„In den Bauwagen gehen die nicht“

Die Lebenswelt älterer Jugendlicher ist für Erwachsene oft schwer fassbar, sie mit Angeboten zu erreichen nicht so einfach. Foto: Adobe Stock

Die offene Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde Bispingen hat einen Neustart hinter sich, liegt nun in den Händen der gemeinnützigen Gesellschaft Generation Z. Seitdem hat sich einiges bewegt. Es gibt den Klippo-Bauwagen, und beim ersten Bispinger Jugendforum im vergangenen November wurden ambitionierte, bislang allerdings nicht umgesetzte Beschlüsse gefasst, von regelmäßigen Filmabenden bis zur Errichtung eines Mountainbike-Trails.

Aber ist es dem privaten Träger gelungen, mit seinen Aktionen auch jenes Klientel zu erreichen, das Bürgermeister Dr. Jens Bülthuis bei der Einführung der neuen Jugendarbeit als besonders bedürftig umschrieben hatte? Der Verwaltungschef sprach vor einem Jahr von niedrigschwelligen Angeboten, die gerade solche Jugendlichen abholen sollen, die nicht bereits durch Vereine oder andere Zusammenhänge in das soziale Dorfleben integriert seien (BZ vom 5. Mai 2025). „Problemjugendliche“, wie es eine anwesende Zuhörerin während der jüngsten Sitzung des Jugendausschusses der Gemeinde etwas politisch unkorrekter formulierte.

Gemeint sind junge Menschen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren, Teenager am Beginn des langen Weges aus der Kindheit ins Erwachsenenleben. Keine ganz einfache Phase, wie man so sagt und wie viele Gäste der Ausschusssitzung wohl aus ihren eigenen Familien wissen. Sitzungen des Kinder- und Jugendausschusses sind in Bispingen immer gut besucht und etwas lebhafter als andere. Auch diesmal waren wieder viele Eltern und auch ein wuselndes Kind anwesend. Die großzügige Handhabung des Rederechts durch die Ausschussvorsitzende Freya Bockelmann (Bürgerliste) ließ ungewöhnlich viel Raum für direkte Gespräche zwischen Mandatsträgern und Bürgern.

Dabei wurde deutlich, dass die offene Jugendarbeit in Bispingen in den Augen mancher Eltern bislang vor allem Sozialarbeit mit Kindern ist. Die Angebote des Trägers sprächen eher die Jüngeren an, so der geschilderte Eindruck. Für Teenager, die sich selbst nicht mehr so sehr als Kinder wahrnähmen, jedenfalls nicht unbedingt mit jüngeren Jahrgängen zusammen abhängen wollten, sei vieles schlicht nicht ansprechend. „Die gehen nicht in den Bauwagen, um da unter Aufsicht zu basteln“, erklärte eine Mutter und bemängelte das Fehlen eines Jugendzentrums und anderer altersadäquater Angebote für Teenager.

Jugendcliquen schlägt im öffentlichen Raum Misstrauen entgegen

Über zwei Jahrzehnte gab es in Bispingen einen regelmäßigen Jugendtreff für Mädchen und Jungen zwischen 12 und 18 Jahren im Alten Pfarrhaus, aber seit Anfang 2022 existiert diese Anlaufstelle nicht mehr. Heute würden manche Jugendcliquen ihre Freizeit im öffentlichen Raum verbringen, aber würden „überall weggeschickt“, bemängelte eine Bispingerin mit Blick auf das Schulgelände und den Spökenkieker. Eine andere machte dafür auch die Jugendlichen selbst verantwortlich, die oft achtlos Getränkedosen, Kippen, aufgerissene Chipstüten und anderen Müll zurückließen.

Ausschussvorsitzende Bockelmann wies unter Verweis auf viele Vereine in der Gemeinde den Eindruck zurück, dass Jugendlichen generell zu wenig geboten werde. Doch es herrschte Einigkeit, dass die Feuerwehr oder Sport- und Schützenvereine nun einmal nicht alle Jugendlichen ansprechen und man auch denen, die sich da nicht wiederfinden, etwas anbieten sollte.

Nur was? Eine Mutter meinte, eine unbewachte Fläche mit Aufenthaltsqualität irgendwo im Gemeindegebiet, wo Jugendliche geduldet werden, sei an sich schon ausreichend, zumindest für die etwas Älteren. Die wollten ihre Freizeit ohnehin nicht mehr unter der Betreuung Erwachsener verbringen. Doch ein dafür geeigneter Ort fiel spontan niemandem ein. „Wenn Klippo nichts für Teenager ist, müssen wir uns was Neues überlegen“, erklärte Bockelmann jedenfalls.

Eventuell werden Angebote der Jugendarbeit aber auch deshalb von den älteren Vertretern der Zielgruppe nicht genügend angenommen, weil sie ihnen gar nicht bekannt seien, hieß es im Ausschuss. Als sie selbst noch jüngere Kinder waren, gab es noch kein Klippo, sie konnten da nicht reinwachsen. Martin Eggers (Bürgerliste) berichtete, sich die lokale Jugend-App auf sein Smartphone heruntergeladen zu haben. Eine App sei grundsätzlich ein guter Weg, um Jugendliche anzusprechen und mit ihnen in Kontakt zu bleiben, lobte er. „Aber dann muss so ein Kanal auch bespielt werden. Bis jetzt habe ich noch keine einzige Push-Nachricht erhalten.