Wolf kommt ins Jagdrecht, Jäger bezweifeln aber, dass die Regulierung kommt
Das Schneverdinger Rudel 2024. Foto: Landesjägerschagft Niedersachsen
Kaum hat das neue Jahr begonnen, ploppt das Thema Wolf wieder unangenehm auf. In Schneeheide fand Schafhalter Johannes Schwarz auf der Weide neben seinem Wohnhaus am Montagmorgen 9 seiner 16 Schafe nur noch tot vor. Kadaver und Blut im frischen Schnee zeigten einmal mehr die Präsenz des Raubtiers im Heidekreis. Acht Schafe lagen auf der Weide, eines lag etwa 200 Meter weiter entfernt – abgenagt bis auf den Pansen.
Die hohe Populationsdichte des Wolfs – bestätigt durch die Europäische Union – war für die Bundesregierung der Grund, den Caniden ins Jagdrecht aufzunehmen. „Das war mehr als notwendig und überfällig“, kommentiert Kreisjägermeister Thomas Brammer die neue Entwicklung.
Länder müssen Jagdrecht ins Management überführen
Mit der neuen Rechtslage, die der Bundestag aber noch verabschieden muss, sollen Herdenschutzmaßnahmen gestärkt und die rechtssichere Tötung von Wölfen ermöglicht werden, so die Bundesregierung zu ihrem Gesetzentwurf. Auf Grundlage der Änderung des Bundesjagdgesetzes sollen die Länder für Regionen mit hoher Wolfsdichte und günstigem Erhaltungszustand ein Bestandsmanagement einführen können. Wo die Raubtiere auch Herdenschutzmaßnahmen überwinden, sollen sie rechtssicher entnommen werden können.
Der Heidekreis gehört zu den Regionen mit der dichtesten Präsenz von Wolfsrudeln. „Die Reviere sind hier überschaubar, 2000 bis 5000 Hektar genügen einem Rudel hier“, kennt Brammer die Situation im Heidekreis. Wenig Bevölkerung und guter Wildbesatz gelten als ideale Voraussetzung für die Ansiedlung von Rudeln. Zwölf bestätigte Territorien im Heidekreis beziehungsweise grenzüberschreitend weist das offizielle Wolfsmonitoring aus. Da bleiben Übergriffe wie in Schneeheide nicht aus. Dass allein im vergangenen Dezember drei Wölfe im Heidekreis tot aufgefunden oder totgefahren wurden, ist ein weiterer Beleg für die hohe Dichte an Rudeln.
Jagdoffizielle: „Minister Meyer wird weiter auf der Bremse stehen“
Dass der zuständige Umweltminister der Grünen hier aber größere Aktivitäten entfaltet, um eine Regulierung des Bestands einzuführen, glauben der Kreisjägermeister und der Soltauer Jagdvorsitzende Klaus Schlange nicht. „Christian Meyer wird bei dem Thema weiter auf der Bremse stehen“, befürchtet Brammer. Bisher sei im Land noch keine Entnahme rechtssicher erfolgt. Entsprechende Anordnungen würden aus Hannover durchgestochen, und schon seien Wolfsschützer in den entsprechenden Revieren unterwegs und Klageverfahren anhängig.
Im Grunde müsste nach Umsetzung des neuen Jagdrechts mit dem Monitoring gearbeitet und Abschusspläne erstellt werden. „Die bisherigen dreijährigen Pläne sind eigentlich zu lang, denn sie berücksichtigen aktuelle Entwicklungen nicht“, befürwortet Schlange eher Jahrespläne.
Nach dem offiziellen Wolfsmonitoring des Landes gibt es im Heidekreis oder grenzüberschreitend die Territorien Soltau, Schneverdingen, Munster, Wietzendorf, Ostenholzer Moor, Visselhövede, Fintel, Hanstedt, Garlstorf, Bergen, Rodewald und Stemmen. Für diese Territorien hat die Landesjägerschaft 41 Exemplare im Monitoring des dritten Quartals 2025 bestätigt. Der Bericht für das vierte Quartal steht noch aus. „Das sind nur die offiziellen Zahlen“, verweist Kreisjägermeister Thomas Brammer auf die harten Kriterien für die offizielle Bestätigung einer Sichtung. „Wir wissen von kleinen Rudeln, die in den Zahlen nicht auftauchen und das Rudel in Helmsen bei Fulde hat derzeit acht Welpen.“ Viele Jäger gäben Sichtungen auch nicht mehr bekannt.