Ein Stück zum Glück für alle

Bürgermeister Ulf-Marcus Grube lässt vor Publikum die lange Geschichte von der Planung bis zur Fertigstellung des neuen integrativen Spielplatzes in Munster Revue passieren. Fotos: akü

Wer den neuen Spielplatz am Marktplatz betritt, erkennt auf den ersten Blick bunte Spielgeräte und viel Platz zum Toben. Auf den zweiten Blick wird deutlich, was dieses Projekt besonders macht: Munster verfügt jetzt erstmals über einen integrativen Spielplatz, auf dem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam spielen können. Bürgermeister Ulf-Marcus Grube eröffnete die Anlage am Freitagnachmittag offiziell und blickte dabei mit vielen Gästen aus Bürgerschaft, Politik und Verwaltung auf einen langen Weg bis zur Fertigstellung zurück.

Die Idee entstand nicht über Nacht. Bereits 2022 und 2023 ließ die Stadt ihre Spielplätze genauer unter die Lupe nehmen. Dabei wurde untersucht, welche Spielgeräte vorhanden sind, welche Altersgruppen angesprochen werden und welche Angebote fehlen. Das Ergebnis war eindeutig: Für Kinder unter drei Jahren gab es nur wenige geeignete Spielmöglichkeiten, integrative Angebote praktisch gar nicht. Parallel dazu startete die CDU eine Online-Befragung zur Zukunft der Spielplätze. Einen entscheidenden Anstoß gab schließlich die Familie Bartens. Tochter Janina, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, machte darauf aufmerksam, dass es in Munster keinen Spielplatz gebe, den sie wirklich nutzen könne. „Da hatte sie natürlich komplett recht“, erinnerte sich Grube. Gemeinsam mit CDU-Ratsherr René Buchterkirchen und dem städtischen Mitarbeiter Ottmar Harwege nahm das Projekt Gestalt an. Während die Politik einen entsprechenden Antrag vorbereitete, suchte die Verwaltung bereits nach passenden Fördermöglichkeiten.

120.000 Euro Fördermittel für die neuen Spielgeräte

Fündig wurde sie beim Förderprogramm „Stück zum Glück“, das von Aktion Mensch, Rewe und Procter & Gamble getragen wird. Voraussetzung war ein gemeinnütziger Kooperationspartner. Diese Rolle übernahm die Lebenshilfe, mit der eine umfangreiche Vereinbarung getroffen wurde. Nach einer erneuten Bewerbung fiel schließlich die Förderzusage für den Standort am Marktplatz. Seit Ende März wurden die bisherigen Spielgeräte vom Bauhof abgebaut. Ein Teil konnte aufgearbeitet und auf anderen Spielplätzen wiederverwendet werden. Für die neuen Spielgeräte flossen 120.000 Euro Fördermittel. Hinzu kamen rund 43.000 Euro, die die Stadt unter anderem für den speziellen Fallschutzunterbau und die notwendigen Tiefbauarbeiten investierte. Warum gerade dieser Boden so wichtig ist, erklärte Thomas Stephany von der Aktion Mensch. Seit mehr als 60 Jahren setze sich die Organisation für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein. Dennoch seien Kinder mit Behinderung noch immer häufig vom gemeinsamen Spielen ausgeschlossen. Nach einer bundesweiten Untersuchung seien lediglich rund 20 Prozent aller Spielplätze so gestaltet, dass viele Kinder mit Behinderung sie nutzen könnten. Für Rollstuhlfahrer seien sogar nur etwa vier Prozent wirklich geeignet.

Inklusion soll nicht auffallen, sondern funktionieren

Genau hier setze die Initiative „Stück zum Glück“ an. Seit acht Jahren seien bundesweit rund 60 inklusive Spielplätze mit Investitionen von mehr als vier Millionen Euro entstanden. Munster gehöre nun zu diesen Projekten.

Stephany betonte, dass Inklusion nicht auffallen, sondern funktionieren müsse. Deshalb ersetzt der barrierefreie Fallschutzboden den sonst üblichen Sand oder die Holzschnitzel auf den Laufwegen. Kinder im Rollstuhl oder mit Gehhilfen können sich dadurch selbstständig auf der gesamten Anlage bewegen. Sand zum Spielen gibt es trotzdem, allerdings nur dort, wo er tatsächlich zum Buddeln gedacht ist.

Auch die Spielgeräte wurden vielfältig ausgewählt. Eine besondere Schaukel ermöglicht das gemeinsame Schaukeln von Kindern und Begleitpersonen, ein ebenerdiges Karussell ist direkt mit dem Rollstuhl erreichbar. Viele Spielangebote befinden sich in Bodennähe, sodass auch Kinder, die nicht klettern können, aktiv am Spiel teilnehmen. Gleichzeitig bleiben anspruchsvollere Elemente für bewegungsfreudige Kinder erhalten.

Stephany lobte das Zusammenspiel aller Beteiligten – von der Stadt über die Förderpartner bis hin zum Spielgerätehersteller – und sprach von einem gelungenen Beispiel dafür, wie gemeinsames Spielen für alle Kinder möglich geworden ist.

Pünktlich um 14.42 Uhr erklärte Bürgermeister Grube den neuen Spielplatz für eröffnet. Lange auf eine Einladung mussten die Kinder nicht warten. Sie hatten schon Stunden zuvor begeistert, lachend und mit lauten Rufen den Spielplatz in Besitz genommen.