Übungen „so nah wie möglich am Ernstfall“
Während der einsatznahen Operation Quadriga 2026 unter dem Operativen Führungskommando der Bundeswehr häufen sich bis zum März Militärkonvois im zivilen Straßenverkehr sowie Militärverladungen in Häfen und auf der Schiene. Foto: Adobe Stock
Das Jahr beginnt frostig, nicht nur meteorologisch. Die von manchen mit den Bemühungen des US-Präsidenten verknüpfte Hoffnung auf eine baldige Beendigung des Krieges in der Ukraine wird von maßgeblichen Militärs und Sicherheitspolitikern nicht geteilt. Auch nicht bei der Truppe in Munster, wie der Standortälteste, Bedrohungsanalyst Oberst Jörg Tölke, beim sicherheitspolitischen Neujahrsempfang bekräftigte: „Frieden ist dort nach meiner persönlichen Bewertung derzeit nicht greifbar“. Die Zeichen stehen auf Konfrontation, und das wird zusehends auch in der Region sichtbar – aktuell in Form von Militärkonvois auf Autobahnen und Landstraßen sowie in Seehäfen und auf der Schiene, wo Kriegsgerät verladen und transportiert wird.
Vorbereitet sein auf den Bündnisfall
Hintergrund ist eine multinationale „einsatznahe Operation“, die mehr eine „reine Übung“ sei, wie es bei der Bundeswehr heißt. „Das bedeutet, dass so nah wie möglich am Ernstfall geübt wird – ohne lange Vorlaufzeiten und fiktive Parameter.“ Ostniedersachsen und der Heidekreis nehmen dabei als Drehkreuz zwischen Überseehäfen und Nato-Ostflanke eine zentrale Rolle ein. Zugrunde liegt das Szenario eines russischen Angriffs auf Nato-Gebiet im Baltikum. Die Mitglieder müssten das gemäß Artikel 5 des Nato-Vertrags „als ein Angriff gegen sie alle“ werten – der Bündnisfall. In kurzer Zeit müssten wohl Hunderttausende Soldaten und Militärfahrzeuge ins Baltikum und an die östlichen EU-Außengrenzen verlegt werden. Munster als größter Heeresstandort der Bundeswehr in strategisch günstiger Lage wäre eng eingebunden, müsste logistisch unterstützen und mögliche Störangriffe auf Truppenteile und Infrastruktur wie Schienen- und Straßenwege abwehren.
Februar bis März ist der Kernzeitraum für große Material- und Truppenverlegungen in Deutschland und Litauen sowie auf See im Übungscluster Quadriga. Teil des Clusters ist das Verlegemanöver Steadfast Dart, eine der Nato-Schwerpunktübungen in diesem Jahr. Dafür werden spanische, italienische, türkische, tschechische und griechische Streitkräfte auf die Truppenübungsplätze Bergen und Putlos verlegt. Zeitweise liegt die regionale Gesamtverantwortung beim Panzergrenadierlehrbataillon 92 in Munster. Eine Truppensprecherin hält sich mit weiteren Angaben noch bedeckt. Im Rahmen eines Medien- und eines Beobachtertags sollen nächste Woche militärische Fähigkeiten vorgeführt und Transparenz hergestellt werden.