Zwei Städte, zwei Antworten auf die Heizfrage
Ein flächendeckendes Wärmenetz lässt sich in Schneverdingen nicht wirtschaftlich realisieren. Dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen bieten sich eher an. Foto: Adobe Stock
Zwei Städte, eine gemeinsame Aufgabe – und zwei sehr unterschiedliche Antworten: Wie gelingt die klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040? Während Munster auf ein enges Zusammenspiel aus Nahwärmenetzen und Geothermie setzt, kommt Schneverdingen in seiner kommunalen Wärmeplanung zu einem deutlich anderen Ergebnis: Ein flächendeckendes Wärmenetz gilt dort als wirtschaftlich nicht realisierbar. Am Mittwochabend wurden beide Abschlussberichte öffentlich vorgestellt.
Munster setzt auf eine Mischung aus dezentralen Lösungen wie Wärmepumpen und dem gezielten Ausbau von Nahwärmenetzen. Ein Schwerpunkt liegt auf Tiefengeothermie. Zudem befindet sich bereits ein mittelwarmes Nahwärmenetz mit Großwärmepumpe in Umsetzung, die erste Gebäude versorgen soll. Ergänzend wurde ein energetisches Quartierskonzept erarbeitet, um Stadtteile differenziert zu entwickeln.
Wärmedichte ist zentrales Kriterium
Ganz anders stellt sich die Lage in Schneverdingen dar. Hier zeigt der Wärmeplan vor allem eines: Ein großflächiges Wärmenetz rechne sich unter den örtlichen Bedingungen nicht. Ein zentrales Kriterium ist dabei die Wärmedichte. Darunter verstehen Fachleute, wie viel Heizenergie in einem Gebiet pro Fläche benötigt wird. Je höher die Wärmedichte, desto eher lohne sich ein Wärmenetz.
Genau dieser Zusammenhang sei in Schneverdingen entscheidend, erklärt Dominique Diederich von Enercity. Die mögliche Leitungsinfrastruktur wäre lang, die Zahl der potenziellen Anschlüsse vergleichsweise gering. Damit sinke die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines großflächigen Netzes deutlich. Dezentrale Lösungen bedeuten in der Folge, dass sich Hauseigentümer eigenverantwortlich um eine klimaneutrale Wärmeversorgung kümmern müssen. Die Stadt begleitet sie dabei beratend.
Während bei der Informationsveranstaltung im Saal der Stadtbücherei in Munster von vornherein Fragen interessierter Bürgerinnen und Bürger zugelassen waren, beschloss der Umweltausschuss im Forum der KGS dafür eine Ausnahme. Die Reaktionen auf den Wärmeplan fielen in Schneverdingen sehr gegenteilig aus: vom Hausbesitzer, der sich mit der Wärmewende allein gelassen fühlt, bis zum Energieberater, der von Hauseigentümern mehr Eigenverantwortung erwartet.
Strategisches Instrument
Die kommunale Wärmeplanung ist durch das Bundes-Wärmeplanungsgesetz (WPG) und das Niedersächsische Klimagesetz (NKlimaG) geregelt. Ziel ist eine weitgehend klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 auf Bundesebene und bis 2040 in Niedersachsen. Für Kommunen ist die Wärmeplanung verpflichtend. Die Fristen richten sich nach der Einwohnerzahl und der Förderung. Die Wärmeplanung selbst ist ein strategisches Instrument. Sie legt nicht fest, dass bestimmte Heizsysteme gebaut werden müssen, sondern zeigt auf, welche Gebiete sich künftig eher für zentrale Wärmenetze eignen und wo dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen sinnvoller sind.