Soltau Ost IV: Zwischen Fata Morgana und Realität
Das Industriegebiet Soltau Ost III ist mittlerweile ausverkauft. Die letzte Fläche ging an das Unternehmen Deichmann, dass noch immer keine Entscheidung über den Bau eines Distributionszentrums gefällt hat. Man sondiere die Lage, hieß es gestern. Foto: at
2021 groß angekündigt, bleibt das Industrie- und Gewerbegebiet Soltau Ost IV offiziell weiter auf Kurs. Doch erstmals regt sich auch innerhalb der CDU Widerstand.
Östlich der A7 will die Stadt langfristig ihren gewerblichen und industriellen Entwicklungsschwerpunkt sichern. In der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend bildete sich eine breite Front gegen das Vorhaben.
Während Grüne und AfD ihr Nein vor allem mit der nötigen Abholzung der Waldflächen begründeten, äußerte die CDU erstmals ebenfalls Bedenken – allerdings aus anderen Gründen.
„Kein echter Plan“
Die CDU-Fraktion, die seit Monaten deutlich auf Distanz zur Verwaltung um Bürgermeister Karsten Brockmann (Bürgerunion) geht, wolle keine Industrieansiedlung unterstützen, für die es „keinen echten Plan“ gebe, so deren Vorsitzender Dr. Andreas von Felde am Mittwoch gegenüber der BZ.
Das sei eine Fata Morgana, ein Projekt des damaligen Bürgermeisters, verwies er auf die Industriegebietspläne, die von Helge Röbbert seit 2018 vorangetrieben worden seien und für die es bislang noch keinen Bebauungsplan gebe. Zudem, so kritisierte von Felde, raube das Verfahren neben den Planungen für Schulen und Sportplätze der Stadt Geld und Zeit.
Verlängerung der Veränderungssperre
Der Bauausschuss allerdings befasste sich nicht mit der konkreten Ausweisung der 100 Hektar, sondern mit der erneuten Verlängerung der Veränderungssperre für den Campingplatz Naturcamping Lüneburger Heide an der B71, der Teil des Gesamtgebiets ist. Ziel ist es, eine Weiterentwicklung der Anlage auszuschließen und die Planungen für das Industriegebiet nicht zu gefährden.
Die CDU sah in dem Beschluss lediglich eine weitere Verzögerung, die nicht zum Ziel führen würde. Die Verwaltung arbeite seit sieben Jahren an der Umsetzung, Grunderwerb sei ebenfalls erfolgt – doch ein Ergebnis sei nicht absehbar oder frühestens ab 2035/2040 zu erwarten, so Fraktionschef von Felde. Zudem sei der Eigentümer des Campingplatzes nicht verkaufsbereit.
Hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen
Olaf Hornbostel, in seiner Funktion als AWS-Geschäftsführer für die Entwicklung in Soltau zuständig, betonte im Ausschuss, dass es eine hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen gebe, wobei die Lagegunst an der A7 ein entscheidender Faktor sei. Eine Nachfrage für Ost IV sei vorhanden, zumal Hamburg kaum noch Flächen ausweisen könne, daher Interessenten in die Peripherie auswichen.
„Wir halten es für notwendig, dass wir Flächen vorhalten“, erklärte auch Reiner Klatt (SPD) im Nachgang zum Bauausschuss. Die Ratsmehrheit von SPD und der BU/FDP-Fraktion stehe weiterhin hinter dem Vorhaben. Im Ausschuss wurde das Thema zunächst vertagt und soll im Verwaltungsausschuss erneut vorberaten werden, bevor der Stadtrat am 17. Februar endgültig darüber entscheidet.
Zeit für Verkehrsuntersuchung gewinnen
Für den ehemaligen Campingplatz Scandinavia (heute Naturcamping Lüneburger Heide) wurde in mehreren vom Rat beschlossenen Konzepten (2020 und 2023) festgestellt, dass ein Campingplatz dort langfristig nicht umsetzbar ist und die Fläche für gewerbliche Entwicklung vorgesehen werden soll.
Zur Sicherung dieser Planung beschloss der Rat im Februar 2024 erneut eine Veränderungssperre. Da die Bauleitplanung und eine vertiefende Verkehrsuntersuchung noch nicht abgeschlossen sind, soll nun die Veränderungssperre um ein weiteres Jahr verlängert werden, um die Planungsziele nicht zu gefährden.