„Dafür hätten wir gar keine Kapazität“
Auch ohne Öffnung der truppenärztlichen Versorgung für Zivilisten profitieren beide Seiten vom Sanitätsunterstützungszentrum in Munster, sind Oberstarzt Dr. Myriam Harf und Bürgermeister Ulf-Marcus Grube überzeugt. Foto: ari
Wie wäre es, den Kreis der Nutznießer des Sanitätsunterstützungszentrums in der Örtzetal-Kaserne zu erweitern, wenigstens um die zivilen Angehörigen der Soldaten? Vielleicht sind die Allgemein- und Fachmediziner am Standort ja künftig nicht komplett ausgelastet und es ergeben sich freie Kapazitäten? „Alles hilft“, erklärte Munsters Bürgermeister im vergangenen Jahr zur offiziellen Eröffnung des dreistöckigen Backsteinbaus mit rund 3500 Quadratmetern Nutzfläche. Die Garnisonsstadt litt schon damals unter dem Wegbrechen der ärztlichen Versorgung, eine Haut- und eine Frauenarztpraxis hatten ihre Tätigkeit eingestellt. Durch den unerwarteten Tod von Dr. Armin Richert im vergangenen Monat spitzt sich die Situation gerade weiter zu. Der Mediziner betrieb in der Lüneburger Straße eine Hausarztpraxis.
Doch die vage Hoffnung auf eine teilweise Öffnung der truppenärztlichen Strukturen für zivile Patienten am Standort Munster hat sich inzwischen zerschlagen. Ungeachtet aller bürokratischen und juristischen Aspekte, die einem solchen Schritt entgegenstehen könnten (BZ vom 7. Mai), scheitere die Idee bereits am Nichtvorhandensein einer Grundvoraussetzung, erläutert Oberstarzt Dr. Myriam Harf: Die vom Bürgermeister angesprochenen möglichen Puffer in der Auslastung bestünden nicht. „Dafür hätten wir gar keine Kapazität“, stellt die Leiterin des Sanitätsstützpunktes klar. Mit dem Aufwuchs bei der Truppe, auch durch Wehrdienstleistende, die am Standort Munster ausgebildet werden, stiegen auch die personellen Anforderungen an die truppenärztliche Versorgung.
„Fast alle Kollegen üben Nebentätigkeiten aus“
Gleichzeitig tritt die Ärztin dem Eindruck entgegen, die Stadt und ihre Bürger würden vom großen Sanitätsunterstützungszentrum in ihrer Nachbarschaft gar nicht profitieren. Truppenärzten sei es gestattet, sich außerhalb ihrer Dienstzeit „etwas dazuzuverdienen“ – und sehr viele täten das auch. „Fast alle Kollegen üben eine Nebentätigkeit aus“, sagt Harf. Sie übernähmen etwa Bereitschaftsdienste niedergelassener Vertragsärzte, arbeiteten im Rettungsdienst oder in der Notaufnahme. Natürlich inkognito und daher nicht als Bundeswehrärzte erkennbar. Nehme man zusätzlich in den Blick, dass Truppenärzte auch dienstlich zivile Aufgaben übernähmen – etwa Röntgen-Reihenuntersuchungen von Geflüchteten aus Tuberkulose-Gebieten oder die Ausbildung von Polizeibeamten zu medizinischen Nothelfern, die bei Gefahrenlagen dort tätig werden, wo der Rettungsdienst aus Sicherheitsgründen noch nicht anrücken darf –, werde deutlich, dass auch die Zivilbevölkerung profitiere. „Ein Benefit für die zivile Seite gibt es auf jeden Fall“, so das Fazit der Truppenärztin.