Abriss in Lohheide könnte erst der Anfang sein

700.000 Euro hätte die Sanierung der Kirche in Lohheide gekostet, bei einer schrumpfenden Mitgliederzahl der Gemeinde. Nach der Entwidmung wird sie nun verkauft und abgerissen. Foto: Thorsten Windhausen

Der Kirchenkreis Soltau trennt sich erstmals von einem Kirchengebäude. Das Bauwerk in Lohheide ist bereits entwidmet, im Juli soll es an die Bima, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, verkauft werden. Und fest steht: Die Bima will die Kirche abreißen. Es ist eine dramatische Entwicklung, die eng an die immer geringer werdenden finanziellen Spielräume in der Kirche gekoppelt ist. Lohheide ist daher möglicherweise nur der Anfang: 16 Kirchen, ebenso viele Pfarrhäuser und 15 Gemeindehäuser stehen alleine im Kirchenkreis Soltau, der den Norden des Heidekreises (außer Neuenkirchen und Schneverdingen) sowie den Nordwesten des Landkreises Celle mit Hermannsburg und Bergen und Faßberg abdeckt. „Wir haben verschärfte Bedingungen und müssen daher bewerten, welche Gebäude in der Zukunft bleiben sollen“, sagt Superintendent Heiko Schütte.

30 Prozent der Zuschüsse für die Bauunterhaltung könnten bis 2035 fehlen. Grund dafür sind zahlreiche Austritte im Zuge der Missbrauchsskandale, aber vor allem der demografische Wandel mit starkem Einbruch bei den Mitgliederzahlen. „Das sind Mindereinnahmen, die bei den Investitionskosten für die Bauunterhaltung durchschlagen.“

Alle Gebäude sollen daher auf Wirtschaftlichkeit und langfristige Nutzbarkeit geprüft werden. Zudem hat die Landeskirche das Ziel ausgegeben, dass bis 2035 80 Prozent der Emissionen eingespart werden sollen, 2045 will sie klimaneutral sein. Daher ist auch die Nachhaltigkeit der Gebäude ein weiterer Prüfpunkt, dem sich der Querschnittsausschuss im Kirchenkreis Soltau widmen soll. In ihm werden alle Bereiche rund um Bau- und Strukturplanung zusammengefasst. Ziel, so betont es auch Schüttes Stellvertreter Pastor Axel Stahlmann, sei es, einen nachvollziehbaren Kriterienkatalog aufzustellen, um eine möglichst abgewogene Entscheidung treffen zu können. Wichtig sei es, die einzelnen Gemeinden mitzunehmen, aber dennoch kirchenkreisweite Entscheidungen zu treffen: „Wir müssen zusammenarbeiten, um zukunftsfähig zu bleiben.“

Erste Ergebnisse sollen nach den Sommerferien für Gemeinde- und Pfarrhäuser vorliegen, für die Kirchen wird die Bewertung länger dauern. Wie schwer das möglicherweise sein wird, hat Stahlmann bereits selbst gespürt. Für die Kirche in Lohheide mit Baujahr 1954 gab es einen Interessenten, der es für gewerbliche Zwecke nutzen wollte und sogar mehr gezahlt hätte. Aber man habe sich so eine Nutzung einfach nicht vorstellen können in einem Gebäude, in dem getauft, konfirmiert und getrauert wurde. Dann lieber der Abriss, sagt Stahlmann, auch wenn es in der Seele weh tue.