Steuerzahler im Heidekreis müssen länger warten
Die Bearbeitungszeiten im Finanzamt Soltau liegen über dem bundesweiten Durchschnitt. Grund dafür sind unter anderem wohl auch Personalengpässe.
Wenn ein Steuerpflichtiger beim Finanzamt Soltau seine Einkommensteuererklärung einreicht, musste er im vergangenen Jahr im Schnitt etwas länger warten als der bundesweite Durchschnitt, bis er eine mögliche Erstattung erhielt. Das hat eine Auswertung des Internetportals Lohnsteuer-kompakt.de ergeben, für die mehr als eine Million anonymisierte Steuererklärungen ausgewertet wurden.
Während Berlin 2025 bundesweit die schnellsten Finanzämter stellt, zeigt der Blick auf einzelne Behörden teils erhebliche Unterschiede. Mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von 56 Tagen für Einkommensteuerbescheide liegt das Finanzamt Soltau über dem bundesweiten Durchschnitt mit 50,2 Tagen.
Langsam in Berlin, schnell in Bayern
Das langsamste Finanzamt, Berlin International, benötigte 2025 über 90 Tage. Das schnellste war das Finanzamt Zwiesel mit Außenstelle Viechtach (Bayern), das Bescheide im Schnitt bereits nach 28,4 Tagen verschickte – also in etwa halb so viel Zeit wie in Soltau.
Soltaus Finanzamtschef Peter Kröger verweist darauf, dass der kommerzielle Anbieter Lohnsteuer-kompakt.de auf seinen Nutzer- und Mandantenstamm zurückgreift. Nach der hausinternen Berechnung, so Kröger, sei man etwas schneller: „Bei uns sind es 53 Tage für die durchschnittliche Bearbeitung.“ Insgesamt müssen pro Jahr im Heidekreis rund 30.000 Arbeitnehmerfälle bearbeitet werden.
Kröger räumt ein, dass diese Bearbeitungsdauer nicht optimal sei, zumal gerade Arbeitnehmer häufig mit einer Rückzahlung rechnen. Er verweist auf personelle Herausforderungen, insbesondere auf eine starke Fluktuation in diesem Bereich.
Viele Mitarbeiter gingen in den Ruhestand, andere müssten zunächst aufwendig eingearbeitet werden. Gleichzeitig betont Kröger, dass diese Probleme kein Soltauer Sonderfall seien, sondern auch andere Finanzämter beträfen.
Perspektivisch könne man jedoch durch technische Verbesserungen und Automatisierung den Anschluss an den Durchschnitt schaffen, so Kröger. Schon jetzt würden 27 Prozent aller Steuererklärungen im Arbeitnehmerbereich vollautomatisch bearbeitet, also abgeschlossen, ohne dass ein Mitarbeiter eingreifen muss. Diese Quote steige kontinuierlich.
Elster-Portal von Vorteil
Daher appelliert der Finanzamtsleiter an die Steuerpflichtigen, möglichst das Online-Portal Elster zu nutzen, das bereits am Ende der Eingabe die Daten auf Plausibilität prüft. „Bei Papieranträgen müssen wir jede Angabe einzeln prüfen. Das verlängert die Bearbeitungszeit“, so Kröger.
Rund drei Viertel aller Erklärungen gingen bereits elektronisch ein. Zu berücksichtigen sei außerdem, dass die Steuererklärungen zeitlich stark gebündelt im Finanzamt eingingen, aber nicht alle gleichzeitig bearbeitet werden könnten. Mutwillig werde nichts „links liegengelassen“.
Bearbeitungszeiten in Niedersachsen
Innerhalb Niedersachsens zeigt sich ein ähnliches Bild wie im Bund: Die Bearbeitungszeiten variieren. Einige Finanzämter liegen deutlich unter 40 Tagen, andere – darunter Soltau – bewegen sich im mittleren bis langsameren Bereich.
Der Landesdurchschnitt liegt knapp unter dem Bundesmittel und deutet auf strukturelle Unterschiede bei Personal, Fallaufkommen und Digitalisierung hin. Im Landesschnitt beträgt die Bearbeitungszeit 49,4 Tage. Das schnellste Finanzamt ist Hannover-Mitte (36,8 Tage), das langsamste Hannover-Süd (64,2 Tage). (Quelle: Lohnsteuer-kompakt.de)