Baukosten niedriger als 2025 erwartet
Seit der Eröffnung des Kulturhauses organisiert der Kulturverein seine Veranstaltungen unter neuen Bedingungen: mehr Möglichkeiten, aber auch mehr wirtschaftlicher Druck. Foto: sus
Ein Jahr nach der Eröffnung des Kulturhauses Alte Schlachterei hat der Kulturverein Schneverdingen eine aktuelle finanzielle Bilanz des Neubaus gezogen. Die fällt differenziert aus: Das neue Haus eröffnet dem Verein neue Möglichkeiten und verbessert die Wirtschaftlichkeit vieler Veranstaltungen. Gleichzeitig lasten Kredite, laufende Betriebskosten und eine angespannte Liquidität auf dem größten Kulturträger der Stadt. Die Folge: Der Verein steuert seine Veranstaltungen heute deutlich wirtschaftlicher. Ob es im kommenden Jahr die 8. Schneverdinger Kulturnacht geben wird, ist deshalb zum jetzigen Zeitpunkt offen.
„Das ist hier alles eine Nummer größer als früher“ – bei der Mitgliederversammlung Anfang Juli machte Vorsitzender Dr. Carsten Bargmann deutlich, dass sich mit dem Kulturhaus nicht nur die räumlichen Möglichkeiten, sondern auch die Verantwortung grundlegend verändert hätten. „Wir müssen sehen, dass wir erst einmal über das Jahr kommen“, sagte er. Dabei sollen auch die seit Januar erhöhten Mitgliedsbeiträge, die bei 60 Euro im Jahr beginnen, helfen. Über allem stehen zwei Kredite, betont Geschäftsführerin Dorothee Schröder. Zunächst konnte der Verein bei den Baukosten eine positive Nachricht vermelden. Christian Wildtraut, zweiter stellvertretender Vorsitzender, erläuterte, dass inzwischen nahezu alle Schlussrechnungen für das Kulturhaus vorlägen.
Nachdem der Verein Anfang 2025 noch mit höheren Restkosten und einer Summe von rund 3,2 Millionen Euro gerechnet hatte, blieben die tatsächlichen Ausgaben leicht unter den damaligen Erwartungen. Netto (mit Abzug der Mehrwertsteuer) lie gen die Gesamtkosten demnach nun bei rund 2,8 Millionen Euro. Brutto sind es rund 3,4 Millionen, die der Verein erst auslegen musste. Größere Abweichungen bei einzelnen Gewerken seien vor allem auf nachträgliche Verschiebungen zwischen verschiedenen Bauleistungen zurückzu führen.
Trotz des hohen Förderanteils von mehr als 80 Prozent durch Zuschüsse der Stadt und diverser Spenden musste der Kulturverein für die Restfinanzierung zwei Darlehen aufnehmen. Bargmann zufolge handelt es sich um ein Festdarlehen über 400.000 Euro sowie ein variables Darlehen über 94.000 Euro, das kurzfristig getilgt werden soll. Beide Kredite verursachen derzeit monatliche Belastungen von rund 2 500 Euro. Er sieht den Verein zwar in der Lage, diese Raten mit dem aktuellen Betreiberkonzept zu tragen. Es müsse dann aber auch so weitergehen.
Verjüngung und Förderkreis im Visier
Der erneut im Amt bestätigte Vorstand des Kulturvereins plant, innerhalb der nächsten zwei Jahre den Generationenwechsel vorzubereiten. Nach mehr als zwölf Jahren an der Spitze müsse eine neue Führung des Vereins aufgebaut werden. Zugleich soll die Geschäftsstelle personell verstärkt werden. Mit den derzeitigen anderthalb Stellen lasse sich der Betrieb eines Kulturhauses auf Dauer nicht bewältigen. Sie müsse aber auch finanziell abgesichert sein. Als weiteren Schwerpunkt kündigte der Vorsitzende Carsten Bargmann deshalb den Aufbau eines Förderkreises an, der sich gezielt um Sponsoring und Fundraising kümmern soll. „Das muss eine ganz wichtige Kernaufgabe sein, damit wir auf sicheren Füßen stehen.“