Soltau: Auf dem Weg zur klimaneutralen Wärme
In Neubaugebieten wie am Schneverdinger Lerchenstert wird mittlerweile kein Gasnetz mehr verlegt. Meist setzen die Eigentümer auf eigene Lösungen mit Wärmepumpen, in Soltau an der Tetendorfer Straße soll erstmals eine gemeinsame Geothermie-Lösung mit einem kalten Nahwärmenetz gebaut werden. Foto: bk
Die wichtigste Botschaft zur kommunalen Wärmeplanung in Soltau kommt am Ende: „Es gibt keinen Zwang, wir geben nur Empfehlungen“, betonte Projektleiter Dr. Jörg Krywkow vom Osnabrücker Büro Energie-Klima-Plan (EKP). Ziel der Planung ist es, Wege aufzuzeigen, wie Soltau bis 2040 klimaneutral mit Wärme versorgt werden kann.
Krywkow stellte die vorläufigen Ergebnisse in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses vor. Im zweiten Quartal des Jahres soll die kommunale Wärmeplanung vom Stadtrat beschlossen werden. Vorgestellt wurden die stärkere Nutzung erneuerbarer Energien, die energetische Sanierung von Gebäuden sowie der Ausbau und die Erweiterung von Wärmenetzen. Viele Entscheidungen liegen dabei letztlich bei den Eigentümerinnen und Eigentümern selbst.
Derzeit verbrauchen Gebäude in Soltau rund 450 Gigawattstunden Wärme pro Jahr, vor allem in Gewerbe, Industrie, Handel und Freizeiteinrichtungen. Hauptenergieträger ist weiterhin Erdgas mit 74 Prozent, gefolgt von Heizöl und fester Biomasse. Zudem ist ein großer Teil des Gebäudebestands vergleichsweise alt: Fast die Hälfte stammt aus den Baujahren 1949 bis 1978.
Die Wärmeplanung arbeitet mit zwei Entwicklungspfaden. Während im sogenannten Business-as-usual-Szenario nur langsam saniert würde, geht das Zielszenario bei entsprechender Förderung von deutlich höheren Sanierungsraten aus. Bis 2040 könnten so insgesamt rund 21 Prozent des Gebäudebestands modernisiert werden.
Ein Schwerpunkt liegt zudem auf dem Ausbau von Nahwärmenetzen und dem Einsatz von erneuerbaren Wärmequellen. In der Kernstadt sowie in den Ortsteilen Deimern, Dittmern und Oeningen werden unter anderem Abwärme aus Industrie und Klärwerk, Geothermie, Solarthermie und Photovoltaik geprüft. Drei bestehende Biogas-Blockheizkraftwerke könnten rechnerisch bis zu 63 Gigawattstunden Wärme pro Jahr liefern. Daher würde sich die Einspeisung für Biogas-Bauern auch nach dem Auslaufen der EEG-Förderung weiter lohnen. Auch das Klärwerk bietet Potenzial: Aus Abwärme ließen sich fast 16.000 Megawattstunden jährlich gewinnen. Mit dem Vorteil, dass das Wasser, das in die Böhme eingeleitet wird, nicht zusätzlich gekühlt werden muss.
Für Bürgerinnen und Bürger soll die Planung vor allem Orientierung und Planungssicherheit bieten. „Wir liefern die Zahlen, dann kann jeder überlegen, ob er investieren will. Die kommunale Wärmeplanung ist eine Entscheidungshilfe“, so Krywkow. Ein Maßnahmenkatalog mit einzelnen Steckbriefen soll folgen. Letztlich stehe die Transformation der Wärmeversorgung an: „Sie lässt sich nicht vermeiden, ist aber auch keine Bedrohung oder Gefahr, sondern kann eine nützliche und sinnvolle Sache sein“, so der EKP-Experte.
Verbrauch aktuell höher als Bedarf
Der Wärmeverbrauch in Soltau liegt bei rund 450 Gigawattstunden pro Jahr, während der Bedarf mit 354 Gigawattstunden deutlich niedriger ist – ein Hinweis auf Effizienzpotenziale. Den größten Anteil am Verbrauch haben Gewerbe- und Industriegebäude, nicht Wohnhäuser. Die Planung geht von überwiegend Teilsanierungen aus, vollständige Sanierungen sind nur ein kleiner Anteil. Für Wärmenetze mit Biogas, Abwärme, Geothermie und Solarthermie werden gezielt Gebiete geprüft, wo die Versorgung wirtschaftlich ist.