Erst die Postbank, jetzt die Deutsche Bank
Nach der Postbank hat auch die Deutsche Bank in Soltau ihre Filiale geschlossen beziehungsweise in eine Finanzagentur mit reiner Beratungstätigkeit umgewandelt. Normale Bankgeschäfte wie Ein- und Auszahlungen von Geld oder das Ausdrucken von Kontoauszügen sind in den Räumen an der Wilhelmstraße 22 nicht mehr möglich.
Das bestätigt auch die Deutsche Bank. Die Selbstbedienungszone mit dem Geldautomaten sei Ende Juni außer Betrieb genommen worden, so eine Sprecherin. Darüber seien die Kunden mit einem Aushang informiert worden. Vor Ort verbleibt danach eine Finanzagentur unter Leitung des selbstständigen Finanzberaters Karsten Zeitz für die Kunden der Deutschen Bank mit einem Beratungsangebot nach entsprechender Terminvereinbarung.
Über das Vorgehen des Kreditinstituts ist Soltaus Bürgermeister Karsten Brockmann verärgert. Die Verwaltung sei nicht informiert worden, er habe sich vor Ort selbst ein Bild machen müssen und beschreibt nun das Vorgehen als Kettenreaktion. Zunächst habe die Postbank die Filiale am Georges-Lemoine-Platz aufgegeben und die Kunden auf die Automaten der zur gemeinsamen Cash Group gehörenden Deutschen Bank verwiesen. Diese habe ohne Ankündigung ein halbes Jahr später ebenfalls den Betrieb eingestellt.
Serviceorientiert sei das nicht, ordnet Brockmann ein. Zumal viele Pensionäre, aber auch ältere Menschen vor den Kopf gestoßen würden. Aus persönlicher Sicht bezeichnet Brockmann die Umwandlung der Filiale in eine reine Finanzagentur als Fehler: Die Menschen honorierten es, wenn es vor Ort noch Ansprechpartner gebe. Gerade für ältere Kunden fehle der Service.
Die Deutsche Bank geht in ihrer Antwort an die BZ nicht auf Fragen zu den Gründen und Kriterien für den Rückzug aus dem Mittelzentrum Soltau oder zur Bedeutung einer wohnortnahen Bargeldversorgung im ländlichen Raum ein. Sie verweist allerdings auf Alternativen, wie die nächstgelegene SB-Stelle der Bank mit Geldautomat in Munster am Veestherrnweg 12. Darüber hinaus könnten die Kundinnen und Kunden das umfangreiche Service-Angebot der Filialen der Deutschen Bank unter anderem in Lüneburg und Celle nutzen.
Für die Bargeldversorgung und für die Erledigung täglicher Bankgeschäfte gebe es zudem weitere Möglichkeiten, so die Sprecherin. Dazu gehöre etwa der kostenlose Bargeld-Service an den Supermarkt-Kassen des Einzelhandels. Außerdem biete die Deutsche Bank einen Bargeld-Code-Service: Mit dem Bargeld-Code können Kunden an den Kassen von bundesweit 12.500 Geschäften des Einzelhandels jeweils bis zu 999,99 Euro am Tag abheben beziehungsweise einzahlen, unabhängig davon, ob sie dort einkaufen. Zudem gebe es für tägliche Bankgeschäfte die digitalen Angebote.
Deutsche Bank
Filialnetz weiter verkleinert
Die Deutsche Bank hatte überregional angekündigt, ihr Filialnetz umzubauen. Bis Ende des Jahres sollen bundesweit rund 100 weitere Standorte geschlossen werden. Als Gründe nennt das Institut die zunehmende Digitalisierung des Bankgeschäfts und das veränderte Kundenverhalten. Viele Standardgeschäfte würden inzwischen online erledigt. Die verbleibenden Filialen sollen sich stärker auf persönliche Beratung etwa zu Baufinanzierung, Vermögensaufbau und Altersvorsorge konzentrieren. Gemeinsam mit der Postbank sowie der Commerzbank und der HypoVereinsbank bildet die Deutsche Bank die sogenannte Cash Group. Kunden können an den Geldautomaten der beteiligten Banken in der Regel kostenlos Bargeld abheben.