„Die Menschen hatten Todesangst“

Rauchschwaden über den Dächern von Dubai: Der Krieg im Nachbarland Iran erschüttert auch das Sicherheitsgefühl in den reichen Emiraten. Foto: privat

Das aktuelle Kriegsgeschehen im Iran und weiteren Ländern des Nahen und Mittleren Ostens beeinträchtigt den internationalen Flugverkehr und die allgemeine Sicherheitslage. Die Folgen sind bis weit über die direkt betroffene Region hinaus spürbar. Auch Menschen aus dem Heidekreis hängen derzeit in Dubai fest oder ändern kurzfristig ihre Reisepläne. Die Verunsicherung ist groß.

„Auch Kunden, die zum Beispiel in die Türkei oder nach Ägypten fliegen möchten, kommen mit Fragen zu uns“, berichtet Silvia Schür vom Ihr-Reisestudio in Schneverdingen. Allen aufkommenden Bedenken werde nach bestem Wissen begegnet. Bei der Einschätzung von Risiken bilden die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes die wichtigste Orientierungsmarke. Die bei deutschen Touristen besonders beliebten türkischen und ägyptischen Urlaubsdestinationen gelten demnach weiterhin als sicher. Dennoch lasse sich bei Neubuchungen bereits eine Bewegung hin zu anderen Zielen mit Sonnengarantie registrieren, etwa den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln vor der Nordwestküste Afrikas, berichtet die Touristikerin.

Tatsächlich problematisch stellt sich die aktuelle Situation für Urlauber und Geschäftsreisende vor allem in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Katar dar. Die von iranischen Raketen und Drohnen angegriffenen Länder sind wichtige Drehkreuze im Flugverkehr zwischen Europa und dem Fernen Osten und auch selbst beliebte und wirtschaftlich bedeutsame Destinationen. Der internationale Luftraum war in den vergangenen Tagen für Zivilflugzeuge zeitweise gesperrt, wodurch die Flugpläne von Qatar Airways und Emirates durcheinandergerieten. Viele Linienflüge wurden gestrichen. Tausende Deutsche sitzen nun erst einmal fest, der Langstrecken-Flugverkehr findet nur langsam zurück ins Maß.

Ankunft einen Tag vor Kriegsausbruch

Auch zwei Kunden des Schneverdinger Reisestudios sind unfreiwillig in Dubai gestrandet und müssen darauf hoffen, dass sich die Situation zügig wieder normalisiert. Garantiert ist das nicht, denn neue militärische Eskalationen könnten die fragile Lage jederzeit erneut erschüttern.

Auch Albert Beitel verbringt gezwungenermaßen mehr Zeit in Dubai, als er eigentlich vorgehabt hatte. „Wir sind einen Tag vor Kriegsausbruch angekommen“, berichtet der Bauunternehmer aus Munster am Telefon – schlechtes Timing, könnte man wohl sagen. Eigentlich wollten der 33-Jährige und seine Freundin nur drei Tage in dem Emirat verbringen, um einige geschäftliche Dinge zu erledigen, bevor es weitergehen sollte in den dreiwöchigen Thailand-Urlaub. In seiner Wohnung in Dubai hörte er dann aber ein Geräusch, das er als Munsteraner sofort als das erkannte, was es war: Gefechtslärm.

„Dramatische Szenen"

„Geschosse flogen über das Gebäude“, berichtet er. Er filmte mit seiner Handykamera deren weiteren Flugverlauf in Richtung Stadtzentrum und Abu Dhabi. Zu sehen sind gleißende Punkte, aber keine Explosionen. Die Geschosse werden in der Regel abgefangen, jedoch stellen auch die teils noch kilometerweit durch die Luft fliegenden Einzelteile der abgeschossenen Kriegsgeräte eine Gefahrenquelle dar. Zumindest in einem Fall gab es eine Explosion und ein Feuer in einem Luxushotel. „Ein Kollege von mir wohnt 150 Meter vom Hotel entfernt, er schilderte dramatische Szenen, Menschen wurden evakuiert, sie weinten und hatten Todesangst“, erzählt Beitel.

Seine Freundin und er hoffen, dass Flüge von Dubai nach Thailand ab heute wieder online gebucht werden können. „Der Flughafen hat seinen Betrieb wieder aufgenommen, aber erst einmal kommen die Passagiere zum Zuge, die bereits Tickets haben.“ Zumindest oberflächlich habe sich das Leben in dem reichen Wüstenstaat nach dem ersten Schock wieder weitgehend normalisiert, berichtet der Munsteraner. „Die Menschen fühlen sich sicher, die Dubai Mall hat geöffnet und ist schon wieder gut besucht.“ Auch der Drohnenangriff auf das US-Konsulat am Dienstag habe daran nichts ändern können. Für Urlauber dürfte Thailand in den kommenden Wochen trotzdem das weitaus entspanntere Reiseziel sein.