Akku-Züge brauchen eine neue Stromtrasse
Die Hochspannungsleitung der Avacon verläuft bereits durch das Gebiet der Gemeinde Neuenkirchen. Parallel dazu plant die Bahn derzeit eine zweite, ähnlich leistungsstarke 110-kV-Leitung, die die Ortschaften Tewel, Schwalingen, Ilhorn und Gilmerdingen betreffen würde.
Damit künftig batterieelektrische Züge statt Dieseltriebwagen auf dem Heidekreuz fahren können, plant die Deutsche Bahn umfangreiche Umbauten am Bahnhof Soltau. Im Auftrag der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) laufen derzeit die Planungen für eine sogenannte Oberleitungsinsel sowie die Modernisierung der Stellwerkstechnik. Während das neue Stellwerk nach aktuellem Stand bereits Ende 2028 in Betrieb gehen soll, wird die Fertigstellung der gesamten Infrastrukturmaßnahmen derzeit für Anfang der 2030er-Jahre angestrebt.
Die Bahnstrecken Bremen – Soltau – Uelzen (RB 37) und Hannover – Soltau – Buchholz – Hamburg-Harburg (RB 38) sind bislang nicht elektrifiziert. Ähnlich ist es für die geplante Reaktivierung der Strecke zwischen Soltau und Lüneburg (RB 39). Batterieelektrische Züge, die einmal Verbindungen bedienen sollen, können mit Oberleitung fahren und dabei ihre Akkus laden. Zusätzlich lassen sich die Batterien an sogenannten Ladeinseln aufladen, sodass die Züge auch längere Abschnitte ohne Oberleitung zurücklegen können.
Um dies zu ermöglichen, plant die Deutsche Bahn eine Oberleitungsinsel in Soltau. Nach Angaben der LNVG sollen nicht nur alle Haupt- und Nebengleise im Bahnhof elektrifiziert werden. Oberleitungen sind auch auf den Streckenabschnitten bis zur Höhe Billungstraße/Pestalozzistraße sowie bis Soltau-Mittelstendorf vorgesehen. Die Anlage soll künftig als Ladepunkt für die Akkuzüge dienen.
Um die Oberleitungsinseln mit entsprechender Energie zu versorgen, muss eine neue 110-kV-Bahnstromleitung gebaut werden. Ein Vorhaben, das zumindest bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses in Neuenkirchen für Unmut sorgte. Die neue Leitung soll parallel entlang der Stromtrasse des Unternehmens Avacon von Rotenburg über das Gemeindegebiet Neuenkirchens nach Soltau bis zum Bahnhof sowie zum Bahnhof Nord geführt werden.
In der Sitzung in Neuenkirchen hieß es bereits aus der CDU-Fraktion: „Das werden wir so nicht hinnehmen. Wir sind so schon durch Windkraft und Freiflächen-Photovoltaik übermäßig belastet – und nun noch das“, erklärte Helmut Gebers. Betroffen von der Neubaumaßnahme wären die Ortschaften Tewel, Schwalingen, Ilhorn und Gilmerdingen. Nach Angaben des Neuenkirchener Bürgermeisters Carlos Brunkhorst setzt die Bahn für die Genehmigung auf eine planfestgestellte Planung aus dem Jahr 2000. Das bestätigte ein Bahnsprecher auf Nachfrage. Die Leitung soll 2029 in Betrieb gehen.