Bis zu 15 Prozent Ernteeinbuße beim Sommergetreide

Landvolk-Geschäftsführer Henning Jensen, Kreislandwirt Jochen Oestmann und der Sprengel Landwirt Marius Vorwerk ziehen erste Bilanz zur anstehenden Ernte. Foto bk

Vier Tage mit extremer Hitze haben gereicht, um aus einer vielversprechenden Ernte eine allenfalls durchschnittliche zu machen. So fällt die erste Vorerntebilanz des Landvolks im Heidekreis aus. Besonders betroffen ist das Sommergetreide. Bis Mitte Juni hätten die Landwirte noch von einer nahezu idealen Vegetation gesprochen. Nach einem trockenen Winter sorgten die Niederschläge im Mai für optimale Wachstumsbedingungen. „Bis zum 15. Juni haben wir gesagt: Traum – keine Beregnung, einfach nur zugucken, wie alles wächst“, schildert Jochen Oestmann.

„Arbeit eines Jahres in vier Tagen getoastet“

Dann folgte die Hitzewelle mit Temperaturen um 40 Grad. Vor allem auf den sandigen Böden des Heidekreises setzte die Kombination aus Hitze und Wassermangel den Pflanzen massiv zu. „Vier heiße Tage reichen inzwischen aus, um die Arbeit eines ganzen Jahres zu toasten“, sagt der Kreislandwirt. Besonders beim Weizen seien auf den leichteren Standorten viele Bestände vorzeitig in die Notreife gegangen. Aus der Luft seien die Unterschiede deutlich zu erkennen, stimmt Landwirt Marius Vorwerk zu, auf dessen Hof in Sprengel das Pressegespräch stattfindet und der ab und an mit der Drohne die Kulturen auf seinen Schlägen begutachtet. Nur dort, wo unter dem Sand Lehm liege, seien die Bestände noch grün.

Während die Wintergerste von der Hitzewelle verschont blieb, weil ihre Kornfüllung bereits abgeschlossen war, trifft es das Sommergetreide umso härter. Braugerste und Hafer litten unter den extremen Temperaturen, der Roggen sei teils „im Wasser stehend verbrannt“, so Oestmann. Der Kreislandwirt rechnet beim Weizen auf vielen Flächen mit Ertragseinbußen von bis zu 15 Prozent, auf besonders trockenen Standorten könnten es sogar bis zu 30 Prozent werden.

Erzeuger müssen mehr investieren, die Marge macht der Handel

Auch Kartoffeln und Zuckerrüben gerieten unter Stress Zwar konnten beregnungsfähige Flächen gekühlt und mit Wasser versorgt werden, doch selbst dort seien die Maßnahmen vielfach nur noch „lebenserhaltend“ gewesen. Kartoffeln wachsen optimal bei rund 26 Grad – Tem peraturen deutlich darüber bremsen das Wachstum erheblich aus. Dass seit Jahren auch die Erzeugerpreise sinken (Frühkartoffeln minus 27 Prozent seit 2019) bei steigenden Handelsmargen, macht die Situation der Landwirte nicht besser.

Die Entwicklung zeigt aus Sicht des Landvolks deutlich, wie verletzlich die Landwirtschaft im Heidekreis gegenüber Wetterextremen geworden ist. Oestmann fordert deshalb, die Beregnung langfristig zu sichern. Wasser werde zur entscheidenden Ressource, wenn der Kartoffel- und Spezialkulturanbau in der Region eine Zu kunft haben solle.

Fleisch aus Spanien drückt deutschen Markt

Auch beim Schweinefleisch fallen die Erzeugerpreise, trotz Grillsaison. Während Futter- und Betriebsmittel zum Teil über 100 Prozent teurer geworden sind, ist der Erzeugerpreis um 16 Prozent gefallen. Das Problem sei, dass Spanien billig produziere, aber nicht mehr nach China exportieren dürfe, sondern in den deutschen Markt drücke, erläutert Landvolk-Geschäftsführer Henning Jensen. Die Umsetzung höherwertiger Haltungsformen mache es nicht besser. Da müsse mehr in Futtermittel und Haltung investiert werden, sodass der Ertrag letztlich gleich sei, erklärt Kreislandwirt Jochen Oestmann.