St. Johannis kommt Breidings Garten beim Bund zuvor
Ein Großteil der Villa in Breidings Garten ist bereits denkmalgerecht saniert. Nun soll 2027 der Südflügel folgen. Foto: at
Pech hatte die Stiftung Breidings Garten in diesem Jahr bei der Finanzierung der geplanten Sanierung des Südflügels der Villa: Während Stadt, Landkreis und Deutsche Stiftung Denkmalschutz Geld für die Sanierung zugesagt haben, blieben zwei wichtige Förderungen aus.
So wurden nicht nur die Mittel aus dem EU-Förderprogramm Leader versagt. Auch die erhofften Denkmalschutzgelder des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sogenannte BKM-Mittel, flossen in diesem Jahr nicht.
Sanierung wird verzögert
Damit verzögert sich die weitere Sanierung des Gebäudes, wie Stiftungsvorstand Horst Geißler erklärt. Für die Sanierung des Südflügels sind gut 500.000 Euro erforderlich. Allein 250.000 Euro sollten aus BKM-Mitteln kommen. Doch in diesem Fall kam ihr ein anderes Soltauer Denkmalprojekt zuvor: die St. Johannis-Kirche. 520.000 Euro erhält die Kirchengemeinde für die Restaurierung des Innenraums und der Gemälde sowie für die energetische Sanierung des Kirchenbauwerks vom Bund. Das entspricht 50 Prozent der Gesamtkosten. Zurzeit läuft das Einwerben weiterer Mittel zur Gegenfinanzierung.
Provisorische Stützmaßnahmen
„Da war für uns nichts mehr übrig“, sagt Geißler leicht zerknirscht. Man habe eigentlich geglaubt, gute Aussichten zu haben. Der Südflügel von Breidings Garten ist das letzte große Sanierungsprojekt der Anlage. Der Fachwerkbau weist insbesondere an der Kellerdecke erhebliche Schäden auf: Stahlträger sind angerostet, die Holzkonstruktion ist durchfeuchtet und von Schimmel befallen. Um die Statik zu sichern, wurden bereits provisorische Stützmaßnahmen vorgenommen. Auch Dach, Holzbalken und Fenster befinden sich in schlechtem Zustand.
Zugesichert waren für die Sanierung Gelder aus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (70.000 Euro) sowie von der Sparkassenstiftung (40.000 Euro) und jeweils 20.000 Euro von Stadt und Landkreis. Zudem wollte die Stiftung Eigenmittel und Spenden für das Projekt einbringen. Letztlich sei Mathias Ernst, der sich auch in Breidings Garten engagiert, mit seinem Antrag für St. Johannis beim Bund erfolgreich gewesen. Das sei enttäuschend, aber verständlich, räumt Geißler ein.
Lokale Aktionsgruppe sagt Nein
Weniger Verständnis bringt er für die Ablehnung der finanziellen Unterstützung durch die Leader-Region Hohe Heide auf. Dort war die Stiftung bereits von ihrem Antrag auf 96.000 Euro abgerückt und hatte noch 50.000 Euro beantragt. Doch das entscheidende Gremium, die Lokale Aktionsgruppe, lehnte das mehrheitlich ab: „Es ist nicht die Aufgabe der Leader-Region, noch zusätzliches Geld in Breidings Garten zu stecken“, hieß es damals (BZ vom 20. Mai: „Ja zum Pfad, Nein zum Garten“).
Geißler will im kommenden Jahr für das Sanierungsprojekt einen neuen Anlauf nehmen und Bundesmittel beantragen. Für die fehlenden Mitteln der Leader-Region müssen nun weitere Spenden oder ander Fördermittel eingeworben werden.
Großer Teil der Villa ist bereits saniert
Rund 1,6 Millionen Euro sind bislang nach Angaben der Stiftung in den Erhalt der Villa geflossen. Im Mai 2022 wurde der größte bereits sanierte Teil der Villa der Öffentlichkeit übergeben. Das Gebäude werde inzwischen nicht nur erhalten, sondern auch genutzt, berichtet Geißler.
In der Villa finden regelmäßig Trauungen statt, außerdem werden Führungen durch Haus und Park angeboten. Räume können für Veranstaltungen und Seminare gemietet werden. „Ziel der Stiftung ist es, durch Nutzung und Vermietung die laufenden Kosten zu decken“, sagt Geißler. Zugleich könne das historische Mobiliar nicht beliebig für Besucher zugänglich gemacht werden.
Die Entschlammung der Teiche in Breidings Garten ist die nächste große Aufgabe für die Verantwortlichen. Foto: at
Teichanlage ist nächstes großes Projekt
Derweil stellt auch die Parkanlage selbst die Verantwortlichen vor neue Aufgaben. Für die Pflege und den Erhalt der Teichanlagen werden weitere Fördermittel benötigt. Erste Zusagen liegen nach Angaben Geißlers bereits vor. Wer durch den Park geht, erkennt den Handlungsbedarf schnell: Auf den Teichen vor der Villa treiben dichte braune Pflanzenteppiche, Seerosen sind kaum noch zu sehen.
Noch deutlicher zeige sich das Problem am sogenannten Tennisplatzteich, erklärt Geißler. Das Gewässer ist inzwischen so stark zugewachsen, dass es an manchen Stellen kaum noch als Teich zu erkennen ist.
Bevor dort allerdings die Bagger anrücken können, muss ein Landschaftspflegeplan erstellt werden. Dazu fand vor wenigen Tagen eine Abstimmung mit den Denkmalschutzverantwortlichen des Heidekreises statt, berichtet Geißler. Erst wenn der Landschaftspflegeplan vorliegt, können die konkreten Maßnahmen zur Entschlammung der Gewässer geplant und umgesetzt werden.
Sommerkino und ein kleines Fest
In den nächsten Tagen und Wochen wird Breidings Garten aber zunächst zum Ort für Veranstaltungen. Erstmals findet das Sommerkino von Freitag bis Sonntag in der Parkanlage statt. Anfang September gibt es beim „Kleinen Fest“ die nächste Gelegenheit für einen Spaziergang durch den Garten. Die Veranstaltung ist als Alternative zum großen Lichterfest im Böhmepark geplant. Während dort bereits in der kommenden Woche die Bagger für den Umbau anrücken, soll in Breidings Garten gefeiert werden.