Leere Klassenräume? Nicht im Heidekreis

Die Prognose des Heidekreises zu Schülerzahlen über die nächsten zehn Jahre, stützt sich nur zu Beginn auf konkrete Daten und Fakten, später ist es eher ein Blick in die Glaskugel. Foto Adobe Stock, Grafik: bz

Die Prognose für die Schülerzahlen im Heidekreis in zehn Jahren ist mit Vorsicht zu betrachten. Das räumt auch Jürgen Haarstick, Fachgruppenleiter bei der Kreisverwaltung, kürzlich im Fachausschuss für Schule ein.

Zwar stützt man sich auf aktuelle Geburts- und Schülerzahlen, doch je weiter man in die Zukunft blicke, desto unsicherer werde die Vorhersage: „Wir reden über Kinder, die noch gar nicht geboren sind.“

Trotzdem vermittelt die Präsentation zur Entwicklung der weiterführenden Schulen Optimismus, gestützt auf Erfahrungen aus den vergangenen Jahrzehnten, in denen pessimistische Prognosen nie eingetroffen sind.

In 20 Jahren 12,4 Prozent weniger Einwohner

Allerdings erwartet aktuell das Landesamt für Statistik einen kräftigen Bevölkerungsrückgang bis 2045. Nach den regionalisierten Berechnungen könnte die Bevölkerung im Heidekreis um rund 12,4 Prozent sinken, deutlich stärker als der erwartete Landesdurchschnitt von minus 5,4 Prozent.

Mit Blick auf das nächste Jahrzehnt sei zwar ein Delta bei den Schülerzahlen vorausgesagt, betont Haarstick dazu. Dennoch sei es mit Blick auf Zuzug und neue Arbeitsplätze ein Trugschluss zu glauben, „dass 2031 die Klassenräume leer sein werden.“

Nach Landkreisprognose bleibt für die Oberschulen Bispingen, Neuenkirchen, Rethem, Hodenhagen und Bomlitz die Zweizügigkeit gesichert. Ähnlich stabile Zahlen gibt es für die Oberschule in Soltau (drei- bis vierzügig) und die Haupt- und die Realschule in Munster.

Auf hohem Niveau stabil bleiben die Gymnasien Soltau und Munster sowie die Kooperativen Gesamtschulen in Schneverdingen und Schwarmstedt, auch wenn die Prognose für letztere aufgrund der Schüler, die aus Celle und der Region Hannover kommen, sehr vage ist.

Ein Fragezeichen steht hinter Bad Fallingbostel, begründet durch den Abzug der Briten und den möglichen Zuzug durch den Neubau des Heidekreis-Klinikums und den Aufbau der Bundeswehr. Für das übervolle Gymnasium in Walsrode erhofft man sich den IGS-Effekt, wonach die Eltern ihre Kinder verstärkt in der Integrierten Gesamtschule anmelden.

Ein Sorgenpunkt bleiben die relativ hohen Abgangszahlen von Schülern ohne Hauptschulabschluss. Zwischen 2018 und 2024 schwankten die Zahlen zwischen 85 und 114, mit einem Spitzenwert von 163 in der Coronazeit 2023. Besonders betroffen sind Schüler aus Förderschulen für Lernen oder Geistige Entwicklung, deren Abgänge seit 2020 weitgehend konstant bleiben.

Auch Schüler mit Migrationshintergrund verlassen die Schule häufig ohne Abschluss, die meisten jedoch nicht aus Förderschulen. Der Anteil ohne Hauptschulabschluss liegt hier zwischen 12 und 25 Prozent.

„Auch wenn diese Zahlen nicht alarmierend sind, können wir uns jeden einzelnen als Gesellschaft nicht leisten. Wir müssen den Menschen einen vernünftigen Start ins Berufsleben ermöglichen“, so Haarstick.