„Rettet die Crew“: Kampf um Heide-Park-Ensemble

Die Piratenshow „Im Auge des Drachen“ war das Aushängeschild des Heide-Parks für seinen Entertainmentbereich unter anderem mit Eugene Schmarlovski (links) als Captain Sir Henry Morgan und Lothar Berger als Admiral John Forbes. Seit diesem Jahr gibt es sie nicht mehr.

Es geht nicht nur um die Shows, es geht um Herzblut, es geht uns um Respekt und darum, wie ihr mit Menschen umgeht, die über Jahre für den Park da waren.“ In den sozialen Netzwerken hat die Neuausrichtung des Entertainmentbereichs im Heide-Park Soltau zu deutlicher Kritik und einer organisierten Unterstützerbewegung geführt.

Unter anderem bei Instagram haben sich unter dem aussagekräftigen Titel „Rettet die Crew“ Fans, aber auch derzeitige und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammengeschlossen, um – wie auch dem obigen Zitat zu entnehmen ist – für den Erhalt der Shows mit dem langjährigen Personal zu kämpfen.

Die Seite zählt derzeit 543 Follower. Zudem läuft auf „change.org“ eine Petition mit dem Titel „Rettet unsere geliebten Darsteller im Heide-Park“, die inzwischen gut 1280 Menschen unterzeichnet haben. Kurz vor der diesjährigen Saisoneröffnung war bekannt geworden, dass die Piratenshow eingestellt wird. Inzwischen ist klar, dass der Entertainmentbereich des Parks neu strukturiert und künftig nicht mehr in Eigenregie mit eigenen Mitarbeitern, sondern mit einem externen Partner organisiert wird.

Der Merlin-Konzern mit Hauptsitz in London ist nach Disney weltweit der zweitgrößte Betreiber von Freizeiteinrichtungen. In Deutschland betreibt Merlin neben dem Heide-Park unter anderem Sea Life-Aquarien und Dungeons. Konzernintern wurde entschieden, dass künftig das Unternehmen RWS Global auch im Heide-Park tätig wird. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit größten Produzenten von Live-Entertainment und arbeitet bereits in Freizeitparks in Großbritannien und den USA.

RWS Global umreißt auf seiner Webseite sein Angebot: das von der Entwicklung der Konzepte, das Casting bis hin zur täglichen Produktion reichen kann. Im Heide-Park soll das Konzept in enger Abstimmung erfolgen und auf Basis klar definierter Vorgaben, wie eine Sprecherin des Parks gegenüber der Böhme-Zeitung dazu betont. Damit würden neue Akzente für das Besuchererlebnis gesetzt, verspricht sie. Der Entertainmentbereich spiele eine wichtige Rolle für das Gesamterlebnis der Gäste – auch, weil in diesem und im kommenden Jahr keine neue Großattraktion geplant sei.

Bei ihrem Protest geht es den Unterstützern inzwischen nach eigener Darstellung nicht mehr nur um die eingestellte Piratenshow. Im Mittelpunkt stehe die Sorge um die Zukunft des Ensembles, das über viele Jahre das Unterhaltungsprogramm geprägt habe. „Seit mehr als 23 Jahren gibt es im Heide-Park ein großartiges Team von Künstlern unter der Leitung eines ebenso großartigen Produzenten“, heißt es auf Instagram. Dieses Team habe über Jahre hinweg mit viel Herzblut und Leidenschaft das Erlebnis im Park entscheidend geprägt. Kritik an Entwicklung des Showangebots Die Sorge der Unterstützer richtet sich vor allem auf die künftige Zusammenarbeit des Heide-Parks mit RWS Global. Nach Angaben der Initiative könnten die Vertragsmodelle des Unternehmens dazu führen, dass das bisherige Ensemble langfristig nicht in seiner bisherigen Form erhalten bleibt. Konkrete Personalentscheidungen sind öffentlich bislang nicht bekannt.

Auch die Entwicklung des Showangebots wird kritisch gesehen. In den sozialen Netzwerken wird argumentiert, dass frühere Programme schrittweise reduziert worden seien. Die neue Kinder-Mitmachshow „Aye Aye Käpt’n!“ könne die eingestellte Piratenshow aus Sicht der Unterstützer nicht ersetzen. „Was ist eine ,Bucht der Piraten’ ohne Piraten?“, heißt es in einem Beitrag.

Der Heide-Park weist die Befürchtungen zurück. Nach Angaben der Sprecherin ist das aktuelle Darsteller-Ensemble zu einem Großteil identisch mit dem Team der vergangenen Saison. Auch künftig werde es Künstlerinnen und Künstler im Park geben. RWS Global werde die Gesamtverantwortung für das Entertainmentangebot übernehmen und künftig zu Auditions einladen.

Zugleich betont der Park, dass die Zusammenarbeit mit RWS Global ein zentraler Bestandteil der Weiterentwicklung des Angebots sei. Mit regelmäßigen Neuerungen im Unterhaltungsangebot bei Shows und Events wolle der Heide-Park sicher stellen, dass Norddeutschlands größter Freizeitpark in einem wettbewerbsintensiven Markt flexibel und reaktionsschnell agieren könne. Es gehe um neue Akzente. „Wie diese Akzente konkret aussehen, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt kommunizieren.“