Fahrverbot für den Mähroboter bei Nacht
Der perfekte Rasen hat eine Schattenseite: Während viele Menschen schlafen, fahren in manchen Gärten Mähroboter über das Gras – genau dann, wenn Igel, Kröten, Blindschleichen und andere Kleintiere auf Nahrungssuche sind. Was für Menschen bequem ist, kann für Wildtiere tödlich enden. In Munster soll deshalb der nächtliche Betrieb solcher Geräte eingeschränkt werden. So sieht es jedenfalls ein Antrag von Uta von Loh (Die Grünen) und Tasja Wendt (SPD) an den Stadtrat vor.
Bisher galt der Mähroboter vielen als leiser Helfer, der unauffällig arbeitet, wenn niemand den Rasen nutzt. Gerade diese Normalität steht nun infrage. Denn nachtaktive Tiere fliehen nicht immer vor den Geräten. Igel rollen sich bei Gefahr zusammen – ein Verhalten, das sie vor natürlichen Feinden schützt, sie aber den rotierenden Messern ausliefert. Folgen können schwere Schnittverletzungen, Verstümmelungen oder der Tod sein.
Die Ratsfrauen von Loh und Wendt wollen deshalb den Stadtrat zum Handeln bewegen. Ihr überfraktioneller Antrag sieht vor, dass die Verwaltung die rechtlichen Voraussetzungen für eine kommunale Satzung oder ordnungsbehördliche Verordnung prüft. Ziel ist ein Verbot des Mähroboterbetriebs von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang – auf öffentlichen wie privaten Grundstücken.
Für Gartenbesitzer würde das eine klare Einschränkung bedeuten: Die Geräte könnten nicht mehr rund um die Uhr laufen. Der Antrag betont jedoch, dass die Rasenpflege tagsüber weiterhin möglich bleibe. Aus Sicht der Initiatorinnen wiegt der Nutzen für den Artenschutz deutlich schwerer als der Verlust an Bequemlichkeit.
Dass die Debatte gerade nicht nur in Munster an Schärfe gewinnt, liegt auch an der wachsenden Verbreitung der Geräte. Umweltverbände, Wildtierhilfen und Igelauffangstationen berichten seit Jahren über verletzte Tiere. Eine vom Nabu veröffentlichte Untersuchung der Universität Aalborg aus dem Jahr 2022 stellte fest, dass 18 getestete marktübliche Mähroboter einen Igel auf dem Rasen nicht zuverlässig als zu umfahrendes Hindernis erkannten. Auch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung sieht die Ursache von Schnittverletzungen bei Igeln häufig in Mährobotern.
Besonders dramatisch kann es säugende Igelmütter treffen. Sie verlassen bereits in der Dämmerung ihre Nester. Werden sie verletzt oder getötet, bleiben Jungtiere unversorgt zurück. Zugleich steht der Westeuropäische Igel inzwischen auf der internationalen Roten Liste gefährdeter Arten. Lebensraumverlust, Straßenverkehr und technische Gefahren setzen den Beständen zu.
Munster würde mit einer Regelung nicht allein dastehen. Die Stadt Schneverdingen dient den Antragstellerinnen ausdrücklich als Vorbild. An ihr solle sich Munster orientieren, möglichst zügig über den Verwaltungsausschuss und anschließend im Rat. Die Verwaltung soll nun klären, welche rechtssichere Form einer Regelung möglich ist.