Industrie will KI – ohne ungewollten Datenabfluss

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der industriellen Produktion stand am Montag im Mittelpunkt eines Gesprächs beim Soltauer Gießereiunternehmen G. A. Röders mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

Die Geschäftsführer Andreas und Gerd Röders wollten dabei bewusst weniger über hohe Energiepreise, steigende Löhne oder den drohenden Arbeitsplatzabbau sprechen. „Man wolle nicht jammern“, hieß es. Stattdessen richteten sie den Blick auf die Zukunft: Entscheidend sei, Produktionsprozesse schneller und effizienter zu gestalten als internationale Wettbewerber.

Seit Jahren arbeitet das Unternehmen mit der TU Braunschweig zusammen und betreibt vor Ort das Leichtmetallzentrum als Außenstelle. Zudem bahnt sich eine Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg an.

Professor Dr. Florian Stamer warb bei Tonne für die Entwicklung eines zentralen Knotenpunkts – möglicherweise in Lüneburg –, um KI-gestützte Industriedaten zu verarbeiten, ohne dass diese auf Servern in den USA oder China landeten. „Die Daten aus dem deutschen Engineering sind die letzte Bastion“, sagte Stamer.

Bislang gebe es viele voneinander getrennte Datensysteme, die eine durchgängige Analyse erschwerten. Mit einer integrierten Datenbasis könnten Produktionsprozesse intelligenter gesteuert und die Innovationsfähigkeit der Industrie gestärkt werden. Dafür müsse allerdings auch die Regulierung reduziert werden.

G. A. Röders rüstet derzeit gemeinsam mit der TU Braunschweig Maschinen mit Sensoren aus, um Produktionsdaten per KI auszuwerten. Das soll unter anderem eine gleichmäßigere Auslastung der Maschinen ermöglichen.

Gerd Röders nannte ein weiteres Beispiel: Bei Rückrufen in der Autoindustrie könnten sich beschädigte Chargen künftig präzise eingrenzen lassen. „Dann müssten nicht tausende Fahrzeuge in die Reparatur, sondern nur drei“, sagte er.

Gleichzeitig kritisierten die Unternehmer Bürokratie und Regularien. „Sie grenzen uns ein“, erklärte Andreas Röders. Gerd Röders sprach sich deshalb für „Inseln der Freiheit“ aus – Räume, in denen Unternehmen neue Technologien einfacher erproben könnten.

Wirtschaftsminister Tonne räumte ein, dass regulatorische Vorgaben Transformationsprozesse erschwerten. Gleichzeitig müsse sich aber auch die Haltung verändern: Mehr Freiräume würden oft aus Sicherheitsdenken heraus nicht genutzt. „Da brauchen wir eine andere Form der Fehlerkultur“, sagte Tonne.

Dr. Norbert Hoffmann von der TU Braunschweig mahnte mehr Tempo an: „Wir müssen drastisch nach vorne kommen, um im Wettbewerb zu bestehen.“ Kritisch sehen die Beteiligten deshalb auch, dass Förderprogramme für Forschungsprojekte an Universitäten derzeit zurückgefahren werden.

Einen Einblick in den Betriebsablauf beim Gießereibetrieb G. A. Röders in Soltau bekommen Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (Mitte) und Landtagsabgeordneter Sebastian Zinke (3. von links) von Gerd und Andreas Röders (rechts). Foto: at