„Rasante Weiterentwicklung in allen Systembereichen“
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat sich in Munster im Rahmen einer Fähigkeitsdarstellung einen unmittelbaren Eindruck von der Leistungsfähigkeit und den Planungen des Heeres verschafft.
„Das waren für das Deutsche Heer anstrengende, aber auch interessante und herausfordernde zwei Wochen“, erklärt Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einem gestrigen Truppenbesuch in Munster. Politikerbesuche ist man hier gewohnt, für Bundeskanzler gehört der Antrittsbesuch am größten Heeresstandort zum Pflichtprogramm, vor zwei Jahren war auch der Bundespräsident da. Doch diese Tage ragen heraus.
Am Donnerstag sprach Kanzler Friedrich Merz in Munster davon, wie sich „die Art der Konflikte verändert“, am Montag reiste sein fürs Militär zuständiger Minister an. Der Gastgeber hatte ihm unter der Führung von Heeresinspekteur Generalleutnant Dr. Christian Freuding im Rahmen einer Fähigkeitsdarstellung unter dem Motto „Wie das Heer kämpfen wird“ einen sinnlichen Eindruck von den Herausforderungen verschafft, denen sich die Bundeswehr zu stellen hat. Auch der Verteidigungsausschuss war vor Ort.
„Allen hier ist bewusst, dass es eine rasante Weiterentwicklung in allen Systembereichen gibt“, erklärte Pistorius. Großer Treiber sei die Drohnentechnik. „Wir sind gefordert, gerade in diesem Bereich an der Spitze der technologischen Entwicklungen zu sein.“ Die Dringlichkeit der Anpassung verdeutlichte er am Beispiel der Ukraine. „Das Kriegsbild dort hat sich massiv verändert und wird sich weiter dynamisch verändern. Das zu antizipieren ist eine schwere Aufgabe.“ Es gehe um Themen wie Satelliteninternet, Radar, GPS und die KI-gestützte Auswertung von Sensoren. Im digitalen Gefechtsfeld bleibt nichts unerkannt. „Es gibt heute praktisch keine geschützten oder sicheren Räume mehr“, so Pistorius. Reaktionszeiten würden immer kürzer, entsprechend erhöhe sich das Operationstempo. „Der Schutz der eigenen Kräfte wird anspruchsvoller.“
Kriege waren immer auch Materialschlachten. „Überlegenheit wird heute nicht mehr nur durch Hochtechnologie erreicht“, sagte der Minister. „Der massenhafte Einsatz von künstlichen Drohnen, von Drohnenschwärmen, spielt eine immer wichtigere Rolle, dabei kann Quantität Qualität schlagen. Wenn wir abschrecken wollen, müssen wir zeigen: Wir können kostengünstiger verteidigen, als ihr angreifen könnt.“
Was heißt das für die Waffengattung Panzer? Zum Anfang des Ukrainekrieges hieß es, dieser zeige, wie wichtig Panzer blieben. Mehr als vier Jahre später klingt Pistorius vorsichtiger. „Nicht mehr nur die Panzerschlacht entscheidet über Erfolg oder Misserfolg, sondern die Fähigkeit, auf dem digitalen Gefechtsfeld als Gesamtsystem wirken zu können.“