Bücher sollen weiter eine Rolle spielen
Nach einem guten halben Jahrhundert ist Schluss: Die Fahrbücherei stellt ihr Angebot im November endgültig ein. Erstmals 1975 brachte sie Lesestoff in Landkommunen ohne eigene Bücherei. Die Menschen waren damals weniger mobil, Internet war noch Science-Fiction. In Hochzeiten fuhren zwei große Bücherbusse über die Dörfer auf dem Gebiet des heutigen Heidekreises und stellten mit Unterstützung durch das Land die Literaturversorgung sicher. Das ist lange her.
Der letzte Bücherbus gab 2017 seinen Geist auf. Seitdem beliefert ein Caddy vier feste Orts- und einige Schulbüchereien. Im Nordkreis nutzen Bispingen und Neuenkirchen das Angebot, im Süden Hodenhagen und Lindwedel. Doch der Service liegt in den letzten Zügen. Die Kreispolitik lehnt nicht nur den Ersatz abgerockter Fahrzeuge, sondern auch neues Personal ab. Aktuell gibt es noch eine letzte Kraft, die Öffnungszeiten der Büchereien sind daher eingeschränkt. In Bispingen öffnet die Bücherei im Alten Pfarrhaus alle 14 Tage. Und selbst das lässt sich so nicht mehr lange halten. Die Mitarbeiterin geht im November in den Ruhestand. „Das Büchereiangebot in der Orten Bispingen, Neuenkirchen, Lindwedel und Hodenhagen steht somit theoretisch vor dem Aus“, heißt es in einer Beschlussvorlage für den Bispinger Schulausschuss.
Dem steht der Wille der Kommunen entgegen, die Büchereien fortzuführen. Das ist aus Sicht des Landkreises auch aus Gründen der Gleichbehandlung der richtige Weg – schließlich werden die anderen Bibliotheken seit jeher von den Gemeinden selbst verantwortet. Wie sieht die Zukunft der kleinen Büchereistandorte aus?
Ein wöchentlicher Öffnungstag als Ziel
Neuenkirchens Bürgermeister Carlos Brunkhorst verweist darauf, dass die Ortsbücherei 2025 in die Frielinger Straße umgezogen ist und dort bleiben soll, künftig gemeindlich getragen. Detailfragen befänden sich im Klärungsprozess, die Soltauer Bibliothek Waldmühle stehe dabei beratend zur Seite. In Bispingen befindet man sich noch in einem früheren Stadium, auch dort wurden nun erste Pflöcke eingeschlagen. Uwe Böttcher, Leiter der Fahrbücherei im Kreis Celle mit Expertise und Kontakten, stellte im Schulausschuss das Konzept seines ehrenamtlichen Teams vor. „Das kam gut an“, berichtet Bürgermeister Dr. Jens Bülthuis. Demnach soll das Angebot nicht nur fortgeführt, sondern bedarfsorientiert ausgebaut werden. „Zielmarke“ sei ein fester wöchentlicher Öffnungstag. Noch zu klären sind in beiden Kommunen kleinere Finanzierungsfragen. In Bispingen existiert zudem der Wunsch nach einem Umzug. Bei entsprechenden Räumen wäre die Zusammenlegung mit der Schulbücherei denkbar. GOBS-Schulleiterin Iris Wagner zeigte sich im Ausschuss offen dafür. Der Bestand der Fahrbücherei beläuft sich auf rund 29.000 Medien. Die gehen auf die Ortsbüchereien über.