„Die Chance für das Spielmuseum“

Museumsexperten unter sich: Rund drei Jahrzehnte haben Professor Dr. Rolf Wiese und seine Frau Giesela Wiese am Freilichtmuseum Kiekeberg gewirkt, nun wollen sie das Spielmuseum mit Dr. Antje und Mathias Ernst unterstützen. Foto: at

Das Spielmuseum Soltau hat mit Professor Dr. Rolf Wiese und Giesela Wiese zwei neue Partner an seiner Seite, die sich seit Jahren in der deutschen Museums- und Kulturarbeit engagieren. Wiese leitete über fast drei Jahrzehnte das Freilichtmuseum am Kiekeberg und gilt als einer der prägenden Museumsmanager Norddeutschlands. Unter seiner Führung entwickelte sich der Kiekeberg zu einem der meistbeachteten Freilichtmuseen Deutschlands mit starkem Fokus auf kulturelle Bildung. Seine Frau begleitete das Museum über die Jahre als Controllerin in betriebswirtschaftlichen Fragen. Nach außen prägte sie jedoch vor allem mit ihrer Spielzeugsammlung die Ausstellungen.

In der kommenden Woche soll der Stadtrat über einen Antrag entscheiden, ob sich das Spielmuseum räumlich neu aufstellen kann und mehr Platz bekommt. Dafür sollen die Nebengebäude des schmucken Ebelmeyerhauses, die Häuser Poststraße 3 und 5, durch die Stadt Soltau gekauft werden. Museumschefs Dr. Antje und Mathias Ernst versprechen sich davon nicht nur mehr Fläche für völlig neue Themenfelder, vor allem für Mitmachangebote und weitere Nutzungen, sondern auch deutlich mehr Zugkraft: „Wir sehen darin die Chance für das Spielmuseum“, sagt Antje Ernst. Dabei schauen sie auch auf die Innenstadt, die vom Anziehungspunkt Spielmuseum profitieren könnte. Die Erweiterung sei ein Anlass mehr, nach Soltau zu kommen und auch länger zu bleiben.

Die Fachausschüsse für Finanzen und Kultur hatten sich kürzlich mehrheitlich positiv zum Kauf des benachbarten Bankgebäudes geäußert, wobei CDU und AfD mit Blick auf den defizitären Haushalt der Stadt dagegen votierten. Die CDU bemängelte zudem, dass es für die Zeit ab 2030 noch keine konkreten Aussichten gebe, wie die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Stiftung weitergeführt werden soll. Der aktuelle Vertrag aus dem Jahr 2024 mit einem jährlichen Zuschuss von 200.000 Euro läuft dann aus.

Für die Stifterfamilie Ernst birgt die Erweiterung jedoch die notwendige Sicherheit, das Museum in die Zukunft zu führen. „Wenn wir stehenbleiben, verschwinden wir. Das ist jetzt ein gemeinsamer Aufbruch“, so die Museumsleiterin auch mit Blick auf die Zusammenarbeit mit den Eheleuten Wiese. Mit deren Unterstützung könne man sich noch einmal stärker selbst reflektieren und hinterfragen sowie die Stiftung stärken. Für das Spielzeugmuseum gebe es zudem viel von den ehemaligen Kiekeberg-Akteuren zu lernen. Interessant für jüngere Generationen dürfte auch die Sammlung von Giesela Wiese sein, die Spielwelten von der Nachkriegszeit bis heute umfasst. Mit einem Teil davon sollen in Soltau Kindheitserinnerungen geweckt werden.