Eine KI wacht über die Badegäste der Soltau-Therme
Unter der Decke des Hallenbads sorgen sieben Kameras dafür, dass eine KI die Bewegungsdaten im Becken bewertet und Bademeister Marc Hänßler am Beckenrand über einen Warnimpuls auf der Smartwatch auf potenziell kritische Situationen hinweist. Foto: bk
Die Soltau-Therme setzt bei der Sicherheit ihrer Badegäste auf künstliche Intelligenz. Seit Frühjahr 2024 unterstützt ein lernfähiges KI-System die Schwimmmeister dabei, kritische Situationen schneller zu erkennen. Sieben Kameras im Hallenbad analysieren Bewegungsmuster im Wasser und lösen Alarm aus, wenn sie eine mögliche Gefahr erkennen. Die Aufsicht erhält dann per Signalton und Vibration eine Meldung auf ihre Smartwatch.
Wie das Zusammenspiel von Mensch und Technik funktioniert, zeigte sich Anfang Juni bei einem Rettungseinsatz im Schwimmerbecken. Einem Mann mittleren Alters verließen beim Kraulschwimmen plötzlich die Kräfte. Zwei Fachangestellte für Bäderbetriebe sprangen gleichzeitig ins Wasser und brachten ihn in Sicherheit. In diesem Fall reagierten die Schwimmmeister sogar schneller als das KI-System.
„Die KI ist als Unterstützung gedacht – und genau das ist sie auch“, sagt der stellvertretende Betriebsleiter der Soltau-Therme, Christian Gorzynski. „In diesem speziellen Fall haben wir die Situation selbst früher erkannt. Aber grundsätzlich hilft uns das System dabei, noch schneller auf kritische Situationen aufmerksam zu werden.“
Das System der 2018 gegründeten Firma Lynxight aus Israel arbeitet im Hallenbad, nicht aber unten in der Therme. Es arbeitet nicht mit Gesichtserkennung und zeichnet keine Videos auf. Stattdessen erfassen sieben Kameras lediglich in Echtzeit abstrakte Körpermodelle. Die Software verarbeitet ausschließlich Bewegungsmuster. Sie erkennt unter anderem, ob sich eine Person ungewöhnlich lange unter Wasser befindet oder Bewegungen Anzeichen einer Notsituation zeigen. Da keine Aufzeichnung von Bildmaterial erfolgt, sind einzelne Personen nicht zuzuordnen.
Trotz modernster Technik bleibt das geschulte Auge der Fachkräfte entscheidend. Wer jahrelang Aufsicht führt, entwickelt ein Gespür für Gefahrensituationen. „Mit der Erfahrung erkennt man unbewusst, wenn etwas nicht stimmt. Man beobachtet Kinder ohne Begleitung genauer oder bemerkt, wenn sich jemand ungewöhnlich verhält.“
Gerade diese Erfahrung sorgte auch bei dem jüngsten Rettungseinsatz dafür, dass die Schwimmmeister sofort reagierten. Der Mann konnte anschließend selbstständig das Becken verlassen, wurde medizinisch untersucht und vorsorglich einem Rettungsdienst vorgestellt. Denn auch nach einem sogenannten Beinahe-Ertrinken können Stunden später noch Komplikationen auftreten.