Heidschnucke ist „gefährdetes Nutztier des Jahres 2026"
Wiebke Schmidt-Kochan (v.l.) mit einer weißen Hornlosen, Moritz Kochan mit einer Grau Gehörnten und Steffen Schmidt mit einer Weiß Gehörnten Heidschnucke. Foto: bk
Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) hat Heidschnucken und Hütehunde zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2026 ernannt. „Die Aktion ist ein wichtiges Instrument, um auf die Bedeutung von sogenannten tiergenetischen Ressourcen aufmerksam zu machen. Alte Haustierrassen wie die Heidschnucken sind sowohl ein bedeutendes nationales Erbe und Kulturgut als auch ein wichtiger Baustein für die Tierzucht der Zukunft“, erklärt Dr. Heike Brenken vom Vorstand der GEH.
Auch altdeutsche Hütehunde als gefährdete Nutztierrasse gekürt
In diesem Jahr seien nicht nur die regionalen Grauen Gehörnten Heidschnucken Rasse des Jahres, sondern die Heidschnucken insgesamt, so Brenken weiter. Das betreffe damit auch die Weiße Gehörnte Heidschnucke und die Weiße Hornlose Heidschnucke. „Dazu kommen dann noch die Hütehunde, insbesondere die Altdeutschen Hütehunde, die viele unserer Schäfer hier in der Lüneburger Heide bis heute aktiv für die Arbeit nutzen.“
Die größten Bedrohungen für die Heidschnucken seien vor allem Viehseuchen, der Wolf, ein sichtbarer Rückgang bei den aktiven Züchtern, ein starker Rückgang bei den Ausbildungszahlen und bei bei den Dorfschlachtern beziehungsweise den handwerklichen Fleischverarbeitern sowie der komplette Zusammenbruch der Wollindustrie in Deutschland, berichtet Brenken. Schäfer seien von politischen Entscheidungen extrem abhängig, „insbesondere mit Blick auf die kommende Agrarreform der EU und damit verbundenen potentiellen Kürzungen für Landwirtschaft und Naturschutz und dem hohen Aufwand für Dokumentationen“.
Höpenschäferei züchtet alle drei Arten der Heidschnucke
Doch noch gibt es die verschiedenen Heidschnuckenarten. Steffen Schmidt von der Höpenschäferei züchtet mit seiner Familie alle drei Arten. „Wir haben beschlossen, uns an der Zucht zu beteiligen“, sagt Steffen Schmidt. Von der Weiß Gehörnten habe seine Schäferei um die 60 Exemplare und eine etwa gleiche Anzahl an Weißen Hornlosen. „Die werden auch Moorschnucken genannt.“ Die seien alle aus der klassischen Grau Gehörnten hervorgegangen. „Aus irgendwelchen Gründen hat man vor 120 Jahren damit begonnen, die anderen beiden Sorten gezielt herauszuzüchten. „Vielleicht hatte man es auf die weiße Wolle abgesehen – das ist naheliegend, leider ist dazu nichts dokumentiert.“ In den 1970er-Jahren sei die Moorschnucke schon fast ausgestorben gewesen.
Die GEH wurde 1981 gegründet, um dem Verschwinden alter Nutztierrassen etwas entgegensetzen zu können. Mittlerweile zählt der bundesweite Verein über 2100 Mitglieder. Neben praktischen Landwirten und Tierzüchtern kommen die Mitglieder aus den Bereichen der Agrarwirtschaft, Biologie, Veterinärmedizin, Administration und angrenzenden Bereichen. Auch Personen, die dieses Thema als wichtig erachten, schließen sich der GEH an. Der Verein kürt jährlich eine oder mehrere Nutztierrassen als gefährdete Rasse des Jahres, um auf das Zuchtproblem aufmerksam zu machen.
Nicht vom Aussterben bedroht, aber Beobachtungspopulation
Die Heidschnucke ist zwar nicht akut vom Aussterben bedroht, wird aber als Beobachtungspopulation geführt und steht damit auf der nationalen Roten Liste gefährdeter Nutztierrassen Deutschlands. Die Einordnung als Beobachtungspopulation bedeutet, dass potenziell genetische Engpässe und Zuchtlinienschwankungen auftreten können, wenn weniger Zuchtbetriebe oder Züchter aktiv sind.
Zahlen zeigen den Bestandstrend deutlich: 2019 waren 236 Böcke und etwa 4225 Mutterschafe der Grauen Gehörnten Heidschnucke als Zuchttiere registriert, 2023 waren es 112 Böcke und 4210 Mutterschafe.
Die Heidschnucke gilt als robust und passt sich an die kargen Bedingungen der Heide gut an. Neben dem aktuellen Bestandsmonitoring spielen auch demografische Daten wie Ablammraten von etwa 100 bis 120 Prozent eine Rolle, um Zucht- und Erhaltungsstrategien zu planen.