Der Anschlag von Berlin und die Sicherheit im Heidekreis
Umspannwerke wie das in Schneverdingen gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen nach besonderen Standards abgesichert sein. Foto: bk
In den vergangenen Tagen hatte ein gezielter Brandanschlag im Südwesten Berlins zu einem tagelang andauernden Stromausfall geführt, der zeitweise rund 45.000 Haushalte lahmlegte. Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner ordnete die Tat als Terrorakt ein.
Da mit Munster und Bad Fallingbostel sensible Bundeswehrstandorte im Heidekreis vorhanden sind und der Rüstungsindustriestandort Faßberg nicht weit entfernt ist, stellt sich die Frage, wie der Heidekreis auf derartige Angriffe vorbereitet ist – und insbesondere darauf reagieren kann, wenn der Blackout erst einmal eingetreten ist.
„In Munster sind wir seit den regelmäßigen Drohnenüberflügen über den Standort sensibilisiert“, zeigt sich Jan Niemann, Geschäftsführer der Stadtwerke Munster-Bispingen, wenig überrascht. Die Bundeswehr habe das Thema Netzsicherheit mit der EWE-Netz erörtert. Die Stadtwerke seien primär für den zivilen Bereich zuständig. „Wir haben natürlich Zäune und Überwachungssysteme überprüft und bleiben da auch dran“, so Niemann. Klar sei aber auch, dass es die finale Sicherheit nicht gebe. Die Stadtwerke haben sich fünf Aggregate zugelegt. „Dafür haben wir rund eine halbe Million Euro ausgegeben“, so Niemann. Wichtig seien der Betrieb der Pumpwerke und der Abwasserentsorgung. „Da denkt der normale Bürger nicht sofort dran“, doch das sei neben der Wasserversorgung von großer Bedeutung. Die Aggregate seien allerdings nur die Redundanz für die Stadtwerke, nicht für andere zivile Aufgaben.
Der Energiedienstleister EWE-Netz betreibt zusammen mit einigen Stadtwerken das Mittelspannungsnetz 20 kV in der Region Ems-Weser-Elbe. „Gezielte terroristische Angriffe, wie der Anschlag auf das Stromnetz in Berlin, sind nicht vollständig abwehrbar“, sagt Firmensprecher Volker Diebels. Allerdings habe die EWE-Netz einen Vorteil: „Das rund 80.000 Kilometer lange Mittelspannungsnetz ist zu 100 Prozent erdverkabelt und besonders eng vermascht – das bietet einen hohen Schutz gegen äußere Einflüsse“, so Diebels.
Der Heidekreis will bis Ende März ein Black-out-Konzept für den Fall eines vollständigen Stromausfalls im Kreis erstellt haben. Ein Amtshilfeersuchen gegenüber der Bundeswehr ist dabei vorgesehen. Für eine eigene Notstromversorgung seien im Haushalt bereits 800.000 Euro eingestellt. Das Heidekreis-Klinikum sieht für den Neubau einen geregelten Notbetrieb über mindestens 24 Stunden vor. Die Kommunen müssen ebenfalls Vorsorge treffen und in der Lage sein, mindestens ein Prozent der Bevölkerung in Notunterkünften unterbringen zu können.