Stillstand beim Bauprojekt Klappgarten
Auf dieser Freifläche in Nachbarschaft zur Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne will die Bima preiswerten Wohnraum unter andrem für Soldatinnen und Soldaten schaffen, bis zum Einzug erster Mieter wird aber noch viel Wasser die Örtze herunterfließen. Foto: akü
Wohin mit der steigenden Zahl von Rekruten? Wie können die bestehenden Bundeswehrstandorte den notwendigen Aufwuchs der Armee räumlich bewältigen? Die Zeitenwende bringt nicht nur komplexe militärstrategische Fragen mit sich, sondern auch eine Reihe ganz handfester praktischer Herausforderungen. Es wird langsam eng in den Kasernen, auch am Heeresstandort Munster. Mit einem groß angelegten „Sofortprogramm Infrastruktur“ versucht das Verteidigungsministerium, die gröbsten Engpässe durch Containerlösungen aufzufangen. Bundesweit werden dafür gerade mehr als 7000 solcher Einfach-Unterkünfte aus dem Boden gestampft, rund 300 davon entfallen auf Liegenschaften in Munster. Die Aufstellung der Containerdörfer ist angelaufen, bis zum Eintreffen neuer Wehrdienstleistender im Oktober sollen sie bezugsfertig zur Verfügung stehen.
Bei Wohncontainern handelt es sich stets um Notlösungen auf Zeit, sei es bei der Unterkunft von Geflüchteten, von Schülerinnen und Schülern oder eben nun auch von Soldatinnen und Soldaten. So richtig zufrieden ist meistens niemand mit der Situation. Als Übergangslösung werden die seriellen Bauklötze meist akzeptiert, auf Dauer wird das Wohnen in ihnen aber zur Belastung, gerade auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen im Hitzesommer oder frostigen Winter. Auch in Munster soll die Einquartierung von Soldaten in Containern statt festen Stuben kein Dauerzustand sein. Aber was ist die perspektivische Alternative?
Preiswerte Alternative zum Wohnungsmarkt
Ein Baustein ist die verstärkte Unterbringung nicht kasernenpflichtiger Militärangehöriger außerhalb der bundeswehreigenen Liegenschaften. In Munster ist der Wohnungsmarkt weniger angespannt als in vielen anderen Kommunen. Doch auf dem freien Markt eine passende Unterkunft zu finden, ist auch hier kein Kinderspiel – und das Wohnen in der Kaserne gegen eine niedrige Kostenpauschale finanziell eine allemal attraktive Alternative. Gefordert ist nicht zuletzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), zu deren Aufgaben die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für Bundesbedienstete zählt. Am Standort Munster will die im Geschäftsbereich von Finanzminister Lars Klingbeil angesiedelte bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts diesem hehren Anspruch durch ein ambitioniertes Neubauprojekt in der Nachbarschaft der Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne gerecht werden. An der Adresse Am Klappgarten 17 bis 27a sollen 70 moderne Ein- bis Zwei-Zimmerwohnungen entstehen. „Mit den neuen Appartements vervierfachen wir an dieser Stelle unser Angebot an bezahlbarem Wohnraum im Rahmen der Wohnungsfürsorge des Bundes“, erklärte Bima-Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz vor ziemlich genau einem Jahr gegenüber dieser Zeitung (BZ vom 16. Juli 2025).
Das Problem: Schon damals lag das Projekt nicht mehr im Zeitplan, verkündete die Bima einen nach hinten verschobenen Beginn der Bauarbeiten. Statt wie ursprünglich geplant Mitte 2025, sollte der symbolische erste Spatenstich nun erst 2026 gesetzt werden. Zur Begründung hieß es, dass das europaweite Vergabeverfahren für den Generalunternehmer sich verzögere. Die Zuschlagerteilung wurde „für das dritte Quartal 2026“ in Aussicht gestellt. Dieses Quartal ist jetzt angebrochen, aber von einer Zuschlagserteilung innerhalb der kommenden Wochen will die Bima nichts mehr wissen. Das Bauprojekt verzögert sich erneut.
„Die Bima plant aktuell, den Zuschlag für ein Generalunternehmen im ersten Quartal 2027 vergeben zu können“, teilt eine Behördensprecherin auf BZ-Anfrage mit. „Der dann beauftragte Generalunternehmer erstellt die sogenannte Ausführungsplanung“, skizziert sie den weiteren bürokratischen Ablauf. Mit einem Baubeginn rechnet die Bima demnach jetzt für die Mitte des kommenden Jahres. Bezugsfertig könnten die neuen Appartements nach kalkulierten zwei Jahren Bauzeit in der zweiten Jahreshälfte 2029 sein. An den Anblick von Containerdörfern wird man sich in den hiesigen Bundeswehrkasernen wohl bis auf Weiteres gewöhnen müssen.