig erreichbar“, betont Stadtplaner Fähndrich. Ein Neubau ist grundsätzlich möglich, muss sich jedoch ins historische Umfeld einfügen.

Bevorzugt wird weiterhin eine gastronomische Nutzung, doch auch alternative Konzepte sind denkbar. Interessenten müssen ein tragfähiges Nutzungskonzept, bei Gewerbe einen Wirtschaftsplan und ein verbindliches Kaufpreisangebot vorlegen. Das gewählte Konzept wird Teil des Kaufvertrags und grundbuchlich gesichert.

Die Verlängerung des Verfahrens zeigt städtischen Pragmatismus. „Wir wollen schließlich auch eine Lösung, die für die Stadt Munster eine gute ist. Und dann lieber noch mal eine Extratour, als dass es nachher wie ein Schnellschuss aussieht“, rechtfertigt Grube das Vorgehen. Der Stadtrat wird letztlich entscheiden – mehr Bewerber bedeuten mehr Optionen.