„Wir werden mit dem Rasenmäher klein gemacht“

Dr. Benjamin Rebhan, Anja Eaton und Dr. Ralf Klask haben Sorge um die Zukunft der ambulanten Versorgung, falls die Bundesregierung die Einsparungen im ambulanten Bereich so umsetzt wie geplant. Foto: at

Die geplanten Einsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung werden nach Einschätzung niedergelassener Ärzte direkte Folgen für die Patientenversorgung auch im Heidekreis haben. Weniger Termine, längere Wartezeiten und weniger Spielraum in den Praxen seien zu erwarten. „Wir werden mit dem Rasenmäher klein gemacht“, sagt Dr. Ralf Klask vom Diabeteszentrum Lüneburger Heide und Sprecher der Ärzteschaft im Norden des Heidekreises.

Die Bundesregierung will mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz die steigenden Krankenkassenbeiträge bremsen. Insgesamt soll das Paket im Jahr 2027 rund 16 Milliarden Euro einsparen. Ein Teil davon soll aus der ambulanten Versorgung kommen, rund 2,7 Milliarden Euro sollen dort eingespart werden. Genau das kritisiert Klask: „97 Prozent der Versorgung werden ambulant erbracht, aber wir machen nur 15 Prozent der Gesamtkosten aus.“ Die aus Sicht der Ärzte harten Einsparungen sorgten für zunehmenden Druck auf Praxen und Patientenversorgung.

Klask, aber auch Dr. Benjamin Rebhan, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, sowie Psychotherapeutin Anja Eaton vertreten unterschiedliche Bereiche, die Sorge ist jedoch dieselbe: Die Praxen könnten die vorgesehenen Belastungen wirtschaftlich nicht mehr auffangen. Und am Ende habe das unmittelbare Auswirkungen auf die Patientenversorgung.

„Wir wollen die Bevölkerung mitnehmen und informieren, was auf sie zukommt“, sagt Klask. Es gehe nicht darum, Reformen grundsätzlich abzulehnen. Die ambulante Versorgung müsse sich verändern. Aus Sicht der Ärzte werde aber zunächst Geld aus dem System genommen, bevor neue Strukturen geschaffen würden.

Die Folgen könnten nach Einschätzung der Mediziner unmittelbar in den Praxen spürbar werden. „Die Wirtschaftlichkeit ist nicht mehr gegeben“, sagt Rebhan. In der Folge müsse Personal eingespart werden, was wiederum Leistungen begrenze. Besonders gefährdet seien kleinere Einzelpraxen, vor allem auf dem Land. „Der klassische Ein-Mann-Betrieb wird das nicht überleben“, lautet seine Einschätzung. Dabei seien viele Praxen bereits heute an ihrer Belastungsgrenze. „Das ist kein Jammern auf hohem Niveau“, macht Eaton deutlich. Auch die psychotherapeutische Versorgung arbeite am Limit, Wartezeiten von vielen Monaten seien Realität. Mit einer Deckelung der Finanzierung würden die Probleme noch deutlich anwachsen, fürchtet sie.

Praxen müssten Gehälter, Mieten, Geräte und laufende Kosten finanzieren. Gleichzeitig könnten Ärzte ihre Einnahmen nicht einfach durch mehr Patienten erhöhen. Die geplanten Einsparungen seien eine „tickende Zeitbombe“ für das Gesundheitssystem, so Klask.